Unterwegs in einsamer Wildnis

15 Jugendliche und ihre Begleiter sind von einer Forschungsreise in den Weiten Nordwestrusslands zurückgekehrt. Nicht nur die Natur bot ihnen Überraschendes.

Marienberg.

Russland gehört zu jenen Exkursionszielen, bei denen man mit vielen Unwägbarkeiten rechnen muss. Das hatte sich Kay Meister gedacht, bevor er mit seiner Kollegin Babett Schreiter und 15 Jugendlichen in die Wildnis Kareliens aufgebrochen ist.

Inzwischen sind die Teilnehmer von ihrer Forschungsreise zurückgekehrt, und der Rübenauer Biologe muss sich revidieren: "Ich bin selbst überrascht, wie problemlos alles vonstatten gegangen ist. Zudem gab es keine Verletzungen, und auch von der Kondition her konnten alle mithalten. Die Harmonie in der Gruppe hat gestimmt." Für den Betreuer ein Zeichen, dass die zweijährige Vorbereitungszeit mit Outdoor-Seminar und Exkursion etwas gebracht hat. "Wir haben zusammen den Reiseplan aufgestellt. Alle konnten sich einbringen. Das schweißt zusammen", ist der Vorsitzende des Naturschutzvereins Natura Miriquidica überzeugt. Der Verein hat die Reise organisiert.

In zweieinhalb Wochen lernten die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren gemeinsam mit ihren zwei Betreuern die Wildnis am Onegasee, dem zweitgrößten See Europas in Nordwestrussland, und am Weißen Meer sowie die undurchdringliche Taiga kennen. Aber auch die russische Kultur mit ihren Klöster und abgelegene Dörfer gehörten dazu. Während die Reiseroute vorgegeben war, galt es letzte Details vor Ort zu klären. "Als wir am Onegasee ankamen, wussten wir noch nicht, wo wir übernachten und wie viele Tage wir an welchem Ort verbringen werden", erklärt Kay Meister.

Beim Klären dieser Fragen kam den Reisenden die russische Mentalität entgegen. "Wenn du in einem Dorf mit einer 15-köpfigen Truppe aus dem Bus steigst, dauert es ungefähr fünf Minuten, bis Einheimische auf dich zukommen und Hilfe anbieten." Der Rübenauer berichtet über eine Dorfbewohnerin, die auf der Stelle ihre Kartoffelhacke aus der Hand legte und die Jugendlichen mit ihren Begleitern zwei Stunden durch einen Wald führte, um einen schönen Platz zum Zelten zu finden. "Ich selbst würde das wohl nicht tun", gesteht Kay Meister, der die Erfahrung machte, dass man als Deutscher in Russland relativ gern gesehen ist.

In Kontakt kam die Gruppe zumeist mit der Landbevölkerung, die wie Meister berichtet, in unglaublich ärmlichen Verhältnissen lebt und doch eine gewisse Zufriedenheit ausstrahlt. Eine wertvolle Erkenntnis für den Biologen: "Schließlich bestand ein Ziel unserer Reise darin, den Teilnehmern zu zeigen, in welchem Überfluss wir zuhause eigentlich leben."

Die Jugendlichen mussten nicht zuletzt lernen, mit einigen Widrigkeiten zurechtkommen. Kay Meister spricht etwa von wechselhaftem Wetter mit starken Niederschlägen am Onegasee. So nahmen die Teilnehmer ihr Abendessen im Freien bei Regen ein. Entschädigt wurden sie später mit fantastischem Wetter am Weißen Meer.

Einen Wermutstropfen gab es dennoch ganz am Ende der Reise. Während bisher alles wie am Schnürchen lief - die Züge in Russland fuhren auf die Minute genau -, verlief der Rückflug alles andere als planmäßig. Wegen eines Gewitters konnte das Flugzeug nicht wie vorgesehen in Prag landen, sondern legte einen Zwischenstopp in Dresden ein. Die Passagiere durften die Maschine nicht verlassen und mussten eineinhalb Stunden ausharren, bevor es zurück nach Prag ging. "Die Eltern haben dann ihre Kinder gegen Mitternacht abgeholt und waren erst 2 Uhr zuhause", bedauert Kay Meister.

Aus den Augen verlieren werden sich die Exkursionsteilnehmer sobald nicht. In den nächsten Wochen gilt es, über die vor Reisebeginn vergebenen Forschungsthemen, etwa zu Wetteraufzeichnungen und Tierbeobachtungen, Berichte anzufertigen sowie Fotomaterial auszuwerten. "Wir werden kleine Ausstellungen und einen Vortrag vorbereiten", sagt der Biologe. Die Ergebnisse wollen die Nachwuchsforscher im Oktober oder November im Gymnasium Marienberg vorstellen.

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