"Für uns ist das wie eine Befreiung"

In der ausverkauften Treuener Stadtkirche hat die Vogtland Philharmonie am Sonntag ein ausverkauftes Serenadenkonzert gegeben.

Treuen.

Der Anfang ist gemacht. Zum ersten Mal seit Mitte März hat sich die St.-Bartholomäus-Kirche Treuen wieder als Veranstaltungsort präsentiert - und ein musikalisches Aushängeschild der Region ins Haus geholt: Anderthalb Stunden präsentierte eine kleine Besetzung der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach Antonio Vivaldis "Die Vier Jahreszeiten" unter dem Dirigat von Stefan Fraas. Als besonderes Bonbon holten sie sich Treuens Kantor Marian Preusker an der Orgel mit Bach-Werken dazu.

Dass der Kultur-Hunger groß war, zeigte die Resonanz. Sämtliche Karten wurden verkauft. Treuen bildete die fünfte Tour-Station. Genauso viele Serenadenkonzerte liegen noch vor der Vogtland Philharmonie. "Das ist für uns wie eine Befreiung", sagte Generalmusikdirektor Stefan Fraas. "Für Musiker gibt es nichts Schlimmeres, als kein Publikum zu haben." Unter Beachtung verschiedener Auflagen dürfen Konzerte stattfinden. Spielen sei aber nur an Orten mit Hygienekonzepten erlaubt, so Fraas. Und deshalb die Wahl auf Kirchen gefallen. "Die haben schon länger Erfahrung mit solchen Konzepten, weil seit Mai wieder Gottesdienste stattfinden."

Dass coronabedingt nur eine kleine Besetzung von 15 Instrumentalisten Serenadenkonzerte geben kann, stellt die Philharmonie vor besondere Herausforderungen. "Bei uns gilt der Anderthalb-Meter-Abstand genauso", erklärte Stefan Fraas. Das bedeutet: Pro Notenpult kommt nur ein Musiker in Frage, und gespielt wird im Stehen. Entsprechen groß ist der Platzbedarf.

Obwohl wieder mehr möglich ist, plagen Fraas dennoch Sorgen um den Fortbestand. "Unser Orchester hat 75 Prozent Kurzarbeit. An einen normalen Konzertbetrieb ist weiter nicht zu denken. Wir wissen auch nicht, wie sich das alles weiterentwickelt", beschrieb er die anhaltende Zitterpartie. Für 3. Juli ist eine Klassik-Nacht im Reichenbacher Park der Generationen geplant - in großer Besetzung. Unter freiem Himmel sei das möglich, so der Generalmusikdirektor. Die Bühnen-Ausmaße können sich sehen lassen: Auf einer Fläche von 17 mal 13 Metern verteilt sich das Orchester.


Empore als nächste Etappe

Die Treuener Stadtkirche wird seit Januar innen saniert. Säulen, Decke und Wände sind schon restauriert. Als nächstes ist die Empore dran. Auf drei Etagen muss deren Stoffbespannung jeweils in ganzer Länge erneuert werden. "Beim Kirchenbau ist diese Bespannung von einer ansässigen Firma hergestellt worden", erklärte Kantor Marian Preusker. "Heute gibt es niemanden mehr, der so etwas macht." Deshalb sei noch nicht vollständig geklärt, wie sich das Teilprojekt stemmen lässt und welche Kosten damit verbunden sein könnten. (dien)

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