Wähler schickt Parteientrio nach Dresden

Neben den fünf Wahlkreissiegern haben es vier weitere Kandidaten über die Listen geschafft. Damit ist die Region mit mehr Vertretern als zuvor in Dresden präsent.

Annaberg-Buchholz.

Mit neun Politikern wird der Erzgebirgskreis nach dem vorläufigen Wahlergebnis in der siebten Wahlperiode im Sächsischen Landtag vertreten sein. In den vergangenen fünf Jahren waren es lediglich acht. Zu den fünf Gewinnern der Direktmandate im Erzgebirgskreis stoßen über die Liste Rico Gebhardt und Antje Feiks für Die Linke sowie Torsten Gahler und Thomas Prantl für die AfD hinzu.

CDU-Mann Jörg Markert, erst seit November 2018 als Nachrücker für den zurückgetretenen Stanislaw Tillich im Landtag vertreten, hatte seine politische Zukunft im sächsischen Parlament dagegen ausschließlich an den Gewinn des Direktmandats geknüpft und auf einen Platz auf der Liste der Christdemokraten verzichtet. "Ich habe die Absicherung der Direktkandidaten für den Fall der Nichtwahl auf einem aussichtsreichen Listenplatz früher immer kritisiert. Daran habe ich mich nun selbst gehalten", hatte Markert im Vorfeld der Landtagswahl auf eine entsprechende Frage geantwortet.


Noch am Sonntagabend habe er ihm zum Sieg gratuliert, sagte sein Rivale von der AfD, Torsten Gahler, am Montag. "Ein knappes Ergebnis. Ich hätte gern gewonnen, dafür bin ich angetreten. Aber die Wähler haben die Prioritäten anders gesetzt." Aufgrund des guten Abschneidens der AfD wird Gahler über die Landesliste seiner Partei dennoch in den Landtag einziehen. Dort will der Thalheimer die Interessen aller Erzgebirger vertreten, sich der Lösung von Problemen wie einer besseren Förderung des Handwerks, der Infrastruktur, der medizinischen Versorgung sowie dem Anschluss der Brunnendörfer an die Trinkwasserversorgung widmen. Wegen seiner Kenntnisse im Steuer- und Finanzwesen werde er voraussichtlich im Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags mitarbeiten, stellte Gahler in Aussicht.

Für andere Direktkandidaten im Wahlkreis 17 ging der Wahlabend weniger erfolgreich zu Ende. Richard Ringeis, der für die SPD antrat, sprach am Montag von einem enttäuschenden Ergebnis, das er in Bezug zu den unklaren Verhältnissen in Berlin setzte. Zudem hätten bisherige SPD-Wähler CDU gewählt, um zu verhindern, dass die AfD stärkste Kraft wird. Was sollte die SPD nun im Kreis tun? "Mehr Präsenz zeigen", sagt Ringeis. Er wolle sich auch zwischen den Wahlen für Gesprächsrunden einsetzen. "Ich könnte mir noch mehr Diskussionen wie in Zschopau mit dem früheren Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, vorstellen."

Mit Listenplatz 15 hatte Tino Günther (FDP) keine wirkliche Chance auf einen Landtagssitz. Die Enttäuschung hält sich deshalb in Grenzen. "Das war ein Ergebnis mit Ansage und hängt damit zusammen, dass die Partei nicht wirklich geschlossen war." Ganz anders bewertet er die Arbeit im Kreisverband, der sich im Juni neu aufgestellt hat. "Hier herrscht eine gewisse Aufbruchstimmung. Als Direktkandidat fühlte ich mich in guten Händen." Die außerparlamentarische Zeit werde seine Partei nutzen, um Fehler auszumerzen: "Wir müssen die Eigenständigkeit der FDP noch mehr betonen und zu unseren Ideen und Überzeugungen stehen."

