Wichernhaus öffnet Türen für Besucher

In der Werkstatt für Behinderte arbeiten Teams für Firmen der Region. Heute sind dort mehr als 90 Menschen beschäftigt.

Waldkirchen.

Es wird jedes Mal spannend, wenn das elektronische Bauteil an diesem Arbeitsplatz ankommt. Dann ist zu sehen, ob die Kollegen in der Elektromontage ordentlich gearbeitet haben. Sven Oettel ist Mitarbeiter in diesem Teil der Werkstatt des Wichernhauses in Waldkirchen, in der Menschen mit Behinderung arbeiten. Nun hat er das Bauteil für die Prüfung bereit gelegt. "Wenn es leuchtet, ist alles in Ordnung", sagt er und macht die Probe. Die Prüflampe leuchtet auf, das Bauteil ist in Ordnung, ein zufriedenes Lächeln huscht über Sven Oettels Gesicht.

Vor fast genau 20 Jahren ist die Werkstatt in Betrieb gegangen. Ein guter Anlass, sich zu erinnern und sie für Besucher zu öffnen. Beim Tag der offenen Tür waren auch Doris und Christoph Schaarschmidt zu Gast, die das Wichernhaus mit Werkstatt und Wohnheim über viele Jahre hinweg geleitet haben. In diese Zeit fiel der Bau des neuen Werkstattgebäudes. "Es war zwar nur ein Ortswechsel innerhalb des Geländes, aber ein großer Schritt. Wir hatten plötzlich mehr Platz und viel mehr Möglichkeiten bei der Produktion. Das mussten aber auch die bestehenden und die potenziellen Kunden erfahren, also bin ich in die Spur gegangen", erinnert sich der ehemalige Chef. Das bedeutete nichts anderes für ihn, als Klinken zu putzen und Aufträge zu akquirieren.

Die Auftraggeber waren am Anfang hauptsächlich Firmen aus dem Bereich der Holzkunst. "Wir können einfache und einfachste Tätigkeiten erbringen, für die in den Unternehmen meist geeignetes Personal fehlt. Im Gegenzug können die Firmen einen Teil der von uns in Rechnung gestellten Kosten mit der Ausgleichsabgabe verrechnen. Sie wird fällig, wenn die Firmen ab einem bestimmten Personalschlüssel keine schwer behinderten Mitarbeiter beschäftigen", erzählt Andreas Büttner, seit einem Jahr Leiter des Wichernhauses.

"In der alten Werkstatt waren 60 Personen beschäftigt, hier sind es jetzt mehr als 90. Die Mitarbeiter sind eingeteilt in Teams, denen Gruppenleiter vorstehen. Sie haben einen Handwerksberuf erlernt und danach eine Weiterbildung absolviert, die sie zum Umgang mit behinderten Menschen befähigt", sagt der Leiter des Wichernhauses.

25 Unternehmen, die meisten aus der Region, lassen Bauteile oder Baugruppen im Wichernhaus fertigen. "Wir sind in der Elektromontage tätig, arbeiten für Firmen aus der erzgebirgischen Holzkunst und aus der Verpackungsindustrie. Wir sehen uns als verlängerte Werkbank für die Kunden", sagt Andreas Büttner. Vier Mitarbeiter arbeiten in Chemnitz für VW Sachsen, einer ist in einem Zschopauer Supermarkt tätig, und weitere vier absolvieren derzeit eine Ausbildung. "Das ist ein zweijähriges Verfahren, an dessen Ende sie Teilbereiche des Berufes als Lagerlogistiker erwerben können", so Janine Heidl vom Sozialdienst des Wichernhauses.


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