Zschopauer Metallbauer arbeitet im Auftrag der Wissenschaft

Ein Unternehmen aus der Motorradstadt soll dafür Sorge tragen, dass weltweit aus den Ozeanen entnommene Bohrkerne sicher lagern. Das ist nicht der erste Auftrag, den Geschäftsführer Dirk Klädtke von der Forschung erhält.

Hohndorf.

Metallteile aus dem Erzgebirge sollen künftig mithelfen, die Forschung in den Weltmeeren zu erleichtern und zu systematisieren. Die Klädtke Metallverarbeitung Hohndorf hat den Auftrag erhalten, 300 Kernlagerboxen für das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar) zu liefern. Die Behältnisse dienen dem Transport und der Lagerung von Bohrkernen und Sedimentproben. Sie sollen in Schwerlastregalen in dem neuen Probenlager des Forschungszentrums am Kieler Ostufer zum Einsatz kommen. Jede der Boxen kann ein Gewicht von 600 Kilogramm tragen.

Lieferung bis Jahresmitte

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Im März wird das Hohndorfer Unternehmen ein erstes Muster liefern. Geschäftsführer Dirk Klädtke rechnet damit, den 100.000-Euro-Auftrag bis Jahresmitte abzuarbeiten. Sedimentkerne, die in den Stahlbehältern aufbewahrt werden sollen, stammen aus allen Weltmeeren einschließlich Randmeeren wie Nord- und Ostsee oder Mittelmeer, so Geomar-Mitarbeiterin Doris Maicher. Sie wurden in Tiefen von 19 Metern bis fast fünf Kilometern entnommen. "Die ältesten Kerne stammen aus dem Jahr 1964 aus der Küstenregion vor Ägypten, unsere jüngsten Kerne wurden im Oktober 2015 vor der chilenischen Küste gewonnen."

Die Bodenproben sind eine wertvolle Informationsquelle für die Wissenschaft. Ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen lagern sich auf dem Meeresboden Sedimentschichten ab, die Rückschlüsse auf bestimmte geologische, chemische oder biologische Vorgänge erlauben.

Die entnommenen Bohrkerne werden im Geomar-Forschungszentrum unter anderem mit Röntgenstrahlen analysiert und auf ihre chemischen Bestandteile sowie auf Mikroorganismen hin untersucht. Aneinander gelegt würden die bisher vorhandenen Kerne eine Länge von über 17 Kilometer ergeben.

Teile für Teilchenbeschleuniger

Für Klädtke sind die Boxen nicht der erste Ausflug auf wissenschaftlichen Boden. Schon im zurückliegenden Jahr lieferte die Firma Teile für das deutsche Elektronen-Synchrotron Desy in Hamburg, eines der weltweit führenden Beschleunigerzentren. Der dortige Teilchenbeschleuniger macht es möglich, das Wechselspiel kleinster Elementarteilchen zu beobachten oder das Verhalten neuartiger Nanowerkstoffe zu testen.

Frühere Aufträge kamen zudem vom Fraunhofer Institut für Kurzzeitdynamik in Efringen-Kirchen, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover und dem Max-Planck-Institut in München. Metallteile aus dem Erzgebirge sind selbst in Forschungsanlagen von Cern, der Europäischen Organisation für Kernforschung in der Schweiz, verbaut.

Im Februar 2014 ist der rund 70 Mitarbeiter zählende Metallbaubetrieb von Zschopau auf das ehemalige MZ-Firmengelände in Hohndorf umgezogen. Rund 8000Quadratmeter Produktionsfläche stehen in den Hallen dort zur Verfügung.

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