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen

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Kommentar: Jetzt istzu liefern

Irgendwann ist immer das erste Mal. Auch in der Politik. Bei der diesjährigen Landtagswahl haben das die Christdemokraten im Erzgebirgskreis zu spüren bekommen. Zwar sind sie in allen fünf Wahlkreisen wieder stärkste Kraft geworden - wie bei allen Wahlen der letzten Jahre. Doch erstmals jagte ihnen eine andere Partei eines der fünf Direktmandate ab. Und auch sonst war die Landtagswahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD, bei dem die anderen politischen Konkurrenten nur hinterherliefen.

Doch schon bei der nächsten großen Wahl - der Bundestagswahl - könnte der teils hauchdünne Vorsprung der CDU dahin sein, wenn sie in den nächsten Monaten nicht liefert. Das gilt auch für die Koalitionspartner, die sie ins Boot holen muss - um überhaupt Wahlversprechen einlösen zu können. Ob Lehrer- oder Medizinermangel, ob bessere Infrastruktur oder Öffentlicher Nahverkehr, ob mehr Polizei oder mehr Klimaschutz - die Wähler wollen nach den vielen Worten und Versprechungen im Wahlkampf nunmehr Taten sehen - und die Ergebnisse zeitnah spüren. Sprich, sie wollen weniger als bisher hingehalten werden. Am allerwenigsten durch ein Koalitionsgerangel.

Das spiegelte sich auch in den Wahlforen von "Freie Presse" und Landeszentrale für politische Bildung wider. Einerseits wurde anerkannt, dass das Erzgebirge seit 1990 eine positive Entwicklung genommen hat, andererseits sehen sich viele Erzgebirger noch immer abgehängt. Ihren Forderungen können sie nun Ausdruck verleihen, hat doch die Region jetzt mit neun Abgeordneten eine so starke Vertretung im Landtag wie schon lange nicht mehr. Sei es in der Regierung, sei in der Opposition: Die Erzgebirger erwarten nach dieser Wahl, dass zu ihrem Wohl gehandelt wird.


Tops & Flops bei Landtagswahl

Hochburgen der Zustimmung

CDU: O'thal (43,9 %), Zschorlau (43,5 %), Olbernhau (42,9 %).

Die Linke: Aue (25,2 %), Lugau (14,2 %) Johann'stadt (13,2 %).

SPD: Johann'stadt (9,3 %), Eibenstock (8,6 %), Amtsberg (8,3 %).

AfD: Jöhstadt (40,3 %), Deutschneudorf (39,5 %), Bockau (36,1 %).

Grüne: Amtsberg (4,8 %), Stollberg (4,6 %), Gornau (4,5 %).

FDP: Deutschneudorf (9,8 %), Stützengrün (5,4 %), Amtsberg (4,9 %).

Hochburgen der Ablehnung

CDU: Johann'stadt (28,6 %), Elterlein (30,5 %), Börnichen, Jöhstadt (31 %).

Die Linke: Königswalde (4,5 %), Mildenau (5,5 %), Olbernhau (6,2 %).

SPD: Königswalde (3,7 %), Deutschneudorf (3,9 %), Geyer (4,1 %).

AfD: O'thal (23,9 %), Großolbersdorf (26,5 %), Lugau (27,9 %).

Grüne: Johann'stadt (1,9 %), Bockau (2,2 %), Deutschneudorf (2,3 %).

FDP: Scheibenberg (2,3 %).

Höchster Stimmenanteil für Direktkandidaten einer Partei:

CDU: E. Dietrich: Zschorlau (44,7 %).

Linke: R. Gebhardt: Schlema (16,7 %).

SPD: S. Lang: Breitenbrunn (13,0 %).

AfD: T. Prantl: Jöhstadt (39,9 %).

Grüne: K. Meister: Großolb. (8,0 %).

