Zertifikat hilft dem Ruf und dem Fachwissen der Verwaltung

Weiterhin ein staatlich anerkannter Erholungsort zu bleiben, hat die Stadt Wolkenstein einiges an Geld gekostet. Der Gewinn lässt sich dagegen nicht in Euro beziffern.

Wolkenstein.

Als Frank Ortmann vor 15 Jahren seinen Posten im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit antrat, gab es im Freistaat noch mehr als 100 anerkannte staatliche Erholungsorte. Nun kam der Referatsleiter Tourismus nach Wolkenstein, um der erzgebirgischen Stadt zum Verbleib "in der Qualitätsliga" von nur noch 28 solcher Orte zu gratulieren. Allerdings ist es nicht etwa der hohe Anspruch, der den elitären Kreis schrumpfen lässt, sondern die fehlende Motivation seitens der Kommunen. "Viele sind nicht mehr angetreten", berichtet Ortmann, der umso erfreuter war, dem Wolkensteiner Wolfram Liebing erneut das Zertifikat überreichen zu können.

Bereits seit 1960 trägt Wolkenstein diesen Titel. Um offizieller Erholungsort zu bleiben, erfolgt alle zehn Jahre eine Überprüfung. Gemäß einer Verordnung werden dabei viele Faktoren unter die Lupe genommen - von der Schadstoffbelastung im Wasser über die Gastronomie bis hin zu Angeboten für Kinder. "Das kostet Geld", sagt Liebing, dessen Verwaltung extra ein Konzept erarbeiten ließ. Genau dieser Aufwand hat viele andere Kommunen offenbar abgeschreckt. Und auch Wolkenstein hätte es sich nicht zuletzt angesichts des Ortsteils Warmbad - immerhin staatlich anerkanntes Heilbad - leicht machen können, auf weitere Zertifizierungen zu verzichten. "Das bringt uns aber weiter", erklärt Liebing, warum sich seine Stadt für eine erneute Bewerbung entschied.

In Zahlen lässt sich der Gewinn durch den Erhalt des Titels nicht ausdrücken, laut Liebing geht es auch um vielerlei Werte. "So etwas diszipliniert uns beim Ausgeben des Geldes", nennt der Bürgermeister einen Aspekt. Mit einem konkreten Vorhaben vor Augen lasse sich das knappe Geld gezielter einsetzen. Auch von den Tipps der Fachleute habe die Stadtverwaltung profitiert, denn während der Überprüfung der Kriterien habe sich unter anderem gezeigt, dass "gerade in Sachen Werbung einiges aus der Zeit" gekommen sei. Entsprechend wurde das Marketing moderner ausgerichtet, was letztlich allen im Ort helfe. Auch der Gastronomie, die wiederum selbst zum guten Image beiträgt. "In einer Stadt mit 3900 Einwohnern haben wir zwölf Gaststätten und sieben Cafés", so Liebing. Er sieht darin einen Mehrwert - und eine Art Kreislauf. So wie die Gastronomen mit ihrer Arbeit zum positiven Bild Wolkensteins beitragen, so würden sie auch vom Titel als Erholungsort profitieren: "Nach außen lässt sich damit besser werben."

Touristen erlangen oftmals einen positiven Eindruck von Wolkenstein. "Es gibt viel Lob für die Freundlichkeit der Menschen, viele Gäste sind angenehm überrascht", schildert Wolfram Liebing eigene Erfahrungen. Um diesen Trend beizubehalten, habe die Stadt auf Hinweise der Tourismus-Fachleute reagiert. Genauso ging sie aber auch auf Anregungen der Bürger ein, die beispielsweise am Wanderweg durch den Stadtpark noch Verbesserungsmöglichkeiten sahen.

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