Zwischen Jurte und Hochhaus führt der Weg zum Traumberuf

In der Mongolei gebe es nur zwei Lebensarten, sagt Bayan Khurmyet. Obwohl sie selbst dort lebt, sieht sie sich aber weder als Nomadin noch als Stadtmensch. Stattdessen ist sie Lehrerin und sammelt in Drebach Erfahrungen.

Drebach.

Im Nachhinein war es wohl die beste Entscheidung, die sie treffen konnte. Aber eigentlich erlag Bayan Khurmyet einem Irrtum, als sie sich 2014 an einer Pädagogischen Universität der Mongolei für das Deutsch-Studium entschied. "Ich dachte, das ist eine einfache Sprache", sagt die inzwischen 26-jährige Lehrerin, die rasch eines Besseren belehrt wurde. Doch wer sie nur fünf Jahre später an der Drebacher Grundschule reden hört, mag kaum glauben, dass ihr Grammatik oder Rechtschreibung jemals Probleme bereitet haben. Inmitten der Kinder, bei denen sie gerade ein dreiwöchiges Praktikum absolviert, gibt es keinerlei Verständigungsprobleme. Im Gegenteil: Kinder wie Lehrer haben die Pädagogin ins Herz geschlossen, sodass der Abschied schwer fallen wird, wenn ihr Weg Ende nächster Woche zurück in die Provinz Bayan-Ulgii führt.

Dort, im äußersten Westen der Mongolei, fühlt sich das Leben ganz anders an. Wie die meisten Bewohner ist Bayan Khurmyet kasachischer Abstammung. "Meine Urgroßeltern kamen aus Kasachstan", sagt sie. So manche Tradition haben ihre Eltern bis heute bewahrt: "Sie halten Tiere und besitzen eine große kasachische Jurte." Damit beschreibt die 26-Jährige eine von zwei Lebensarten in der Mongolei. Eine Nomadin sei die 26-Jährige aber ebenso wenig wie ein echter Stadtmensch. Zwar verbringt sie die Sommerferien gern im elterlichen Zelt. Doch ewig hält es sie dort nicht - und auch nicht in den Hochhäusern der Stadt. Als Lehrerin hat sie für sich einen Weg dazwischen gefunden.

Ihr Traumberuf sei das schon immer gewesen, sagt Bayan Khurmyet. "Lehrer sind in der Mongolei sehr beliebt. Man verdient zwar nicht viel, aber es reicht", sagt sie. Nur das Fach war noch offen, bis die Studentin damals die staatliche Prüfung abgelegt hatte. Dass Deutsch letztlich doch die richtige Wahl war, dürfte viel mit ihrem Jahr in der Schweiz zu tun haben. "Mithilfe eines Stipendiums konnte ich 2015 an einem Austauschprogramm teilnehmen", erzählt die Pädagogin, die später auch noch eine Fortbildung in Düsseldorf absolvierte.

Zum dritten Mal ist die 26-Jährige nun in deutschsprachigem Raum zu Gast. "Weil ich Glück habe und unsere Schule mit dem Kultusministerium zusammenarbeitet", sagt sie. Viele andere Lehrer dürften nicht ins Ausland, doch sie ist nun für drei Wochen bei Ines Brunner in Geyer zuhause. Für die Leiterin der Drebacher Grundschule kam es nicht infrage, sich um ein Hotel oder eine Pension zu bemühen. "So bekommt sie vom Alltag und vom Leben hier doch viel mehr mit", sagt die Schulleiterin über ihren Gast. Auch die Lehrerkollegen waren sofort begeistert, als vor einigen Monaten die Idee geboren wurde, sich an dem Austauschprojekt zu beteiligen.

Bescheidenheit und andere Lebensansichten - es gibt so einiges, das die erzgebirgischen Lehrer an Bayan Khurmyet bereichernd finden. Doch vor allem ist es die junge Mongolin, die in diesen Tagen viel dazulernt. Sei es die Bergbau-Tradition, die sie in der Geyerschen Binge schon hautnah erlebte, oder die Ernährung. Daheim in Bayan-Ulgii werde von früh bis abends viel Fleisch gegessen. "Aber jetzt ist Käse mein Lieblingsessen", sagt sie. Stärkung kann die 26-Jährige gut gebrauchen, denn es stehen auch viele Reisen an. In der Annaberger St. Annenkirche und auf dem Fichtelberg hat sie die erzgebirgische Kultur schon näher kennengelernt. Besuche in Seiffen und in Dresden stehen noch auf dem Programm.

"Leider verpassen wir die Adventszeit", sagt Ines Brunner, die daher die Pyramide daheim etwas eher aufbaut. Schließlich soll Bayan Khurmyet auch diesen Brauch erleben, um mit möglichst vielen Anregungen heimzukehren. Dort wird es für die junge Lehrerin übrigens schnell wieder ernst. Nur einen Tag frei habe sie, ehe der Dienst an ihrer Privatschule beginnt. Dann steht auch eine Präsentation für ihre dortigen Kollegen an, bei der die 26-Jährige speziell auf die Schuleinrichtung, Unterrichtsmethoden sowie das Fach Deutsch eingehen soll - schwierig und doch so schön.

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