Und Action: Schauspieler schlüpfen in historische Rollen

Mit modernster Technik wird das Angebot in den Museen im Schloss Augustusburg erweitert. Per Video und Tablet-Computer soll die Geschichte zum Leben erweckt werden - und junge Leute locken.

Augustusburg.

400 Jahre Geschichte kann das Schloss Augustusburg vorweisen. Etliche berühmte historische Personen wirkten auf dem Schloss - vom Kurfürsten August bis hin zum Hofmaler Heinrich Göding. Diese Personen sollen nun wieder lebendig werden. "Wir schaffen mit der Augmented Reality ein Angebot, das die Historie des Schlosses erlebbarer machen soll", sagt Geschäftsführerin Patrizia Meyn. Die Technik der Augmented Reality, übersetzt erweiterte Realität, soll als Mediaguide durch die Ausstellungen führen, erklärt Patrizia Meyn.

"Die Besucher können sich ein Tablet ausleihen, mit dem sie die Ausstellungen besuchen. Damit können sie an bestimmten Punkten Videos sehen, wenn sie die Kamera des Tablets auf die Kulisse halten." Noch ist diese Technik in Museen eher eine Seltenheit.

Mit der neuen Technik will das Museum auch für junge Leute attraktiver werden. "Das Rezeptionsverhalten in der Gesellschaft hat sich stark verändert, darauf wollen wir natürlich reagieren", erklärt die Geschäftsführerin. Damit soll es zukünftig nicht nur etwas zum Anschauen geben, sondern auch zum Hören, denn die Tablets sind mit einem Audio-Guide verbunden, worüber die Museumsgäste den Ton hören können. Zusätzlich gibt es virtuelle Informationen zu Wandmalereien und Ausstellungsstücken.

Für die Produktion der Videos an Schauplätzen wie dem Innenhof, dem Venussaal, dem Hasensaal und dem Lindenhaus wurde am Montagnachmittag gedreht. Mit dabei waren fünf Darsteller des Mittelsächsischen Kultursommers, die in insgesamt sechs historische Rollen schlüpften. Darunter auch Falko Jahn. Er verkörpert die Rolle des DKW-Konstrukteurs Petersen, der im Motorradmuseum zu sehen sein wird. "Er wird eine Zeitreise machen und so den Besuchern sein Leben und Schaffen näherbringen", sagt Regisseur und Produktionsleiter Andri Mihailecso.

Insgesamt drei Videos wird es mit dem Konstrukteur geben: als junger Mann, als Mittvierziger mitten im Leben stehend und als alter Mann. Dann wird er zurückblicken auf seine Arbeit, wie der Drehplan verrät. Gedreht wurden die Szenen allerdings nicht an den Schauplätzen, an denen die Videos später zu sehen sein werden. Die Darsteller stehen in einem sogenannten Green-Screen. Vor der grünen Wand sagen sie ihren Text auf und in der Nachbearbeitung wird der jeweilige Hintergrund eingefügt. Erarbeitet hat die Ideen und Figuren unter anderem Claudia Glashauser, Leiterin der Museen. Schon vor einem Jahr haben die Vorbereitungen begonnen. "Ich bin vor allem für die Koordination und die Umsetzung verantwortlich, aber ich habe auch an den Texten mitgeschrieben", sagt Claudia Glashauser.

Die Kosten für das Pilotprojekt im Schloss Augustusburg belaufen sich auf 150.000 Euro, bemerkt Meyn. Angeschafft wurden ebenfalls 50 I-Pads für die Besucher. Finanziert wird das Projekt über Mittel, die der Freistaat Sachsen zur Verfügung stellt. Zu erleben sein soll die neue Technik ab dem Winter, voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres. "Wir versuchen, die Technik auch im Schloss Lichtenwalde und in der Burg Scharfenstein umzusetzen", sagt Patrizia Meyn.

Bereits jetzt können die Besucher erste Versuche mit der Technik der Augmented Reality unternehmen. "Wir haben in der Ausstellung 'Ausgetrickst!' schon die Möglichkeit, mit den Tablets die Kunstwerke zu erweitern. So erscheinen zusätzlich Videos und Musik", erklärt die Schlosschefin weiter. Bisher hat die Ausstellung seit Oktober knapp 85.000 Besucher angelockt, besonders bei Jugendlichen ist sie laut der Geschäftsführerin beliebt. Damit konnten auch mehr Besucher für die anderen Ausstellungen begeistert werden.

Für das Marketing des neuen Angebots sind die Verantwortlichen noch auf der Suche nach einer Familie, die für die Werbekampagne fotografiert werden soll. "Wir suchen zwei Kinder zwischen 10 und 15 Jahren und Großeltern oder ein Elternpaar", so Patrizia Meyn.

Wer Interesse am Fotoshooting für die Kampagne hat, meldet sich bei Laura Schieferstein vom Marketing-Team unter Telefon 01702926713.

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