Verkauf übers Internet - eine Erfolgsgeschichte für den Handel?

Dem Kundenrückgang versuchen Einzelhändler in Zschopau mit Onlineshops entgegenzuwirken. Zum Teil mit positiven Ergebnissen.

Zschopau.

Wer denkt, dass die Wurst beim Fleischer nur über die Ladentheke verkauft wird, irrt: Seit Anfang Dezember hat die Zschopauer Fleischerei Göhler auch einen Online-Shop. Wurst, die per DHL geliefert wird? Das funktioniert tatsächlich. Und die Fleischerei ist nicht der einzige Händler in der Stadt, der das Geschäft freiwillig oder notgedrungen in das weltweite Netz ausdehnt, oder sogar dort gegründet hat. Fünf Beispiele, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Fleischerei Göhler: Seit Dezember verkauft die Fleischerei Göhler auch online Wurst. Nicht aus der Not heraus, sondern "weil andere Fleischereien das auch machen und wir auf dem aktuellen Stand bleiben wollen", so Erik Diez, der den Onlineshop pflegt. Dort werden hauptsächlich Wurstwaren angeboten, die sich gut in Thermoboxen verschicken lassen, wie Salami, Bratwürste, Schinken und Fleisch im Glas. Dabei ist die DHL-Lieferung kein Muss: Wem 22 Uhr einfällt, dass er noch Grillwürste braucht, kann diese online bestellen und am nächsten Tag vom DHL-Boten in Empfang nehmen oder in der gewünschten Filiale abholen - nachdem er per E-Mail über den Eingang der Sendung informiert wurde. Die Wurst kostet im Netz so viel wie in einer der neun Filialen, plus knapp acht Euro Versandkosten.


Baby-Ausstatter: Als im Geschäft für Kinderwagen, Babystrampler und Laufgitter an der Rudolf-Breitscheid-Straße vor etwa neun Jahren die Umsätze zurückgingen, ging Inhaber Thomas Weisflog zusätzlich online. Die Website samt Onlineshop erstellte ein IT-Experte. Aber die Rechnung ging nicht ganz auf. Problem 1: "Du wirst nicht gefunden." Bei der Suchmaschine Google tauche seine Seite erst weit unten in der Ergebnisliste auf. Problem 2: Wie bestehen im Preiskampf gegen die großen Onlinehändler wie Amazon oder Ebay? Die verlangen bis zu 15 Prozent Provision pro verkauftem Artikel. Beim Kampf um den niedrigsten Preis bei leicht vergleichbaren Produkten wie Kinderwagen kann der Einzelhändler da nicht mithalten. Er erlebe aber auch, dass sich Kunden online informieren und dann in sein 150 Quadratmeter großes Geschäft kommen. "Hochwertige Produkte werden im Fachhandel zu ähnlichen Preisen wie online angeboten. Der Vorteil beim Ladenkauf: Beratung und Service gehören dazu.

Kinaree: Für sie sind Amazon und Ebay Vertriebspartner: Alexandra und Robert Hähnel verkauften ab Ende 2014 erste asiatische Möbel und Dekoartikel über diese Portale. Mitte 2015 richtete Robert Hähnel, der als Informatiker bei der Bundeswehr arbeitet, den Onlineshop Kinaree ein. Weil die Nachfrage existierte, richteten die beiden ein halbes Jahr später den Laden an der Ludwig-Würkert-Straße ein. "Ohne den Onlineshop müssten wir uns immer darauf verlassen, dass genügend Kunden in den Laden kommen", sagt Robert Hähnel.

Zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaften sie weiterhin online. Dort erreichen sie Kunden etwa in Hamburg und München - in diesen Städten hätten die Kunden andere finanziellen Möglichkeiten als in der Region. In die weite Welt werden Päckchen geschickt, Speditionsversand erfolgt nur in die Nachbarländer Deutschlands. Eine große Lieferung war etwa ein Wurzelholzsessel ins polnische Warschau.

Vor Weihnachten packten und verschickten sie bis zu 20 Pakete am Tag, sonst sind es etwa vier. "Unsere Produkte sind einzigartig", nennt Robert Hähnel einen Grund für den Erfolg des Ladens. Daher sei der Preiskampf für die Zschopauer nicht so hart.

Tortenfantasy: "Die Internetpräsenz ist für uns besonders wichtig, weil wir kein Ladengeschäft haben", sagt Raymond Gebhardt von der Zschopauer Manufaktur Tortenfantasy. Vor drei Jahren hat er den Onlineauftritt innerhalb von zwei Wochen erstellt. Mit seiner Frau Sandy bäckt und dekoriert er seitdem Torten für alle Anlässe. Ihre Webseite beinhaltet keinen Onlineshop und wurde im ersten halben Jahr kaum gefunden, so Raymond Gebhardt. Aber seitdem er sie aktualisiert hat, kommen Anfragen aus Hamburg, Berlin, Leipzig und Dresden. Nach 60 Hochzeiten 2015 belieferten die Gebhardts 2016 insgesamt 220, wobei auch Mund-zu-Mund-Propaganda eine große Rolle spiele. Damit die Webseite der Firma möglichst weit oben bei der Suchmaschine Google auftaucht, werde regelmäßig aktualisiert, auf andere Seiten verlinkt und verschlagwortet. Zudem betreuen die beiden eine Präsenz in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram. In letzterem werden Fotos präsentiert. "Facebook ist fast noch wichtiger", sagt Sandy Gebhardt. Dort ist der Kontakt zu den Kunden enger, weil diese Beiträge mit "Gefällt mir" markieren, kommentieren und teilen können.

Weltladen: Bewusst gegen einen Onlineshop entschieden haben sich Ina Timmel und Ute Lübke vom Weltladen Akelei an der Lange Straße in Zschopau. Dort werden neben fair gehandelten Produkten Stoffe und Nähzubehör verkauft. Ihren Kunden sei eine individuelle Beratung wichtiger, sagt Ina Timmel vor allem mit Blick auf den Stoffverkauf, denn diese wollen die Textilien anfassen und prüfen. Auch Nähmaschinen verkaufen sie bewusst nicht online, sondern nur im Laden.


"Onlineshops sind keine Allheilmittel"

Für lokale Einzelhändler ist "ein eigener Onlineshop kein 'Allheilmittel'", so Ilona Roth, IHK-Geschäftsführerin für Handel/Dienstleistungen. Nicht jeder Händler könne den damit verbunden "nicht unerheblichen" finanziellen und personellen Aufwand stemmen. Wichtig sei aber, dass Kunden, dort, wo sie es erwarten - und das ist zumeist im Internet - zumindest Informationen finden zu Öffnungszeiten, Sortiment, Service und Aktionen.

Unterstützung biete die IHK Chemnitz bei Workshops, individueller Beratung oder Informationsveranstaltungen. So findet das Chemnitzer Handelsforum am 29. März 2017 zum Thema "Die Renaissance des (stationären) Einzelhandels im Onlinezeitalter" in der IHK Chemnitz statt.

Die IHK kritisiert seit Jahren, dass ein Großteil der Kaufkraft vor den Toren Zschopaus ausgegeben werde. Das Einkaufszentrum Zschopau/Gornau mache mit einer Fläche von 9000 Quadratmetern 44 Prozent der gesamten städtischen Verkaufsfläche (21.000 Quadratmeter) aus. (sane)

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