Geldvermögen in Sachsen seit 1993 um 222 Prozent gewachsen

Mauerfall 89: Die Ostdeutschen haben beim Vermögen aufgeholt, trotz der vorhandenen Unterschiede. Aber eines haben Ost und West gemeinsam.

Frankfurt (Main).

Das Geldvermögen in Ostdeutschland ist zwischen 1993 und 2018 durchschnittlich um 244 Prozent auf 40.000 Euro je Haushalt gestiegen. Im gleichen Zeitraum legte das Geldvermögen im Westen um 95 Prozent zu, auf heute 63.000 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine Berechnung der Deka-Bank, des Wertpapierhauses der deutschen Sparkassen.

Von den ostdeutschen Bundesländern hat Thüringen beim Geldvermögen prozentual gesehen am stärksten aufgeholt. Dort betrug der Geldvermögenszuwachs 288 Prozent auf 43.500 Euro, gefolgt von Brandenburg mit 251 Prozent auf 4o.400 Euro. Sachsen belegt mit einem Zuwachs von 222 Prozent hinter Sachsen-Anhalt mit 237 Prozent nur den vierten Platz. Ein sächsischer Haushalt besitzt durchschnittlich 40.900 Euro Geldvermögen. Damit liegt Sachsen deutlich vor Sachsen-Anhalt (34.700 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern mit lediglich 30.900 Euro.

"Der Angleichungsprozess zwischen Ost und West verlief besonders in den Anfangsjahren rasant", erklärte Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Obwohl der Anstieg des Geldvermögens im Osten deutlicher ausfällt, bleibe allerdings noch ein Unterschied von 36 Prozent bestehen, sagte Kater. Er wies daraufhin, dass dafür in Ostdeutschland die Differenzen beim Pro-Kopf-Geldvermögen deutlich geringer sind. Zwischen dem ärmsten und dem reichsten Landkreis in Ostdeutschland liegen 40 Prozent Differenz, im Westen sind es 67 Prozent. Innerhalb Sachsens liegt der Unterschied bei rund 21 Prozent. "Das liegt zum einen an der gleichmäßigeren Verteilung der Einkommen in den neuen Ländern", erklärte Kater. Im Westen dagegen gibt es sehr hohe Vermögensunterschiede. Zudem verstärkt der Zinseszinseffekt ungleiche Vermögensverteilungen noch, besonders wenn er wie im Westen viele Jahrzehnte wirken konnte.

Trotz des starken Aufholens in Sachen Vermögen und der noch immer vorhandenen Unterschiede, eines haben Ost und West gemeinsam: die Art des Sparens. "Die Deutschen sparen am liebsten mit dem Sparbuch. Hier gibt es auch keinen regionalen Unterschied", sagte Kater. Durchschnittlich die Hälfte des Vermögens der Deutschen liege in Anlagen, die durch die extrem niedrigen Zinsen der Inflation schutzlos ausgesetzt seien. Zwar bleibe der Wert auf dem Kontoauszug gleich, über die Jahre gehe aber die Kaufkraft verloren.

Die große Skepsis gegenüber Wertpapieren zeige sich an der niedrigen Aktionärsquote von 5,2 Prozent in den neuen Bundesländern und 6,7 Prozent in den alten. "Dabei sind Wertpapiere die einzige Möglichkeit, um bei niedrigen Zinsen noch langfristig eine Rendite zu erzielen", meinte Kater. Der Chefvolkswirt der Deka-Bank rechnet frühestens ab dem Jahr 2025 mit minimal steigenden Zinsen.

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