Geschlagen, erpresst, verfolgt - Bewährung für Ex-Rochlitzer

Ein 51-Jähriger hat dem Partner seiner ehemaligen Freundin und auch ihr das Leben zur Hölle gemacht. Vor Gericht bereut er und entschuldigt sich.

Rochlitz/Döbeln.

Als das Amtsgericht Döbeln am Montag die sechs Straftaten aufrollt, die Peter P. (Name geändert) im Jahr 2019 in Rochlitz beging, zeigte er immer wieder Reue, ging in sich und sagte mehrfach: "Was ich gemacht habe, ist eine Katastrophe." Was geschehen war, glich einer Aneinanderreihung teils diffuser Schilderungen, die Richterin Karin Fahlberg zu entwirren versuchte.

Peter P., Jahrgang 1969, hatte die damals 16-jährige Heike H. (Name geändert) kennengelernt und war mit ihr zusammengezogen. Während er auf Montage arbeitete, sei sie in der gemeinsamen Wohnung fremdgegangen. Der heute 45-jährige Rochlitzer Bernd B. (Name geändert), der mittlerweile ihr Freund ist und am Montag als Zeuge aussagte, erlebte daraufhin eine Odyssee der Gewalt. Da Peter P. ihn geschlagen hatte, erhielt er vom Gericht einen Strafbefehl und sollte 2400 Euro zahlen. Doch Peter P. bestand darauf, dass Bernd B. das Geld bezahlt und ließ sich allerhand einfallen, um ihm Druck zu machen. "Am 21. Oktober 2019 bedrohte er mich aus seinem Auto heraus: Wenn ich nicht zahle, würde ich nicht mehr lange leben", berichtete Bernd B. vor Gericht. Am 12. November abends lauerte der Angeklagte Peter P. und seiner Freundin auf deren Grundstück auf. "Er hat mich zu Boden gerissen und sich auf meinen Brustkorb gekniet", berichtet das Opfer. Heike H. habe er unvermittelt mit der Hand ins Gesicht geschlagen.

Um erneut das Geld einzufordern, verfolgte der Angeklagte am 19. November Bernd B. und Heike H. mit dem Auto. "Das war die nächste Eskalationsstufe", erklärte das Opfer. Da beide Angst hatten, fuhren sie bis vors Rochlitzer Polizeirevier und hupten lange. Ein Polizeibeamter, der am Montag als Zeuge aussagte, erklärte vor Gericht: Er habe den Insassen beschimpft und mehrfach die Geste eines Kehlschnitts gemacht, obwohl die Polizei daneben stand, so der Beamte. Am 9. Dezember eskalierte der Konflikt erneut. Peter P. stürmte in ein Geschäft am Rochlitzer Markt, wo Bernd B. gerade einen Kaffee trank. Es gab ein Gerangel, wie eine Zeugin sagte. Am 10. Dezember soll der Angeklagte sein Opfer beschimpft und an sein Auto getreten haben. Wie Bernd B. berichtete, habe Peter B. ihm früh an seiner Arbeitsstelle aufgelauert. "Er hat gedroht, dass ich alles verlieren und sterben werde. Dann sagte er: Ich lass dich auf der Straße fertigmachen." Als der Angeklagte dies im Verlauf der Verhandlung hörte, entschuldigte er sich bei Bernd B. und meinte: "Ich würde die Zeit gern zurückdrehen." Mittlerweile wohnt Peter P. in einem anderen Bundesland, lebt nach dem Tod seiner damaligen Frau wieder in einer Beziehung und hat drei Kinder.

Richterin Karin Fahlberg verurteilte den Angeklagten wegen dreimaliger räuberischer Erpressung, teilweise in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Zudem muss er 1000 Euro an die Opferhilfe Sachsen zahlen. Peter P. und sein Anwalt haben das Urteil akzeptiert.

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