Eine der exklusivsten Villen von Chemnitz steht zum Verkauf

Laut Finanzministerium gibt es 16 Millionäre in der Stadt. Mindestens einer davon wohnt in Grüna und will jetzt wegziehen.

Grüna.

Für Makler Eric Müller ist es "die spektakulärste Villa in Chemnitz". Seine Firma Realis hat den Auftrag, für die Immobilie an der Chemnitzer Straße in Grüna einen Käufer zu finden. 2,7 Millionen Euro soll das Anwesen kosten, zu dem laut Exposé ein Haus mit mehr als 800 Quadratmetern Wohnfläche, ein reichlich 7500 Quadratmeter großes, parkähnliches Grundstück mit vier Teichen und zwei Pavillons, ein Schwimmbad mit Sauna, mehrere Whirlpools sowie eine Garage für bis zu fünf Autos gehören.

"Der Preis ist ein Schnäppchen, ein sehr faires Angebot", sagt Oliver Kreider, der Eigentümer. Denn seit er die denkmalgeschützte, 1925 im Auftrag des Textilfabrikanten Wilhelm Abel errichtete Villa vor etwa zehn Jahren kaufte, habe er fortlaufend in deren Instandhaltung und Ausstattung investiert - insgesamt mehrere Millionen Euro, sagt er. Innenarchitekten und "Künstler von sonst woher" seien beteiligt gewesen. "Alles Sonderanfertigungen, kein Stück ist von der Stange", so Kreider. Im Exposé ist unter anderem von geschliffenem Glas, Kirschholzparkett, Edelstahl und Marmor die Rede. Im Park steht eine von dem Bildhauer Ernst Moritz Geyger 1902 geschaffene Bronzeplastik "Bogenschütze", wie sie auch am Elbufer in Dresden und im Park von Schloss Sanssouci in Potsdam zu sehen sind. "Ich liebe dieses Haus, denn es hat Charme und strahlt Wärme aus", schwärmt der Eigentümer. Im Innern herrsche eine "Mega-Energie", die ihn fasziniere.

Und trotzdem will er sich davon trennen - falls jemand den geforderten Preis bezahlt. "Sonst bleibt es weiter faktisch ungenutzt." Denn Kreider, der aus Mannheim stammt und nach eigenen Angaben als Autohändler, Spielautomatenbetreiber, Logistik- und Immobilien-Unternehmer zum Multimillionär geworden ist, halte sich schon jetzt die meiste Zeit des Jahres in Afrika, wo er eine Farm besitze, und im Dresdner Raum auf. An diesen beiden Orten wolle er auch seinen Lebensabend verbringen, sagt der Anfang-50-Jährige. "Dresden ist mit seiner Kultur und dem Flughafen einfach interessanter für mich", begründet Kreider den Wegzug aus Grüna. Er bleibe aber in Sachsen und behalte auch seine Chemnitzer Haus- und Immobilienverwaltungsfirma. Dagegen habe er mehrere seiner anderen Firmen verkauft.

Als Alterssitz bei Dresden hat der Unternehmer schon 2014 bei einer Zwangsversteigerung die Friedensburg auf den Weinbergen von Radebeul gekauft. Seitdem führt er um sein Wohnrecht in dem früheren Gasthaus einen Rechtsstreit mit der Stadt, in dem jetzt Medienberichten zufolge eine Einigung in Sicht zu sein scheint. Kreider hat für die Burg offenbar ganz ähnliche Pläne wie in der Vergangenheit für seine Grünaer Villa: Gestalten sei für ihn Herausforderung und Liebe zugleich, erklärt er. Eine Dresdner Zeitung berichtete schon vor Jahren von schwarzem Marmor, einem mannshohen Spiegel mit vergoldetem Barockschnörkel und einer meterlangen, silbern glänzenden Eidechsen-skulptur in seiner Radebeuler Diele.

Zur Grünaer Abel-Villa gibt es in der Zeittafel des örtlichen Heimatvereins einen Eintrag, laut dem darin 1972 eine Kinderkrippe eingerichtet worden war. Eine Firma Gebrüder Abel, die sich ebenso wie das frühere Grünaer Unternehmen mit der Herstellung von Handschuhen und Stoffen für Handschuhe beschäftigte, wurde 1950 in Wernau bei Stuttgart gegründet und zählte laut Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg in den 1960er-Jahren bis zu 500 Beschäftigte. 1984 meldete sie Konkurs an. In den 1990er-Jahren wohnten die beiden Chefs eines großen Bauunternehmens in der Abel-Villa. Sie mussten 2002 Insolvenz anmelden.

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