Waldarbeitern droht Gefahr von oben

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Im Erzgebirgswald stehen zahlreiche abgestorbene Fichten, die auf das Konto des Borkenkäfers gehen. Nicht in jedem Fall will der Sachsenforst warten, bis sie von allein umfallen.

Marienberg/Zschopau.

Sie stehen zwar noch in voller Größe - doch nadellos und mit zerfledderter oder abgefallener Rinde. Seit 2018 lässt der Sachsenforst im Erzgebirgswald Fichten stehen, die vom Borkenkäfer befallen waren und nicht mehr rechtzeitig vor dem Ausflug der nächsten Generation gefällt und weggebracht werden konnten. Wegen des aktuell niedrigen Holzpreises rentiert es sich für den Staatsforstbetrieb nicht, das minderwertige Holz aufzubereiten und zu verkaufen. Zumal die Baumleichen eigentlich nützlich für den Wald sind und zur Artenvielfalt beitragen. Käfer und Pilze siedeln sich darin an, Vögel finden Nistplätze. Nach drei bis vier Jahren fallen die Dürrlinge um und reichern den Boden mit Humus an.

Abgestorbene Fichten, die noch nicht am Boden liegen, können Spaziergängern oder im Straßenverkehr aber auch zur Gefahr werden. Deshalb wurden die Gehölze bislang etwa an Wanderwegen oder Straßen gefällt. In besucherarmen Gebieten bleiben sie stehen. Dort droht insbesondere Waldarbeitern Gefahr. "In den nächsten Jahren können wir dort niemand reinschicken", sagt Thomas Irmscher von der Marienberger Forstbezirksverwaltung. Stehen etwa Baumpflanzungen an, müssen Baumleichen aus Arbeitsschutzgründen zuvor mindestens umgelegt werden, fügt der Leiter des Staatsforstbetriebes an. Ist der Einsatz eines Harvesters möglich, dann lässt der Forst Hochstubben stehen. Dazu wird der Baum in etwa vier Metern Höhe abgesägt. Der Reststamm bietet Insekten und Kleintieren Lebensräume und wird nach und nach von Pilzen zersetzt.

187.000 Festmeter Holz sind im zurückliegenden Jahr im Staatswald des Marienberger Forstbezirks aufbereitet worden. "95 Prozent davon ist Schadholz, das zum Großteil vom Borkenkäfer befallen war", erklärt Thomas Irmscher.

Bis zum Jahresende sei schon viel aus dem Wald geschafft worden. Allerdings gebe es einige Reviere, in denen noch relativ viel Holz auf Sammelplätzen - Forstleute sprechen von Poltern - lagert. "Bis zum Frühling wollen wir aber alles rausgebracht haben", sagt der Staatsforstbetriebsleiter.

Neuen Erkenntnissen zufolge überwintere der Borkenkäfer vorzugsweise in Bäumen statt in Erdlöchern. "Es wäre fatal, wenn aus den Poltern eine neue Käfergeneration zum ersten Flug ausschwärmt", sagt Thomas Irmscher.

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