Angstschweiß wegen Wassertemperatur

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Matthias Mehner, Inhaber einer Fischerei- und Angelteichwirtschaft.

Matthias Mehner beim Messen der Wassertemperatur in seiner Fischerei- und Angelteichwirtschaft. Gestern waren es an der Oberfläche mehr als 25 Grad Celsius. Noch können sich die Fische in tiefere und somit kühlere und sauerstoffreichere Wasserschichten zurückziehen.

Für Sie berichtet: Holk Dohle

Matthias Mehner steht der Schweiß auf der Stirn. Das ist nicht nur auf die Temperaturen jenseits der 35-Grad-Celsius-Marke zurückzuführen. Die Außenarbeiten auf dem Gelände seiner zwischen Wolkenstein und Streckewalde gelegenen Fischerei- und Angelteichwirtschaft erledigt er vormittags. "Dann geht's drinnen weiter, etwa im Schlachthaus. Da ist es auszuhalten", sagt Mehner. Viel mehr zu schaffen macht dem Inhaber der Anlage die Wassertemperatur. Je wärmer das Wasser wird, umso mehr sinkt der Sauerstoffgehalt, was den Fischen nicht bekommt.

An der Oberfläche des viereinhalb Meter tiefen Teichs betrage die Wassertemperatur mehr als 25 Grad Celsius, in zwei Metern Tiefe nur noch 20. "Die Fische können sich in tiefere und somit kühlere Wasserschichten zurückziehen", sagt der Experte. Dennoch habe er in den vergangenen Tagen schon einige tote Forellen aus dem Wasser fischen müssen. Dass seine Teichwirtschaft bisher vor größeren Verlusten verschont geblieben sei, liege auch am Frischwasserzufluss aus der Preßnitz, der dank Zustimmung der Carl Dietrich GmbH über einen Mühlgraben erfolge. Ohne die Hilfe der Streckewalder Firma wäre die Situation schlimmer. Nur so könne der Fischer auch jetzt pro Monat rund eine halbe Tonne Flossentiere an seine Kunden verkaufen. Da aber auch der Preßnitzpegel sinkt, drohe der Zulauf zu versiegen. "Dann wird's eng", hofft Mehner auf viel Regen.

Ebenfalls ungewiss sei, ob die Becken im Herbst wieder mit Karpfen besetzt werden können. Denn auf Grund der anhaltenden Trockenheit und Hitze spitze sich die Lage in den sächsischen Teichgebieten immer mehr zu. Der Landesfischereiverband hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass bisher mehr als 60 Tonnen angehende Speise- und Satzfische bereits verendet seien.

In den Pachtgewässern des Anglerverbandes Südsachsen habe es noch kein größeres Fischsterben gegeben, teilt Lutz Kannegießer mit. Zwar sei die Situation in den Fließgewässern angespannt, doch längst nicht so schlimm wie etwa im Rhein, so der Referent für Gewässerwirtschaft weiter. An einem Vereinsgewässer in Eppendorf stellten Angler Pumpen auf, um das Wasser aufzufrischen, an einem Teich in Freiberg half das THW mit Frischwasser aus, in Neukirchen bei Chemnitz die Feuerwehr, zählt Kannegießer auf.

Und wie beißt's im Angelteich? "Wenn man tief genug fischt, klappt's", sagt Mehner und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

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