Vom Anfang und einem Ende

Ein Borstendorfer hat den Kruzifixus auf dem Gräflichen Friedhof in Lichtenwalde vor dem Verfall bewahrt. Auch nach der nun abgeschlossenen Restaurierung soll sich im Lichtenwalder Park einiges ändern.

Lichtenwalde/Borstendorf.

Manch angeschlagenen Schatz hat Peter Wojtkowiak bewahrt. Seine Handschrift tragen die Reh- und Hirschköpfe im Schloss Augustusburg. Er arbeitete in den Schlössern Rochlitz und Rochsburg, dem Schillerhaus in Weimar, rettete das berühmte Napoleon-Bett im Gothaer Schloss Friedenstein. In der Werkstatt des Borstendorfer Restaurators liegt nun der Kruzifixus vom Gräflichen Friedhof Lichtenwalde auf dem großen Arbeitstisch. Über viele Wochen.

Im Auftrag der Schlossbetriebe sanierte der 54-Jährige die fast lebensgroße Figur aus Eichenholz, die den ans Kreuz genagelten Christus darstellt. Die Kosten im unteren fünfstelligen Bereich trägt das Sächsische Immobilien- und Baumanagement. Der Förderverein "Schloss und Barockgarten Lichtenwalde beteiligt sich mit einer Spende von gut 2000 Euro. Die Restaurierung des Kruzifixes ist die erste Maßnahme im neuen Denkmalpflegekonzept für den Schlosspark, sagt Thomas Staudt, Pressesprecher der Schlossbetriebe. Die letzte Fassung des Konzeptes stamme aus dem Jahr 2005. Jetzt ist der aktuelle Entwurf kurz vor der Freigabe.

Schöpfer des Lichtenwalder Kruzifixes ist Hans Mayr (1870 - 1935), zeitweise Bürgermeister von Oberammergau. Es entstand um 1900 - wann es genau aufgestellt wurde, ist nicht überliefert. Wojtkowiak hatte einen recht angeschlagenen Patienten in seine Werkstatt geholt. "Beim Abnehmen stellte ich fest, dass die Schnitzerei nur noch von einem Nagel gehalten wurde", sagt der Borstendorfer.

Bilder vor der Restauration zeigen: Das Holz war nicht nur gerissen, sondern teilweise waren auch Stücke herausgebrochen. Die letzte Restaurierung war 1996. Erschwerend kam hinzu, dass der Kruzifixus bis 1945 immer abgenommen worden war, um in einem speziellen Behältnis gut über den Winter zu kommen. Über eine solche Sicherung denke man nun auch nach der Restaurierung nach, so Pressesprecher Thomas Staudt.

Von den Schäden ist nichts mehr übrig. Der Restaurator verschloss die Risse und legte großen Wert darauf, dass die Figur ihren ursprünglichen Farbton wieder erhielt, die vor der Restaurierung nur noch zu erahnen war. "Wir freuen uns, dass es gelungen ist, das denkmalgeschützte Objekt vor dem weiteren Verfall und der Verwitterung zu schützen", so Jürgen Müller, der Vorsitzende des "Fördervereins Schloss und Barockgarten Lichtenwalde".

Seit 2013 unterstützen Vereinsmitglieder die Pflege des Gräflichen Friedhofes mit Arbeitseinsätzen jeweils im Frühjahr und Herbst. Doch der Pflegevertrag endet. Die Schlossbetriebe werden ab 2020 die Arbeiten mit eigenem Personal selbst absichern.


Kruzifix und Kruzifixus

Kruzifix: die meist plastische Darstellung des ans Kreuz genagelten Christus.

Kruzifixus: der gekreuzigte Christus an sich. (lasc)

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