Von Tempolimit bis Halteverbot - Wo der Schilderwald zuhause ist

Mitarbeiter der Firma Löschner-Meisel sind zur Stelle, wenn Baustellen abgesichert werden müssen. Anfang Dezember besteht das in Altchemnitz ansässige Unternehmen seit 25 Jahren. Die Auftragslage ist gut, trotzdem gibt es ein Problem.

chemnitz.

Mit den Verkehrszeichen, die auf dem Grundstück an der Straßburger Straße in Altchemnitz gelagert sind, ließe sich vermutlich halb Chemnitz beschildern. Leitbaken, Höchstgeschwindigkeits- sowie andere Verbots- und Hinweisschilder bilden einen recht eindrucksvollen Stangenwald. All das benötigen die 27 Mitarbeiter des Unternehmens Löschner-Meisel, um Baustellen abzusichern. Das ist das Kerngeschäft des Unternehmens, das seit 25 Jahren existiert.

Seit Rolf Meisel, die eine Hälfte des Gründer-Duos, 2015 in den Ruhestand gegangen ist, führen Stefan Löschner und sein Sohn Thomas als Geschäftsführer die Geschäfte fort. An die Anfänge kann sich der Vater noch gut erinnern. Zu DDR-Zeiten habe er als Invest-Bauleiter bei der Kfz-Instandhaltung "Elan" an der Waldenburger Straße gearbeitet. Das letzte Projekt, die Errichtung einer Großklempnerei, schaffte es nur noch bis zum Rohbau, dann kam die Wende. Als er die Stellenanzeige eines Inserenten aus Westdeutschland fand, der Mitarbeiter für ein Unternehmen aus dem Bereich Verkehrssicherung suchte, orientierte er sich neu, bewarb sich und arbeitete in der Folge zwei Jahre an der Seite von Rolf Meisel. "Dann haben wir uns gesagt, dass wir das selbst besser können und uns Anfang Dezember 1993 selbstständig gemacht, mit drei Mitarbeitern, inklusive uns beiden."

Die Arbeit der Firma erstreckt sich auf zwei große Teilbereiche. Der eine umfasst die Absicherung von Bau- und Gefahrenstellen sowie von Veranstaltungen, der andere die Wartung der bestehenden Beschilderung und gegebenenfalls Ersatz beziehungsweise Neubau von dauerhaft aufgestellten Schildern. An so gut wie allen Großbaumaßnahmen der vergangenen beiden Jahrzehnte in Chemnitz war das Unternehmen beteiligt. So liest sich die Firmenhistorie wie ein Streifzug durch die Stadtgeschichte. Der Bau der Bundesstraße 174 im Jahr 1997, die komplette Neugestaltung der Zentralhaltestelle ein Jahr später oder die Errichtung des "Überfliegers" 2004 waren nur einige Projekte, bei denen Mitarbeiter des Unternehmens für einen möglichst reibungslosen Verkehrsfluss sorgten. Beim Hochwasser 2002 stand das Firmengelände, das sich damals noch weiter landwärts an der Annaberger Straße befand - 2010 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort - selbst einen Meter unter Wasser. "Das war aber vorauszusehen, und wir konnten uns vorbereiten. Wir haben alles zusammengepackt, sind an die Werner-Seelenbinder-Straße umgezogen und haben von dort aus weitergearbeitet", sagt Stefan Löschner.

Ein exponiertes Auftragsbeispiel jüngeren Datums war die Absicherung der Deutschen Meisterschaften im Straßenradsport im September 2017. "Das war bis jetzt unser größter Auftrag", so Stefan Löschner, der mit seinen Kollegen auch im Umland unterwegs ist. Das erstreckt sich im Norden bis Rochlitz, im Süden bis zur tschechischen Grenze. "2006 haben wir zum Beispiel die gesamte Straßenbeschilderung entlang der Bundesstraße 95 erneuert." Zehn Jahre halte ein Verkehrsschild im Schnitt, bevor die Schrift oft nicht mehr lesbar sei. Aufträge erhält das Unternehmen von Stadtverwaltungen, Landesämtern und Versorgern.

Zunächst stehe eine Ortsbegehung mit dem Auftraggeber an, bei der nicht zuletzt auch über die Kosten gesprochen werde. Dem folge die Erstellung eines Konzepts, das verschiedene Gremien durchlaufe. "In Chemnitz gibt es eine Verkehrslenkungskommission, die einmal pro Woche im Technischen Rathaus tagt und über Genehmigung oder Ablehnung von Verkehrseinschränkungen entscheidet", sagt Thomas Löschner. Der Stress sei groß, denn oftmals würden Aufträge recht kurzfristig erteilt. Grundsätzlich ist die Arbeitsbelastung im Sommer größer als im Winter, weil in der warmen Jahreszeit einfach mehr gebaut werde. "Straßenbau kommt dabei aber erst etwa an sechster Stelle. Ganz oben stehen Sperrungen im Zusammenhang mit Glasfasernetzausbau und mit dem Neubau von Trinkwasserleitungen."

Über einen Mangel an Aufträgen könne sich das Unternehmen nicht beklagen. Viel mehr fehle es an Mitarbeitern. "Wir wollen nicht zwingend wachsen, aber wir müssen", sagt Thomas Löschner. Zwei Mann könne er sofort einstellen, wenn er geeignete Kandidaten fände. Kriterien seien Körperkraft, die Bereitschaft, auch bei widrigen Wetterbedingungen zu arbeiten, sowie der Besitz eines Führerscheins, am besten auch für Lkw.

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