FDP: T. Günther: Seiffen (12,5 %). (alu)


Thomas Prantl (AfD)

Über Listenplatz 19 seiner Partei zieht der 45-jährige Thomas Prantl in den Landtag ein. Der Annaberg-Buchholzer ist Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes "Mittleres Erzgebirge". Der verheiratete Vater zweier Kinder ist seit Mai Stadtrat. Prantl will sich für ländliche Räume, aber auch Naturschutz und Umwelt einsetzen. (alu)


Torsten Gahler (AfD)

Über Listenplatz 6 zieht Torsten Gahler in den Landtag ein. Der 45-jährige Familienvater aus Thalheim hat ein Hochschulstudium der Steuer- und Staatsfinanzen absolviert und ist als Hauptbetriebsprüfer tätig. Er setzt sich für eine Grundsteuerreform ein und will die Finanzausstattung ländlicher Kommunen verbessern. (mik)


Jörg Markert (CDU)

Der Gewinner des Direktmandats im Wahlkreis 17, Jörg Markert, wohnt in Olbernhau und ist ledig. Von 1999 bis 2008 war der Diplom-Verwaltungswirt Mitglied des Kreistages Mittlerer Erzgebirgskreis. Besonders wichtig sind dem 46-Jährigen Handwerk, Mittelstand und junge Unternehmen. Er will sich für die Stärkung der Montanregion einsetzen.


Ronny Wähner (CDU)

Der Gewinner des Direktmandats im Wahlkreis 16, ist erneut Ronny Wähner. Für den 44-jährigen Königswalder beginnt damit die zweite Legislaturperiode im Landtag. Der Diplom-Finanzwirt ist verheiratet und hat drei Kinder. Neben seiner Landtagstätigkeit ist er in seinem Heimatort Königswalde ehrenamtlicher Bürgermeister. (af)


Eric Dietrich (CDU)

Der Gewinner des Direktmandats im Wahlkreis 14 ist Eric Dietrich. Der 34-jährige Diplomingenieur für Informationstechnik wohnt im Stützengrüner Ortsteil Lichtenau. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Wichtig sind ihm die Stärkung der Wirtschaft, schnellere Digitalisierung, bessere Bildung sowie die innere Sicherheit. (tjm)


Rico Anton (CDU)

Der Gewinner des Direktmandats im Wahlkreis 13, Rico Anton, zieht nach 2014 erneut direkt in den Landtag ein. Der 41-Jährige wohnt in Oelsnitz und ist innenpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion seiner Partei. Anton ist verheiratet und hat eine Tochter. Der Diplom-Verwaltungswirt setzt sich für die Stärkung der Polizei ein. (kan)


Antje Feiks (Die Linke)

Über Listenplatz 3 zieht die 40-jährige Antje Feiks, die als Direktkandidatin im Wahlkreis 16 angetreten war, in den Landtag ein. Ihre politische Karriere startete die Diplom-Betriebswirtin (BA) bereits in der PDS. Feiks wohnt in Dresden, ist verheiratet und hat einen knapp ein Jahr alten Sohn. Besonders einsetzen will sie sich für das Thema Bildung. (alu)


Rico Gebhardt (Die Linke)

Über Listenplatz 1 seiner Partei zieht Rico Gebhardt in den Landtag ein. Der 56-Jährige ist gebürtiger Schlemaer, von Beruf Koch, verheiratet, wohnt in Dresden und hat vier Kinder. Besonders einsetzen will er sich für Einführung einer Gemeinschaftsschule, mehr finanzielle Mittel für Kommunen und fahrscheinlosen Nahverkehr.


Thomas Thumm (AfD)

Der Gewinner des Direktmandats im Wahlkreis 15, Thomas Thumm, ist 41 Jahre alt und von Beruf gelernter Kfz-Mechaniker. Später hat er Wirtschaftsingenieurwesen studiert und war bisher als Vertriebsleiter für ein italienisches Industrieunternehmen tätig. Thumm ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Bärenstein. (matu)

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