Wo Olsenbande auf Bergmänner trifft

In Geyers Schnitzerheim wird mit einer Sonderausstellung ein Doppeljubiläum gefeiert. Sie erinnert an die Anfänge des dortigen Schnitz- und Krippenvereins vor 125 Jahren.

Geyer.

Er kniet vor der kleinen Fichte - und ja, er hat wieder Glück. Versteckt unter ihren Zweigen wachsen sie: ein paar Schwamme, die der Pilzsammler noch in seinen schon gut gefüllten Korb packen kann. "Steinpilzjahr 2006" hat der bereits verstorbene Schnitzer Friedrich Lämmel diese Szene genannt, die derzeit mit vielen anderen Arbeiten in einer Jubiläumsausstellung des Schnitz- und Krippenvereins Geyer gezeigt wird. Gäste finden Typisches aus dem Erzgebirge, aber auch überraschende Szenen wie die Olsenbande auf dem Weg zur nächsten Aktion. Das alles ist Teil der Geschichte der Gemeinschaft, die vor 125 Jahren gegründet worden ist. Wie die Runde damals aussah, das ist dank historischer Fotos ebenfalls im Schnitzerheim zu sehen.

Das erste Treffen fand laut erhaltenem Protokoll am 10. Oktober 1884 in der Wohnung des Posamentiermeisters Friedrich Gottlob Liebig statt. Es ging um die Gründung eines Vereins, "welcher im Sinne hiesiger althergebrachten Gebräuche und heimatlichen Sitten für immer ein Augenmerk auf deren Forterhaltung und Verbreitung zu werfen, eine Aufgabe sein soll", heißt es in dem Dokument. Und weiter: "Diese Gebräuche erstrecken sich in erster Linie auf das in unserer Stadt Geyer so lieb gewordene und heimische Aufbauen von Weihnachtsbergen." Solche sind heute noch im Schnitzerheim zu sehen. Die zehn Exemplare, zu denen auch Heimatberge zählen, reichen von einer Größe von 0,5 bis zu 22 Quadratmetern. Der Verein ist laut dem Vorsitzenden Andreas Richter einer der ältesten im Erzgebirge, der diese Tradition und andere wie den Bau von Weihnachtspyramiden noch pflegt. In den nächsten Jahren sollen Geyers Schnitzer die Figuren für die neue Stadtpyramide erschaffen.

Ein Blickfang in ihrem Schnitzerheim ist unterdessen der "weiße Vereinsberg", wie eine Gemeinschaftsarbeit aus den Jahren 1958/59 heißt. Er zeigt eine Winterlandschaft mit vielen beweglichen Details. Langläufer drehen ihre Runden durch den verschneiten Wald, nicht weit weg davon trainiert ein Skispringer auf der Miniaturschanze. Erzgebirgische Häuseln vervollkommnen die Landschaft - und Rehe, die im Schnee nach Futter suchen. "Und hier fährt sogar noch ein Zug", sagt Helmut Müller, Vorstandsmitglied im Verein. Heute seien ja viele Verbindungen eingestellt.

Auf drei Etagen können Besucher das Schnitzerheim erkunden. Engel, Bergmänner, Pyramiden, Waldmänner, Bergaufzüge: Es ist vieles Klassisches aus dem Erzgebirge zu finden - und etliches Preisgekrönte, das Juroren und Publikum bei den Erzgebirgischen Schnitzertagen überzeugt hat. Ein Beispiel dafür: Arbeiten von Hans Roscher wie das Werk "Schnitzer bei der Arbeit". Gäste können aber auch ganz andere Motive entdecken - wie die Figuren aus dem Buchholzer Nationallied, geschnitzt von Andreas Richter.

Die Jubiläumsausstellung im Schnitzerheim Geyer kann bis Sonntag im Domizil an der Silberhüttenstraße 15 besucht werden. Geöffnet ist 13 bis 19 Uhr.

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