Vermieter setzt auf Einbau von Aufzügen statt auf Teilabriss

Zschopaus größte Wohnungsverwalterin investiert in ein 6,5-Millionen-Euro-Projekt. Das könnte beispielgebend für andere Umbauvorhaben sein.

Zschopau.

Nach dem Abbruch des Wohnblocks Stadtblick 5 vor vier Jahren hat die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH Zschopau (GGZ) ein neues Großprojekt in Angriff genommen. Nur geht es diesmal nicht um Abriss, sondern um Modernisierung. Ursprünglich wollte das kommunale Wohnungsunternehmen von dem Fünfgeschosser Lessingstraße 2 bis 18 zwei Etagen abtragen. Erst Ende 2018 wurde diese Idee begraben und stattdessen der Einbau von drei Aufzügen favorisiert.

Den Anstoß dazu gaben die Mieter selbst. Es hatte sich herumgesprochen, dass der Block saniert und mit Fahrstühlen ausgestattet werden soll. Dabei war die Entscheidung noch gar nicht gefallen, erinnert sich Geschäftsführerin Kerstin Rümmler: "Auf die Bedürfnisse sind wir schließlich eingegangen."


Ohnehin scheint die GGZ-Chefin beim Thema Rückbau vorsichtig geworden zu sein: "Der Wohnungsleerstand liegt aktuell bei 15 bis 20 Prozent und tut uns nicht so weh, wie mancher denken mag." Trotz Leerstandes arbeite die GGZ in der Gewinnzone. Fünf Prozent des Bestands bleibe ohnehin für längere Zeit unvermietbar, weil Qualität und Lage nicht stimmen, fügt die Geschäftsführerin an.

Der Bevölkerungsrückgang hält zwar wegen der hohen Sterberate an. Kerstin Rümmler spürt aber, dass es nicht mehr so rasant abwärts geht. Sie verweist zugleich auf erste Erfolge im Bemühen, junge Leute in die Oststadt zu lenken: "Viele wollen aus dem Stadtzentrum ins Ländliche. Auch aus den umliegenden Dörfern bekommen wir neue Mieter."

Das Projekt an der Lessingstraße könnte beispielgebend für den Umbau weiterer Gebäude dieser Bauart sein. Rümmler spricht vom "Q6-Typ", bei dem Küche und Bad nebeneinander liegen. Annähernd 1000 Wohnungen im gesamten Stadtgebiet besitzen diesen Zuschnitt, schätzt sie.

Die Blöcke wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren errichtet. Den an der Lessingstraße hat die GGZ 1995 schon einmal komplett saniert. Damals wurden die alten Kachelöfen herausgerissen, Dach, Fassade und Fenster erneuert. Zwischenzeitlich haben sich die Bedürfnisse der Bewohner verändert. "Die Probleme begannen 2012", erinnert sich Kerstin Rümmler. Keiner wollte mehr in die fünfte Etage, Wohnungen ohne Balkon waren nicht mehr gefragt, ebenso wie die winzigen Bäder und Küchen.

Die Zuschnitte werden nun großzügiger. Aus 90 Zwei- und Dreiraumwohnungen entstehen 60 neue - Ein-, Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen. Jede bekommt mindestens einen Balkon.

Die ersten fünf Vierraumwohnungen im Eingang Lessingstra- ße 18 sollen Anfang 2020 bezugsfertig sein. Bei der Vergabe will die GGZ zunächst die im Block lebenden Mieter berücksichtigen. Etwa ein Drittel der Wohnungen ist noch belegt. Die in drei Abschnitte gegliederte Sanierung soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein.

6,5 Millionen Euro will die Wohnungsverwalterin investieren. Reichlich 800.000 schießt der Freistaat aus Steuermitteln zu. Über die Vermietung der restlichen neuen Wohnungen muss sich die GGZ offenbar keine Gedanken machen. Kerstin Rümmler spricht von zahlreichen Interessenten.


Zschopau hat 9152 Einwohner

Mit Stichtag zum 30. Juni leben in Zschopau laut Statistischem Landesamt noch 9152 Einwohner. Im Jahr 1990 waren es mehr als 13.000. Statistiker begründen den immer noch anhaltenden Bevölkerungsrückgang insbesondere damit, dass mehr Menschen sterben als Neugeborene hinzukommen. Auch eine stärkere Zuwanderung ändert nichts daran.

Im August-Bebel-Gebiet liegt der Altersdurchschnitt bei 55 Jahren, in der Oststadt zum Teil bei über 75. (mik)

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