Zschopauer lebt nun schon drei Jahre mit einem Spenderherzen

Das Organ, das Ronald Otto Anfang 2016 eingesetzt bekam, sollte ihm ein annähernd normales Leben bescheren. Doch weil die Herzklappen nicht richtig schließen, bleibt er weiterhin auf Hilfe angewiesen.

Zschopau.

Nun werden es bald drei Jahre, in denen Ronald Otto mit einem Spenderherzen lebt. Weil der Zschopauer an einer seltenen Herzkrankheit litt, bekam er im Januar 2016 das Organ transplantiert. Doch sein Traum von einem normalen Leben danach hatte sich bald zerschlagen. Das neue Herz brachte nicht die erwartete Leistung.

Ähnlich wie bei einem Motor lässt sich der Energieumsatz pro Zeitspanne in Watt angeben. Während ein gesundes Herz bei ihm eine Leistung von knapp 170 Watt aufweisen müsste, waren es nach der OP nicht mehr als 80. "Inzwischen sind es nur noch 65 Watt." Die Schwäche des Organs hängt mit undichten Herzklappen zusammen. Andauernde Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Herzrhythmusstörungen sind die Folgen.

Nachdem die Beschwerden in den Sommermonaten zunahmen, haben sich Spezialisten im Dresdner Herzzentrum das Spenderorgan noch einmal näher angesehen. Mit dem Ergebnis, dass der 51-Jährige ein Schrittmachersystem eingesetzt bekam. Das sorgt nun dafür, dass sein Herz nicht weniger als 50-mal in der Minute schlägt.

"Trotz allem hatte ich keinen schlechten Sommer. Ich versuche, mit dem niedrigen Leistungsniveau irgendwie zurechtzukommen", sagt Ronald Otto. Im Haushalt hilft ihm seine 70-jährige Mutter, die jeden Tag aus Gornau kommt. Mit einem hart erkämpften Pflegegrad 2 erhält er zudem zweimal täglich Besuch von einem Pflegedienst. "Ich werde sehr gut medizinisch versorgt, bekomme zum Beispiel meine Medikamente verabreicht, Physiotherapie und Atemgymnastik. Außerdem gehen wir jeden Freitag zusammen einkaufen."

Weit kann Ronald Otto nicht allein laufen. Die längste Strecke, die er zu Fuß mit dem Rollator bewältigt, führt zum nächstgelegenen Einkaufsmarkt und wieder zurück. Daran hat sich seit seiner Operation nichts geändert. Die Hitze in diesem Sommer machte ihm zusätzlich zu schaffen.

Die meiste Zeit bringt Ronald Otto in den eigenen vier Wänden zu. Gefragt nach dem schönsten Erlebnis in diesem Jahr, muss er nicht lange überlegen. Im Oktober überraschten ihn seine Kumpel von früher und nahmen ihn mit nach Großolbersdorf zum Kürbisschnitzen. "Darüber habe ich mich sehr gefreut." Ansonsten sind die Kontakte zum alten Freundeskreis überschaubar geworden. Für Besucher hält er an der Tür Desinfektionsmittel bereit. Denn eine Infektion kann für ihn schnell lebensbedrohlich werden.

Neben seinem gesundheitlichen Zustand gibt es ein weiteres Problem, das den 51-Jährigen belastet. Um zu den monatlichen Untersuchungen ins Dresdner Herzzentrum zu gelangen, ist er nach wie vor auf Hilfe angewiesen. Die Kosten für den Taxidienst übernimmt bislang die Krankenkasse. Voraussetzung ist der Eintrag "aG" im Schwerbehindertenausweis. Doch das für "außergewöhnlich schwerbehindert" stehende Merkzeichen droht Ronald Otto ab Februar verloren zu gehen.

Als er den Brief aus dem Landratsamt in den Händen hielt, sei er am Boden zerstört gewesen: "Die Nachricht war für mich niederschmetternd. Ich war drauf und dran, den Weihnachtsschmuck wieder wegzupacken." Mit seiner kleinen Erwerbsunfähigkeitsrente wären die 150 bis 200 Euro, die er dann für jede Hin- und Rückfahrt aufbringen müsste, fast unerschwinglich.

Bei dem Schreiben aus dem Referat Soziale Hilfen handelt es sich zunächst um eine Anhörung. Weil sich keine Hinweise auf eine Abstoßungsreaktion fänden, gelte die Transplantation als heilungsbewährt. Der Grad der Behinderung würde damit von 100 auf 70 Prozent herabgesetzt, heißt es. Ronald Otto empfindet das als ungerecht und will dagegen vorgehen. Schließlich habe sich sein Gesundheitszustand seit der Transplantation nicht verbessert.

Am Ende hat Ronald Otto den Weihnachtsschmuck dann doch nicht weggeräumt. Das Fest feierte er zusammen mit der Familie in Gornau - für ihn eine willkommene Abwechslung außerhalb der eigenen vier Wände.

Eine Multimediareportage zu Ronald Otto finden Sie hier: www.freiepresse.de/spenderherz

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...