Gefeierte Pianistin und Mutter

Künstlerin zwischen Kindern und Konzertbühne: Eine Ausstellung zeigt Clara Schumann als sich sorgende Mutter. Dabei stellte der Nachwuchs die Frau auf eine harte Probe.

Zwickau.

"Clara Schumann und ihre Kinder" ist die zweite Sonderausstellung des Zwickauer Robert-Schumann-Hauses zum 200. Geburtstag der Pianistin und Komponistin überschrieben. Zur Eröffnung am Sonntag drücken sich die Besucher an den Glasvitrinen sprichwörtlich die Nasen platt. "Wir wussten gar nicht, dass so viele Fotos der Kinder erhalten sind", staunen unter anderem Monika und Armin Aschenborn.

In den 13 Ehejahren, die Clara an der Seite von Robert Schumann lebte, schenkte sie acht Kindern das Leben. 1841, nur wenige Tage vor ihrem 22. Geburtstag, wurde Marie geboren. 1854 erblickte das jüngste Kind Felix das Licht der Welt. Zu dieser Zeit befand sich sein Vater bereits in der Nervenheilanstalt. Von da an war Clara Schumann bei Erziehung und Ausbildung auf sich allein gestellt. "Das familiäre Verhältnis war innig", sagte Schumannhaus-Direktor Thomas Synofzik mit Verweis auf herzliche Korrespondenz, Eltern und Kindern gewidmeten Gedichten und Kompositionen.

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Beste Schulbildung auf Gymnasien beziehungsweise privaten Bildungsinstituten wollte die gefeierte Pianistin ihren Kindern angedeihen lassen, unterrichtete sie im Klavierspiel, förderte das Literaturstudium und ermöglichte Reisen - beispielsweise als Belohnung für das gute Abiturzeugnis.

Sie selbst drängte es unentwegt auf Konzertbühnen - zwei Monate vor oder nach der Entbindung waren keine Seltenheit. In einem Brief schilderte sie ihre Traurigkeit über eine erneute Schwangerschaft: "... besonders, wenn man, wie ich, ein hohes Ziel in der Kunst verfolgt!"

Glück und Leid lagen oft nah beieinander: Der 1846 geborene Emil verstarb mit eineinhalb Jahren. Eugenie studierte Musik und ging nach London. Ludwig wurde in eine Anstalt für Geisteskranke eingewiesen. Elise heiratete einen Geschäftsmann aus New York. Vier ihrer Kinder musste Clara zu Grabe tragen; um ihre verwaisten Enkel kümmerte sie sich bis ins hohe Alter.

Die Künstlerin, Ehefrau, Mutter, Herausgeberin, Managerin und Netzwerkerin war ihrer Zeit weit voraus. Und sie war vielleicht Vorbild für die neunjährige Johanna Müller aus Cainsdorf, die Clara Schumann in einem Kinderbuch entdeckt und ihre Familie zum Ausflug ins Schumannhaus inspiriert hatte. Ihr Mutter Sandy und Oma Ina waren von der Ausstellung beeindruckt: "Interessante Exponate, sehr schön erklärt!"

Die Ausstellung "Clara Schumann und ihre Kinder" ist bis 2. Juni im Robert-Schumann-Haus am Zwickauer Hauptmarkt zu besichtigen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

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