Wolkensteins Lärmaktionsplan fehlen die Aktionen

Die Stadt muss aufgrund von Verordnungen ein entsprechendes Papier erarbeiten. Konsequenzen wird dieses aber offenbar nicht nach sich ziehen.

Wolkenstein.

Vergangenes Jahr im April standen Bürger aus Schönbrunn, Hilmersdorf und Falkenbach auf dem dortigen Sportplatz und erklärten dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn, wie intensiv der Lärm von der Umgehungsstraße zu den Häusern schalle. Die Angst herrschte - und besteht noch immer latent -, weil damals neuerliche Pläne für eine Ortsumgehung um Wolkenstein laut geworden sind. Viele Bewohner befürchten, durch den Bau einer neuen Trasse südlich vorbei an der Stadt könne mehr Verkehr und deshalb mehr Lärm in der Gegend aufkommen.

Derzeit kann, wer sich um das Thema Lärm sorgt, in der Wolkensteiner Stadtverwaltung Einblick in den Lärmaktionsplan der Kommune nehmen und Vorschläge machen. Der entsprechende Entwurf wurde in der vergangenen Sitzung einstimmig vom Wolkensteiner Stadtrat abgesegnet. Er liegt noch bis Monatsende öffentlich aus und soll Bürgern die Möglichkeit zur Beteiligung geben. Was hat es mit dem Plan auf sich? Zurück geht er auf die EU-Umgebungslärmrichtlinie - ein Ansatz zur Minderung von Lärmbelastung der Bevölkerung. Dabei werden Lärmschwerpunkte vor Ort ermittelt und kartiert. Auf Grundlage dieser Lärmkarten erstellen Kommunen Aktionspläne, mit denen dann mögliche Probleme durch Umgebungslärm behoben werden sollen.

In Wolkenstein ist die Kartierung bereits 2017 erfolgt, woraufhin der Aktionsplan entstand. Allerdings: Dieser soll keinen Maßnahmenkatalog umfassen, wie es in dem nun gefassten Beschluss heißt. Der Grund: Laut Bauamtsleiter Jens Voigt ist bei der Kartierung festgestellt worden, dass heftiger Verkehrslärm weniger als ein Dutzend Menschen in der Kommune betrifft - damit bezog er sich auf den Bereich Heinzebank an der B 174. Und selbst dort seien die Pegelwerte "noch nicht genug, sodass Maßnahmen ergriffen werden müssten". Dazu müssten laut Voigt über 24 Stunden lang mehr als 50 Dezibel gemessen werden. Es seien somit keine gesundheitsrelevanten Belastungen festgestellt worden, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Auf Nachfrage von Daniel Pautz (DWV) sagte Voigt, es sei davon auszugehen, dass selbst der Lärmpegel in Falkenbach zu gering für nötige Maßnahmen sei.

Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos) freut es einerseits, dass die Werte entsprechend gesetzlicher Richtwerte gering sind. Im Hinblick auf von Lärm betroffene Bürger ergänzt er aber: "Das Empfinden ist oft eine andere Sache." Noch habe es keine Rückmeldungen zum Lärmaktionsplan gegeben, die Verwaltung gibt Bürgern der Kommune nun noch bis 31. Januar die Möglichkeit, im Bauamt Einblick zu nehmen und sich dazu zu äußern. Danach sollen im Stadtrat eine Abwägung und der finale Beschluss des Plans erfolgen.

Die Stadträte von Marienberg haben derweil den Lärmaktionsplan bereits einstimmig abgesegnet. Auch in der Bergstadt wird dabei auf Maßnahmen verzichtet, die Lärm auf dem rund 1,1 Kilometer langen Streckenabschnitt der B 171 vom Bahnhof bis zur Einmündung auf die Ortsumgehung B 174 künftig mindern sollen. Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos) bestätigte, dass Überschreitungen der Grenzwerte gemessen wurden. Da allerdings in dem Bereich bereits 33 von 45 Gebäuden mit Schallschutzfenstern ausgestattet sind, Lärmschutzwände nicht möglich sind und das Landesamt für Straßenbau und Verkehr für die Bundesstraße zuständig ist, verzichte die Stadt auf Maßnahmen. Auch deshalb bezeichnete Grünen-Stadtrat Klaus-Ekkehard Köhler den Lärmaktionsplan als zahnlosen Tiger.

Dieser Meinung ist auch Großolbersdorfs Bürgermeister Uwe Günther. Nachdem die B 174-Anliegergemeinde, durch die täglich mehr als 15.000 Fahrzeuge donnern, in den vergangenen Jahren mit ihren Vorschlägen beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr immer abgeblitzt war und ein erster, 2013 aufgestellter Aktionsplan wirkungslos verpuffte, blieb diesmal das Papier weiß. Dabei ist nachgewiesen, dass der Verkehrslärm entlang der 5,6 Kilometer lange Trasse der B 174 durch Großolbersdorf und Hohndorf gesundheitsschädigende Ausmaße angenommen hat. (mit rickh/hd)

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