Vier Anwärter liebäugeln mit Bundestag

Noch ist es gut ein Jahr hin bis zur Parlamentswahl, doch die CDU eröffnet schon jetzt den Nominierungs-Marathon - mit einigen Überraschungen.

Zschopau.

Erklingt womöglich am 17. September ein Hit von Udo Jürgens als Schlussakkord der CDU-Nominierungsveranstaltung für die Bundestagswahl? Gut denkbar - wenn sich Stefanie Rehm für den hiesigen Wahlkreis durchsetzen sollte. Beruflich ist die 66-Jährige viel rumgekommen. Nun will sie nach Berlin. Damit würde sich für die Lehrerin, Sachsens Ex-Kultusminsterin und Referentin der Bogen schließen. Schon 1990 schnupperte sie Parlamentsluft. In einem Alter, wo andere ihre Karriere ausklingen lassen, will die gebürtige Zschorlauerin noch einmal durchstarten. Bei ihrem aktuellen Job habe sie alles daran gesetzt, die Zusammenarbeit über die Erzgebirgsgrenze hinweg zu forcieren. "Hier schlummert aber noch ein riesiges Potenzial", begründet Rehm, warum für sie mit 66 noch lange nicht Schluss sein soll.

Doch sie ist nicht die einzige, die für das Mandat schon seit geraumer Zeit mit den Füßen scharrt. Vor allen anderen wurde bereits Günther Schneider von der Jungen Union ins Spiel gebracht. Der 61-Jährige ist seit 2015 ehrenamtlicher Bürgermeister von Grünhainichen, seit zwölf Jahren im Landtag, war zuvor tätig als Rechtsanwalt und Richter. Selbstbewusst sagt der Honorarprofessor: "Ich will die Stimme fürs Erzgebirge werden, mich für bessere Infrastruktur, mehr Sicherheit und bessere Berufschancen stark machen."

Viel Erfahrung - die hat auch Alexander Krauß. Der 40-Jährige sitzt seit 2004 für die Region im Landtag. Ob Ärztemangel, Familien- oder Asylpolitik - er weicht keinem heißen Eisen aus. Auch mit seiner Integrationsfibel für Asylbewerber oder dem einheitlichen Weihnachtstrubel bis Lichtmess sorgte er für heiße Diskussionen. Mit markigen Worten lotet der Schneeberger dabei den Spielraum seiner konservativen Grundhaltung teils bis an die Grenzen aus. Kein Wunder - er hat's studiert, weiß somit, wie der Politikbetrieb tickt.

Nur drei Jahre älter ist der vierte Kandidat: Andreas Engert aus Annaberg-Buchholz. Seit zwei Jahren macht sich der 43-Jährige als Stadtrat für die Probleme der Bürger heiß, aber auch mal kalt - etwa als Betreiber der Eisbahn in der Kreisstadt. Sein Credo: Mehr machen, weniger reden. Deshalb will der gelernte Kfz-Mechaniker, der auch bei der Bundespolizei war, in den Bundestag: "Ich vermisse in der Politik die Praxisnähe", so der Unternehmer.

Die anderen Parteien halten sich noch bedeckt. Die Linke will am 22. Oktober ihren Kandidaten nominieren. Die SPD wird noch diesen Monat einen Termin festlegen. Bei der FDP wird die Nominierung frühestens Ende des Jahres vollzogen, bei den Grünen sogar erst im ersten Quartal 2017. Bei der AfD steht noch kein Termin fest. Wittern nach dem Rückzug von Günter Baumann (CDU) dessen Konkurrenten von der Wahl 2012 Morgenluft?

Heinz-Peter Haustein (FDP/6,2 Prozent der Direktstimmen) winkt ab: "Ich kann doch nicht bei der Bürgermeisterwahl ankündigen, 'Alles für Olbernhau' zu tun und verdrücke mich dann nach Berlin", so der neue Stadtchef. Andrea Schrutek (Die Linke/20,6) will nun anderen den Vortritt lassen. Bert Meyer (Grüne/3,0) hat es sich vielleicht jetzt im Urlaub überlegt. Und Wolfgang Gunkel (SPD/12,2) will sich in die Rente verabschieden.

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