Wildwuchs kontra Kurzrasen im Bebel-Gebiet

Bewohnerin beklagt Mäharbeiten - Vermieter sucht Kompromiss

Zschopau.

"Jetzt hat auch die letzte Biene keine Lebensbasis mehr", sagt Brigitte Ramin mit Blick auf den kurz geschnittenen, braunen Rasen vor ihrem Fenster. Vor dem Senioren-Wohnblock am Launer Ring in Zschopau erfolgten am Dienstagmorgen Mäharbeiten. Brigitte Ramin ärgert sich: "Alles kahl und verbrannt. Es sieht fürchterlich aus." Dass in Zeiten, in denen alle über Insektenschutz reden, kein Umdenken einsetzt, könne sie nicht verstehen.

Für die zuständige Grundstücks- und Gebäudewirtschafts GmbH Zschopau (GGZ) ist der Rasenschnitt ein Balanceakt. Was die einen als Beitrag für die Umwelt sehen, empfinden andere als ungepflegt. "Wir müssen einen Mittelweg finden", sagt Geschäftsführerin Kerstin Rümmler. Sie berichtet über Beschwerden von Frauen, die ihre Wäsche draußen aufhängen wollen und durch hohes Gras laufen müssen. Und von Allergikern, die blühende Gräser vor der Tür weghaben möchten. Rümmler selbst hat ein Problem, wenn sie mit einem Interessenten eine Wohnung besichtigt und vor einem mit Nesseln und Disteln bewachsenen Vorgarten steht.


Brigitte Ramin sieht das anders. Ihr gefällt ein Hang auf der Hauseingangsseite des Blocks, der bislang nur zweimal im Jahr gemäht wurde. Als die im städtischen Eigentum befindliche Fläche vor Jahren mit Stauden und Zwiebeln neu bepflanzt wurde, hätte ihr Kerstin Rümmler wohl beigepflichtet. "Doch heute ist alles mit Disteln zugewuchert. Ich finde das furchtbar." Deshalb will die GGZ die Pflege des städtischen Geländes nun mit übernehmen.

Bleibt also vor dem Hintergrund des Insektensterbens bei der GGZ alles beim Alten? Nein, sagt Kerstin Rümmler. Die "Freie Presse"-Anfrage habe den Anstoß für ein Projekt gegeben. Demnach will der Vermieter nächstes Jahr auf einem Hang am Launer Ring eine Wiese mit Wildblumen anlegen, die nur einmal im Jahr gemäht werden soll.

Insektenfreundlicher Wildwuchs oder gepflegter Kurzrasen? Wie beantworten Sie diese Frage für sich, liebe Leser? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per Post oder E-Mail: red.zschopau@freiepresse.de

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