Waldwege - Gefährliches Pflaster für Wanderer und Radfahrer

Das Chaos, das Stürme und Schneebruch im Erzgebirge angerichtet haben, bekommen auch Waldbesucher zu spüren. Noch immer sind Wege durch umgestürzte Bäume blockiert. Daran wird sich sobald nichts ändern.

Zschopau.

Das Wagnis eingehen oder doch lieber umkehren? Diese Frage stellt sich zwangsläufig auf dem Uferweg zwischen Zschopau und Wilischthal. Querliegende Baumstämme blockieren an mehreren Stellen die Strecke. Mitunter können sich Spaziergänger vorbeischlängeln. Oberhalb der Wehranlage sind dann aber Kletterkünste gefragt. Mountainbiker, die ihr Rad schultern müssen, haben es besonders schwer, zumal oft mehrere Stämme aufeinander folgen. Mancher dürfte seine Entscheidung bereut haben, das Hindernis zu überwinden. Denn auf der glatten Rinde gab es schon Rutschpartien bis hinunter ins kalte Zschopauwasser.

Groß ist der Frust in der Bevölkerung. Revierförster Stephan Möckel hat dafür Verständnis. Gern würde der für rund 400 Hektar Staatswald in Börnichen und Zschopau zuständige Sachsenforstmitarbeiter etwas unternehmen. Doch ihm fehlen die Kapazitäten. Deshalb muss er Prioritäten setzen. Möckel schätzt, dass auf ihn und seine Helfer rund 12.000 Kubikmeter Holz warten, die es aufzuarbeiten gilt. Mit drei Waldarbeitern und vier weiteren Arbeitskräften braucht das Zeit. "Die Unternehmen sind alle ausgebucht", fügt Möckel hinzu. Immerhin kann er seit Montag Technik aus Österreich einsetzen. Vier Harvester sollen helfen, die Spuren der Sturmtiefs "Fabienne" und "Eberhard" zu beseitigen.


"Zunächst geht es um den Bruch, der vom Borkenkäfer bedroht ist", erklärt Möckel. Auch die Verkehrssicherung an Straßen und Eisenbahnstrecken hat Vorrang. Erst wenn das alles erledigt ist, wird am Uferweg etwas passieren. Und das könnte noch bis Ende des Sommers dauern, sagt Stephan Möckel. Hinzu kommt die schwere Zugänglichkeit des Uferweges: "Mit Traktoren kommen wir dort nicht hin." Seilwinden werden benötigt, weil die Bäume talwärts liegen und oben die Wurzelteller ein Risiko beim Beräumen darstellen. Der Uferweg ist kein Einzelfall. Während ein Großteil der Hauptwege im Zschopauer Raum begehbar ist, müssen Waldbesucher auf Nebenwegen mit Hindernissen rechnen, sagt Thomas Köhler. Der im Forstbezirk Marienberg zuständige Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit warnt zugleich, über querliegende Bäume zu steigen. "Das ist immer die schlechteste Option. Dahinter ist vermutlich noch keine Maschine im Einsatz gewesen, man weiß also nicht, was noch kommt", begründet er und rät zur Umkehr.

Das könnte leicht im Heinzewald passieren. Der Sachsenforstmitarbeiter berichtet von intensiven Schäden in dem Gebiet südlich der beiden Talsperren Neunzehnhain I und II. Dort hatte schon im September Sturmtief "Fabienne" große Kahlflächen hinterlassen. Auch im Forstrevier Börnichen gibt es oberhalb von Wilischthal unzugängliche Stellen. Stark in Mitleidenschaft gezogen ist ebenso das Hölzel bei Waldkirchen im Revier Borstendorf.

Selbst auf den Hauptwegen kommen dort momentan keine Fahrzeuge durch. In den übrigen Teilen des Borstendorfer Reviers sind die Hauptwege Köhler zufolge frei. Allerdings müssen Besucher dort mit Schlamm und Spurrinnen rechnen. Denn zurzeit nutzt der Sachsenforst jedwede verfügbare Technik, um das Schadholz aus dem Wald zu bekommen. "Wegen des drohenden Borkenkäferbefalls läuft uns die Zeit davon", sagt Köhler und bittet Waldbesucher auf zwei Dinge zu achten: Waldeingänge sollten nicht zugeparkt werden, damit Transporter und andere Maschinen durchkommen. Zudem warnt er davor, auf Holzpolter zu klettern. "Das sind keine Kinderspielplätze."

Kennen Sie, liebe Leser weitere problematische Wald- und Wanderwege. Dann schreiben Sie uns über Ihre Erfahrungen. E-Mail: red.zschopau@freiepresse.de

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