Warum Vorlieben zum Problem werden können

Das Hotel- und Gaststättengewerbe hat einige neue Regelungen zu beachten. Wie beispielsweise der Spagat zwischen Service und Datenschutz zu meistern ist, darüber konnten sich Branchenvertreter in Marienberg informieren.

Marienberg.

Wenn Frau Müller in ihrem Stammhotel übernachtet, hat sie gern noch ein zweites Kopfkissen. Frau Meier bevorzugt einen Obstkorb zur Begrüßung, Herr Schulze überrascht seine Begleitung gern mit Blumen auf dem Zimmer. Sich die Vorlieben ihrer Gäste zu merken, ist für Beherbergungsunternehmen schwieriger geworden. Denn laut der neuen Datenschutzgrundverordnung dürfen sie solche Informationen nur noch notieren, wenn der Gast vorher zugestimmt hat. Diese und andere Probleme wurden zum ersten Branchentag für das das Hotel- und Gaststättengewerbe am Dienstag in Marienberg thematisiert.

Eingeladen hatten die Regionalkammer Erzgebirge der Industrie- und Handelskammer Chemnitz und der Regionalverband Chemnitz des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Probleme und neue Regelungen, mit denen sich die Gastronomen und Hoteliers auseinandersetzen müssen, wurden thematisiert, darunter Pauschal- reisen, Abrechnungsmodalitäten, Legionellen im Trinkwasser sowie eben die Datenschutzgrundverordnung.


Dieses Papier regelt seit dem Vorjahr die Verarbeitung personenbezogener Daten. "Gerade in der Beherbergung und der Gastronomie sind viele Dinge zu beachten, um die Bestimmungen einzuhalten", begründete die Chemnitzer Dehoga-Geschäftsführerin Franziska Luthardt das Schulungsangebot. "Personenbezogene Daten dürfen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der betreffen Person gespeichert werden, was sich mitunter schwierig gestaltet: Weil man dem Gast einerseits Sonderwünsche erfüllen möchte, ihn aber nicht immer nach seiner Erlaubnis fragen kann, weil es ihn im Zweifelsfall kränken könnte."

Franziska Luthardt zeigte sich am Dienstag mit dem ersten Branchentag sehr zufrieden: "Die 20 Teilnehmer waren mit dem Angebot zufrieden und nutzten die Gelegen- heit auch zum Erfahrungsaustausch."


"Wir haben alles in Eigenleistung aufgebaut"

Ronny Weiß (46 Jahre), Geschäftsführer der Hotels "Weißes Roß" in Marienberg und "Buntes Haus" in Seiffen, 42 Angestellte: "Beim Thema Pauschalreiserichtlinie drückt mir etwas der Schuh. Wir haben deswegen im Vorfeld schon teilweise unsere Angebote überarbeitet. Für mich als Gastgeber gilt zu beachten, dass ich neben der touristischen Kernleistung, bei uns die Übernachtung, weitere Leistungen wie Massagen oder Ausflüge nur anbiete, wenn sie nicht mehr als 25 Prozent des Gesamtwertes übersteigen. Ansonsten bin ich nicht Hotelier, sondern Reiseveranstalter, und es gelten andere Richtlinien. Weil das einige große Anbieter übertrieben, hat sich das Gesetz nun bis in den kleinsten Gasthof mit drei Betten durchgeschlagen. Das kann nicht sein."

Dana Hunger (42 Jahre), Hotel "Dachsbaude und Kammbaude" in Neuhausen bei Seiffen, zehn Angestellte: "Den kleinen Unternehmen werden immer mehr Gesetze und Richtlinien verordnet." Statt Zeit in das Hauptgeschäft, ins Hotel und die Gäste, zu investieren, müsse man sich oft stundenlang mit neuen Regelungen herumärgern. "Die werden von Leuten gemacht, die das studiert haben und sich damit auskennen." Aber nicht jeder kleine Unternehmer hätte die Zeit dafür und kenne sich so gut aus, wie jene, die eine neue Regelung erarbeitet haben. "Wir haben etwa vor einigen Jahren in tagelanger Arbeit sämtliche Zusatzstoffe für die Allergieliste herausgesucht und alles notiert, weil es das Gesetz vorsah. In all den Jahren haben gerade mal drei bis vier Gäste nach dieser Liste gefragt."

Eva-Maria Hübner (64 Jahre), Landpension Erzgebirge, Lößnitz, keine Angestellten: "Ich habe eine kleine Pension mit acht Zimmern und 15 Betten. Seit 1996 führe ich sie. Weil mein Mann arbeiten ging und die Pension in unserem Haus untergebracht ist, hat es immer gut funktioniert. Wir haben alles in Eigenleistung aufgebaut. Ich bin zufrieden. Beim Thema Datenschutzgrundverordnung gibt es ungeheuerlich viele Dinge zu beachten, die fast nicht nachvollziehbar sind. Es ist ein sehr schwieriges Thema. Mit wenigen Betten kann man sich die Wünsche der Stammgäste noch merken und muss nichts Schriftliches festhalten, das vom Gast abgesegnet werden muss. Für größere Häuser wird das dann schon schwieriger." Trotzdem denkt Eva-Maria Hübner, dass sie mit den Aufgaben wächst. (cdo)

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