Vater und Sohn sind den Häuselmachern auf der Spur

Die Naumanns haben sich dem Bau der Miniaturen verschrieben. Und sie gehen deren Geschichte nach. In einer Ausstellung im Pferdegöpel in Lauta zeigen sie Vergangenheit und Gegenwart ihres Handwerks.

Lauta.

Bis Weihnachten sind es zwar noch reichlich acht Wochen. Die Museen der Region geben bereits jetzt einen Vorgeschmack und eröffnen derzeit ihre jeweiligen Sonderausstellungen, die über den Jahreswechsel hinweg zu sehen sind. Ab Samstag können Besucher des Pferdegöpels in Lauta in eine Miniaturwelt eintauchen. Die Häuselmacher Rainmar und Roman Naumann aus Rechenberg-Bienenmühle geben dort mit mehr als 600 Exponaten einen Einblick in die Vergangenheit und Gegenwart des Häuselmacherhandwerks.

Rainmar Naumann, der Vater von Roman, entdeckte Ende der 1970er-Jahre den Bau von Miniaturen aus Holz für sich. "Ich habe zuerst zwei hölzerne Häuseln und eine Wehrkirche nach dem Vorbild des Großrückerwalders Originals gebastelt. Inspiriert haben mich dabei die Miniaturen des Seiffener Kunsthandwerkers Wolfgang Glöckner", sagt der gelernte Schlosser, der den ersten Häuseln bald weitere folgen ließ. Aus ihnen entstand ein kleines Dorf, zu dem auch der Grünthaler Kupferhammer gehört. Jahre später, 1994, fasste der damals arbeitslose Rainmar Naumann den Entschluss, sich selbstständig zu machen und Miniaturhäuseln zu produzieren.

"Nach zahlreichen Versuchen hatte ich bis zum Sommer 1996 meine eigene Grundgestaltung gefunden und konnte beginnen", erinnert sich Rainmar Naumann, der im November seinen 70. Geburtstag feiert. 2005 übernahm sein Sohn Roman, gelernter Kaufmann für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft, den Familienbetrieb, zu dessen Markenzeichen Fachwerkgebäude zählen. "Ich war ja schon einige Jahre im Betrieb, und mein Vater hat mir die Geheimnisse des Häuselmachens vermittelt", sagt Roman Naumann.

Bei der Herstellung werden zunächst von gehobelten Leisten aus Buchenholz rechteckige Stücke abgesägt. Diese werden geschliffen und grundiert. Auf die Holzklötze wird das Fachwerk aufgemalt. Für die Dächer schneiden die Naumanns Dreiecksleisten aus Kiefernholz zu. Jedes Dach wird nach dem Feinschliff mit Farbe oder Holzbeize behandelt. Ergänzt werden die Häuseln mit Schornsteinen und Anbauten wie etwa Schuppen oder Vorhäuschen. "Unsere Miniaturen haben oftmals Vorbilder in der Region. Um das Erbe der Wehrgangkirchen zu bewahren, entstehen auch diese bei uns als Miniatur. Bis auf die in Dörnthal haben wir schon alle gebaut", erzählt Roman Naumann, der 2005 eine Neuentwicklung präsentierte. "Wir nennen sie Hintergrundhäuser. Diese sind größer als unseren sonstigen Miniaturen. Die hölzernen Fachwerkbauten besitzen aber nur einige Zentimeter Tiefe, denn sie stehen im Hintergrund, etwa auf Schwibbögen. Davor können hölzerne Miniaturbergleute aufmarschieren oder sich Dorfbewohner versammeln." Mit seinem Vater begann er vor etwa zehn Jahren zudem, die Geschichte des Häuselmachens im Erzgebirge zu ergründen. "Wir haben dazu etliche historische Häuseln, teils aus Holz, teils aus Pappe, von Antiquitätenhändlern, Privatleuten und im Internet gekauft", so Roman Naumann. Diese Exemplare sind jetzt auch in Lauta zu sehen. Dort stehen sie in Vitrinen neben den aktuellen Häuseln der Naumanns sowie Sonderanfertigungen.

Die Sonderausstellung ist vom 19. Oktober bis zum 23. Februar im Besucherbergwerk Pferdegöpel in Lauta zu sehen.


Hersteller gibt es schon seit rund 200 Jahren

Häuselmacher, also Hersteller von Spielzeughäuschen, gab es im Erzgebirge schon vor rund 200 Jahren. Im Raum Grünhainichen wurden zumeist Häuseln aus Pappe, im Raum Seiffen zumeist solche aus Holz hergestellt.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts waren sie nicht mehr nur Spielzeug, sondern wurden für die Ausstattung von Heimat- und Weihnachtsbergen und zur Weihnachtsdekoration genutzt.

Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch einmal eine Entwicklung: Damals sorgten die aufkommenden Modelleisenbahnen für eine zusätz- liche Nachfrage an Gebäudemodel- len. (faso)

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