Winter in Witzschdorf bleibt eine rutschige Angelegenheit

Anwohner und Gemeinderäte sind unzufrieden mit dem Winterdienst. Zu spät, zu wenig und nicht gründlich genug sei die Schneeräumung erfolgt. Die Firma sagt, sie habe alles Mögliche getan.

Gornau/Witzschdorf.

Besser, aber nicht zufriedenstellend: So fiel das Urteil der Gornauer Gemeinderäte über den Winterdienst in dieser Woche aus. Nach dem Schneefall am Sonntag sei das Räumfahrzeug bis Montagabend dreimal in Witzschdorf gefahren, so die Beobachtung. Nicht ordentlich geräumt wurden etwa "die Ecken und Kanten" an der Haupt- und Schulstraße, so Harald Oehme (SPD). Oder auch die Spur für Linksabbieger auf die Staatsstraße Richtung Augustusburg. "Wenn man dort Probleme bekommt, muss man zurück bis zum Bahnhof", sagt Norbert Schiebold (CDU).

Es war nicht das erste Mal, dass Ärger über den Winterdienst im Gemeinderat laut wurde. Nachdem am 10. Januar lange nichts und dann nur Teile der Witzschdorfer Straßen geräumt wurden, hatte Bürgermeister Nico Wollnitzke (CDU) angekündigt, Gornau werde der beauftragten Firma kündigen und für nächsten Winter neue Lösungen suchen. Nun steht aber doch noch eine Aussprache zwischen Gemeinde und Winterdienst an, wie Wollnitzke ankündigte. Die weitere Diskussion verlagerte er in den nichtöffentlichen Teil der Sitzung.

Hintergrund: Gornau hat für die Straßen im Ortsteil Witzschdorf und einige in Gornau eine Firma aus Marienberg mit dem Schneeräumen beauftragt. Vertraglich vereinbart sei, dass der Winterdienst spätestens 6 Uhr räumt und sich anschließend um die Freihaltung kümmert, erklärt Wollnitzke auf Nachfrage der "Freien Presse". Um Dittmannsdorf und den Rest von Gornau kümmert sich der Bauhof.

Am 10. Januar, während des ersten heftigen Schneefalls dieses Winters, mussten die Witzschdorfer aber feststellen, dass vor ihren Türen lange gar nichts geschah. Erst gegen 10.30 Uhr erreichte ein Räumfahrzeug das Dorf, schob die Hauptstraße mittig frei und war wieder weg, so die Schilderung des Bürgermeisters. "Auf den Nebenstraßen hatten wir dann etwa einen halben Meter Schnee", berichtet er. "Den haben wir dann mit dem Radlader weggebracht." Der Bauhof, eine zusätzlich beauftragte Firma und er selbst seien stundenlang im Einsatz gewesen. Enttäuscht zeigte er sich darüber, dass der Räumdienst, mit dem Gornau seit 20 Jahren zusammenarbeitet, nicht Bescheid gesagt hätte, dass es Probleme gibt. Er habe mehrfach das Gespräch gesucht.

Auf Harald Oehme, der den Gasthof in Witzschdorf betreibt, seien viele Einwohner zugekommen, zum Teil sehr verärgert. "Der Räumdienst hätte uns sagen müssen, dass es die Mitarbeiter nicht schaffen - dann hätten wir uns eher kümmern können", sagt er. Für Schnee hätten die Leute Verständnis, aber eine Auskunft habe gefehlt. "Was ist, wenn die Feuerwehr kommen muss oder der Pflegedienst?", fragt er. Da auch die Schranke am Bahnübergang geschlossen war und keine Züge fuhren, war der Ortsteil komplett abgeschnitten.

Der Geschäftsführer des Räumdienstes betont auf Anfrage der "Freien Presse", wie außergewöhnlich die Wetterlage war: "Dass es so extrem würde, war aus den Voraussagen nicht ablesbar." Das habe zu massiven Behinderungen überall im Einsatzgebiet geführt. Auch in Marienberg sei ein Ortsteil nicht erreichbar gewesen. So habe in Rübenau ein Rettungshubschrauber eingesetzt werden müssen. "Es war eine Sondersituation, in der nicht alles glatt gehen kann." Es habe nicht viel gefehlt, und im Erzgebirge wäre wie in Bayern der Katastrophenfall ausgerufen worden. Er könne die Beschwerden aber verstehen. Die Vorbereitung sei bestmöglich erfolgt, die Einsatzpläne rechtzeitig erweitert worden. "Wir haben alle Überstunden gemacht", sagt er, "Alle verfügbaren Kapazitäten waren im Einsatz." Und dennoch habe der Räumdienst mit den Schneemengen und teilweise mit Verkehrsbehinderungen zu kämpfen gehabt.

Besser und schneller hätte die Räumung nur erfolgen können, wenn zusätzliches Personal und Technik vorgehalten werden könnten. Dann wären aber in einem normalen Winter Überkapazitäten vorhanden, die den Winterdienst verteuern würden, erläutert der Geschäftsführer. "Wir haben alles Mögliche getan", sagt er, "Dass wir nicht 24 Stunden fahren konnten, muss man akzeptieren."


Diese Stellen warnen vor extremen Wetterlagen und geben Hinweise

Warnungen vor extremen Wetterlagen liefert der Deutsche Wetterdienst. Der hatte Anfang Januar eine mehrtägige Unwetterlage in Teilen Sachsens angekündigt mit starkem Schneefall und Schneeverwehungen im Erzgebirge - ein Unwetter der Stufe 3, bei dem es zu Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr kommen kann, heißt es aus der Pressestelle. Diese Warnungen kann man sich auch per E-Mail oder App schicken lassen. Verbunden sind sie mit Empfehlungen wie dem Vermeiden von Autofahrten. www.dwd.de

Weitere Tipps für das richtige Verhalten vor und während eines Unwetters enthalten die Warnungen jedoch nicht. Dafür ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zuständig: Das warnt im Zusammenhang mit starkem Schneefall vor allem vor einstürzenden Dächern und gibt Handlungsanweisungen für Gebäudebesitzer. Eine Broschüre enthält aber Hinweise zur persönlichen Notfallvorsorge, etwa eine Liste mit Vorräten, die man immer im Haus haben sollte. (kala)www.bbk.bund.de

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