Zschopaus Stadtpark: So steht es um Ordnung und Sicherheit

Was spielt sich wirklich in den Anlagen ab? Polizei und Bedienstete der Kommune sprechen über ihre Arbeit und über verzerrte Wahrnehmung.

Zschopau.

"Dreimal musste heute die Polizei in den Anlagenpark kommen. Geht denn das jetzt immer so weiter?", fragte eine Zschopauerin zu Beginn der jüngsten Stadtratssitzung. In ihren Worten schwang Sorge um die Sicherheit in der städtischen Grünanlage mit. Schließlich kocht das Thema im Zusammenhang mit Alkohol trinkenden Gruppen und Sauberkeit immer wieder mal im Stadtrat hoch. Meistens dann, wenn die Wogen auch in sozialen Netzwerk hochschlagen.

Die Einwohnerin hat aus den Einsätzen die falschen Schlüsse gezogen. Die Beamten kamen nicht, weil etwas passiert war, sondern um Präsenz zu zeigen. Der Marienberger Revierleiter Rolf Dittrich klärte das Missverständnis schnell auf. Für ihn auch ein gutes Zeichen: "Der Kontrolldruck wird in der Bevölkerung wahrgenommen." Auf Antrag des Bundes Freier Wähler hatte die Verwaltung den Revierleiter und Mitarbeiter der Stadt eingeladen, um den Räten ein möglichst umfassendes Bild von den Vorgängen im Stadtpark zu vermitteln. Eines wurde bei den Wortmeldungen deutlich: Die gefühlte und die tatsächliche Sicherheit haben oft nichts gemein. Großen Anteil an dem Zerrbild tragen offenbar soziale Netzwerke.


Die Sicherheitslage: Im Frühjahr war mit der Stadt vereinbart worden, deutlich mehr Polizeipräsenz im Park zu zeigen und den Kontrolldruck zu erhöhen. Die Anlage sehe er allerdings nicht als Hotspot, bei dem seine Kollegen extrem eingreifen müssten, erklärte Revierleiter Dittrich. Es habe einige telefonische Beschwerden gegeben - nicht in großer Zahl. In der ersten Jahreshälfte seien vier Straftaten festgestellt worden - alles Rauschgiftdelikte. Rolf Dittrich sprach von einer normalen Kriminalitätslage, mit der man wohl leben müsse, und hielt fest: "Zschopau ist eine sehr sichere Stadt". Soziale Medien trügen jedoch dazu bei, dass das Sicherheitsgefühl bei den Menschen ein anderes ist.

Roland Wagner vom Zschopauer Ordnungsamt berichtete, wie im sozialen Netzwerk aus einer Mücke ein Elefant gemacht werde: Im Januar wurde dort die Nachricht über eine angebliche Messerstecherei im Warteraum des Busbahnhofes und eine Foto mit einer Blutlache verbreitet. Tatsächlich gab es wohl einen "Alkoholunfall". Ein Mann hatte sich an einer Glasscherbe geschnitten, hatte "Freie Presse" später recherchiert. Die Verbreitung von Falschnachrichten ist bitter für Wagner, der als Stadtbediensteter und Chef seiner Sicherheitsfirma für Ruhe sorgen soll.

Seit 2015 gibt es in Zschopau den Sicherheitsdienst, der einmal vor und einmal nach Mitternacht auf Streife geht. Roland Wagner berichtete von mehreren Gruppen im Park. Viele, die dort Bier trinken, würden ihre leeren Flachen danach in die Abfallbehälter stellen. Alkohol wird zugleich an anderen Stellen wie dem Thälmann-Denkmal, dem Bahnhof oder im Seminargarten konsumiert, wurde deutlich. Laute Musik habe es verstärkt etwa nach der Abschlussfeier der Nexö-Schule oder nach dem Stadtfest im Park gegeben. Dann habe auch mehr Abfall herumgelegen. Eine Beobachtung, die Bauhofleiter Wolfgang Schreiter teilt. Morgens leert ein Mitarbeiter die Abfallbehälter und liest Unrat auf. Bußgelder aufgrund von Ordnungswidrigkeiten hat die Stadt bislang nicht ausgesprochen - nicht zuletzt wegen fehlender Zeugen. Alles in allem kommt Wagner zum Schluss: "In den Anlagen geht nichts ab, was Zschopau schadet." Die Konsequenzen: Oberbürgermeister Arne Sigmund (parteilos) wies auf die Möglichkeit eines Alkoholverbots in Verbindung mit einer Grünflächensatzung hin. Sinnvoll sei das aber nur mit ausreichend Personal, das ein Verbot auch durchsetzen kann. Nicht für ein Alkoholverbot, sondern eine zusätzliche Stelle im Vollzugsdienst sprach sich Klaus Baumann (WdV) aus. Momentan gibt es zwei Mitarbeiter, die 1,4 Vollzeitstellen ausfüllen. "Wir sind ziemlich bescheiden aufgestellt", sagte Ordnungsamtsleiter Wilfried Leibling. Falls seine Mitarbeiter verstärkt tätig werden sollen, müsse zunächst der Stadtrat etwas tun.

Jens Wagner (BFW) verwies auf Vorschläge seiner Fraktion, Wege im Park für Dienstautos zugänglich zu machen und Hecken zu beschneiden, um Sichtbereiche zur Straße zu schaffen. Arne Sigmund entgegnete, dass der Park denkmalgeschützt sei. Niels Sigmund (Grüne/FDP) warnte vor einem Rückschnitt, der Ruhesuchenden nicht entgegenkomme. Einig schienen sich die Räte in dem Punkt zu sein, dass hier ein Problem hochgekocht wurde. "Momentan ist es nicht von Nöten, etwas zu unternehmen. Dabei sollten wir es belassen", meinte Frieder Meyer (BFW).


Aufklärungsquote bei knapp 66 Prozent

367 Straftaten verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr in Zschopau. Darunter fallen zum Beispiel 42 Körperverletzungen, 92 Diebstahls- und 49 Betrugsdelikte. Revierleiter Rolf Dittrich spricht von einem stetigen Rückgang seit 2014 - damals wurden 516 Straftaten registriert.

Der Ausländeranteil bei Straftaten lag zuletzt bei 20 Prozent. Die Delikte gingen laut Revierleiter nicht allein auf die Kappe von im Heim lebenden Asylbewerbern. Auch etwa von Tschechen in Einkaufsmärkten begangene Diebstähle zählten dazu. Die Aufklärungsquote lag bei 65,7 Prozent.

Zum Vergleich: In Marienberg registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 634 Straftaten, in Olbernhau waren es 400. Verteilt über den gesamten Revierbereich Marienberg wurden 2000 Straftaten gezählt. Dieses Jahr zeichne sich eine ähnliches Bild wie 2018 ab. (mik)

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1Kommentare
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  • 0
    1
    kopper86
    10.09.2019

    Na dann geht mal alle geschlossen eine Woche jeden Tag abends gegen 21.30 Uhr in den Stadtpark :-)



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