Fragen über Fragen: Wer erbt was?

Der Nachlass lässt sich schon zu Lebzeiten beeinflussen - Möglichkeiten und Grenzen erklärten Experten am Lesertelefon

Das deutsche Erbrecht ist so kompliziert, dass es ohne fachliche Hilfe kaum geht. Die "Freie Presse" bot deshalb Lesern die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen. Die wichtigsten Antworten hat Gabriele Fleischer zusammengefasst.

Wie werden die Pflichtteilsquoten ermittelt?

Der Pflichtteil ist immer die Hälfte des Anteils des gesetzlichen Erbteils. Wenn Eheleute zwei Kinder haben, dann beträgt der Pflichtteil nach dem Tod von Vater oder Mutter ein Achtel und nach dem Tod des zweiten Elternteils ein Viertel pro Kind.

Unsere Tochter hat sich mit ihrem Lebensgefährten ein Haus gekauft. Sie sind nicht verheiratet und haben zwei Kinder. Wie ist die Erbfolge, wenn einer von beiden stirbt?

Es gilt die gesetzliche Erbfolge. Das heißt, die Kinder würden den Eigentumsanteil des Erblassers erben. Ein Testament wäre sinnvoll, wenn Sie die Eigentümergemeinschaft mit den Kindern vermeiden wollen.

Ich möchte mir mit meinem Lebensgefährten ein Haus kaufen. Wir haben beide Kinder, aber keine gemeinsamen. Wie können wir uns gegenseitig absichern, damit beim Tod von einem der andere im Haus bleiben kann und nicht Pflichtteilsforderungen der Kinder ausgesetzt wird?

Der Erstversterbende könnte seine Kinder zu Erben bestimmen und dem länger lebenden Lebensgefährten im Wege eines Vermächtnisses ein Wohnungsrecht einräumen. Das Problem ist aber, da Sie nicht verheiratet sind, dass das Wohnungsrechtsvermächtnis mit seinem Kapitalwert der Erbschaftsteuer unterliegt und Ihr Freibetrag nur 20.000 Euro ausmacht. Eine andere Möglichkeit ist es, ein Nießbrauchsrecht einzuräumen. Der Nutzer kann in dem Fall selbstständig über das Haus entscheiden. Diesen Nießbrauch würden Sie sich gemeinschaftlich bereits zu Lebzeiten bestellen. Hierzu brauchen Sie notarielle Hilfe.

Meine Mutter will ihren Anteil am elterlichen Haus auf mich als Tochter übertragen. Ich wohne bereits mit meinem Mann dort. Mein Vater lebt inzwischen in einem Heim. Vom Gericht bin ich für ihn als Betreuer eingesetzt. Muss das Betreuungsgericht zustimmen, wenn meine Mutter ihren Anteil auf mich überträgt?

Ihre Mutter kann den Miteigentumsanteil an Sie übertragen. Hat die Schenkung einen Wert von bis zu 400.000 Euro müssen Sie darauf keine Steuern zahlen. Das Betreuungsgericht muss nicht beteiligt werden, da Sie nicht Betreuer der Mutter sind. Der steuerfreie Betrag gilt übrigens nicht nur bei leiblichen Kindern, sondern auch bei Stiefkindern.

Als mein Vater starb, wurde meine Mutter auf Grundlage eines Berliner Testaments seine Alleinerbin des gemeinsamen Hauses. Sie hat das Haus ihrer Enkelin geschenkt. Diese will es verkaufen, obwohl es nicht veräußert werden soll. Was ist zu tun?

Das ist von zwei rechtlichen Vorfragen abhängig. Zum einen ist zu klären, ob Ihrer Mutter durch das Berliner Testament erlaubt war, Änderungen in der Erbfolge zu verfügen, zum anderen, ob im Schenkungsvertrag an die Enkelin ein Veräußerungsverbot vereinbart war.

Ich bin verheiratet und wohne in einer Eigentumswohnung, die mir allein gehört. Aus vorheriger Ehe habe ich eine Tochter. Mein Mann hat keine Kinder. Wie kann ich sicherstellen, dass meine Tochter Alleinerbin der Wohnung wird?

Stirbt Ihr Ehemann zuerst, erben Sie zu drei Vierteln. Ein Viertel fällt in den Nachlass der Familie Ihres Ehemannes (Eltern oder Geschwister, Neffen, Nichten). Auf die Eigentumswohnung hat das keinen Einfluss, weil sie Ihnen allein gehört. Sterben Sie zuerst, erben Ihr Ehemann und Ihre Tochter je zur Hälfte. Stirbt Ihr Ehemann danach, fällt der Nachlass und damit auch der Anteil an der Eigentumswohnung an seine Familie. Nur durch Verfügung von Todes wegen können Sie sicherstellen, dass die Wohnung nicht anteilig in die Familie Ihres Ehemannes fällt.

Ich bin 87 und hatte meine Immobilie bereits vor einiger Zeit auf die Tochter übertragen. Ich lebe jetzt in einem Heim und benötige Geld, um die Kosten begleichen zu können. Kann ich die Immobilie zurückübertragen?

Einen Anspruch auf Rückübertragung haben Sie nur, wenn dies vertraglich konkret vereinbart war und nur nach den dortigen Maßgaben. Aus dem BGB ergibt sich ergänzend ein Rückforderungsrecht wegen Verarmung. Um dieses ausüben zu können, müssten Sie auch unter Berücksichtigung ihres übrigen Vermögens außerstande sein, Ihre Aufwendungen zu bezahlen. Außerdem dürfen seit der Übertragung zehn Jahre noch nicht verstrichen sein. Ihre Tochter könnte aber die Rückübertragung durch Geldleistung abwenden.

Wir sind verheiratet und haben keine Kinder. Nächster Angehöriger ist der Bruder meines Mannes. Wie ist die Erbfolge?

Tritt die gesetzliche Erbfolge ein, erben Sie als Witwe drei Viertel. Der Bruder Ihres Ehemannes erbt ein Viertel. Sollten Sie sich durch Verfügung von Todes wegen gegenseitig zu Erben einsetzen, erbt der Bruder nicht und hat auch keine Pflichtteilsansprüche.

Ich bin verwitwet und kinderlos. Einer der von mir im Testament eingesetzten Erben ist verstorben. Was nun?

Entweder werden dann die Kinder des verstorbenen Erben eingesetzt oder der Anteil des Verstorbenen wird auf den anderen verteilt. Wie es tatsächlich geregelt wird, dazu sollten Sie sich juristischen Rat holen.

Meine Eltern haben ein gemeinschaftliches Testament, was aber nie abgegeben wurde. Meine Mutter hat nach dem Tod des Vaters ein neues Testament aufgesetzt, das gemeinschaftliche aber nicht angegeben. Sie hat meinen Bruder eingesetzt, der das Testament besitzt. Ist das rechtens?

Sie sollten darauf hinweisen, dass jedes Testament beim zuständigen Amtsgericht abgeliefert werden muss und die Nichtablieferung strafbar ist. Je nachdem, was im gemeinschaftlichen Testament verfügt war, kann nach dem Ableben des Vaters Bindungswirkung eingetreten sein, sodass die im Folgetestament getroffenen Verfügungen Ihrer Mutter nicht wirksam sind.

Wer trägt die Kosten für die Bestattung und die Grabpflege?

Die Bestattungskosten tragen grundsätzlich die Erben. Anders ist es bei der Grabpflege. Die wird nicht zwingend von den Erben getragen. Das sollte gegebenenfalls eine Regelung im Testament erfolgen.

Als Eheleute hatten wir ein Berliner Testament. Acht Jahre nach dem Tod meines Mannes änderte ich das Testament handschriftlich und bewahre es zu Hause auf. Ist es notwendig, zum Notar zu gehen und es dort zu hinterlegen?

Je nachdem, was in dem gemeinschaftlichen Testament verfügt war, kann nach dem Ableben des Ehemannes Bindungswirkung eingetreten sein, sodass die im Folgetestament getroffenen Verfügungen nicht rechtswirksam sind. Das Nachtragstestament kann, muss aber nicht beim Nachlassgericht aufbewahrt werden. Wollen Sie sicher gehen, dass die Änderungen rechtlich umgesetzt werden sollen, ist es aber ratsam, dass es beim Nachlassgericht aufbewahrt wird.

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