Gut 8000 Jugendliche profitieren von Erweiterung des Azubitickets

Das Monatsticket gilt nun auch für Freiwilligendienstleistende und Lehrlinge mit Berufsschulstandort außerhalb Sachsens. Um das Bildungsticket wird noch gerungen.

Radebeul.

Eine gute Nachricht für etwa 8000 Jugendliche in Sachsen: Die Landesregierung und die fünf Verkehrsverbünde erweitern den Berechtigtenkreis für das Azubiticket. Das gaben das sächsische Wirtschaftsministerium und der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) am Donnerstag in Radebeul bekannt.

Ab 1. August können auch alle rund 6500 Freiwilligendienstleistende, die etwa ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, für 48 Euro im Monat den öffentlichen Nahverkehr im jeweiligen Verbundraum nutzen. Zudem steht das Ticket nun auch allen Auszubildenden offen, die bei einem Betrieb im Freistaat lernen, aber ihren Berufsschulort außerhalb von Sachsen haben. Sie waren bislang ausgeschlossen gewesen. Dass Jugendliche zur Berufsschule in ein anderes Bundesland müssen, betrifft eine ganze Reihe von Berufen, etwa Gerüstbauer, Speiseeishersteller, Glasbläser, Winzer sowie Pinsel- und Bürstenmacher. Sie können nun zumindest zu ihrem Ausbildungsbetrieb günstiger mit Bus und Bahn fahren. Das betrifft laut VVO sachsenweit gut 1500 junge Leute. Die Gruppe hatte man bei der Einführung des Angebots im vorigen Jahr offenbar nicht im Blick gehabt: Bedingung für das Ticket ist bislang, dass eine berufsbildende Schule im Freistaat besucht wird. Viele Auszubildende hätten sich deswegen "an uns gewandt", sagte VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen. Dank der Unterstützung durch den Freistaat könnten die Verbünde nun allen Azubis das Ticket anbieten, so Ehlen. Dafür nimmt das Land 2,75 Millionen Euro pro Jahr in die Hand - zusätzlich zu den 14 Millionen Euro, mit denen das Angebot bislang jährlich bezuschusst wird.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sprach von einem "wichtigen Schritt zur Entlastung und Gleichstellung der Auszubildenden". Mit dem Zugang für Jugendliche im Freiwilligendienst werde zudem deren gesellschaftliches Engagement gewürdigt. Insbesondere die letzten Wochen hätten die Bedeutung der Freiwilligendienste "für unser gesellschaftliches Leben" verdeutlicht, sagte Dulig. Der Linken-Abgeordnete Marco Böhme sprach indes von einer "halbherzigen Lösung". Im Gegensatz zu Soldatinnen und Soldaten, die mit wesentlich höherem Einkommen in Uniform kostenlos Zug fahren, gingen bei Freiwilligendienstleistenden immer noch bis zu 68 Euro von den "kärglichen wenigen Hundert Euro Taschengeld ab". Das sei ungerecht. Der Freistaat müsse ihre Ticketkosten ganz übernehmen, forderte er.

Das Azubiticket kostet 48 Euro pro Monat für einen Verbund. Wer darüber hinaus will, zahlt weitere fünf Euro je Verbund. Für den Nahverkehr in ganz Sachsen sind damit maximal 68 Euro fällig. Lange hatten Verbünde und Ministerium um das Azubiticket gestritten, das dann ab August 2019 eingeführt wurde.

Weiter gerungen wird derweil um das Bildungsticket. Im vorigen Jahr hatte der Freistaat angekündigt, zum Schuljahr 2020/21 gemeinsam mit den Zweckverbänden ein ganztägig gültiges Bildungsticket für Schüler einzuführen. Im Koalitionsvertrag hatten sich CDU, Grüne und SPD darauf verständigt. Dort heißt es, man setze auf die Zusage der Landräte, bis dahin ein mindestens verbundweites, einheitliches und ganzjähriges Bildungsticket einzuführen. Doch ob das gelingt, ist fraglich. Die Landkreise und kreisfreien Städte sind die Träger der Zweckverbände, die wiederum Gesellschafter der Verkehrsverbünde sind.

Man stehe mit den kommunalen Aufgabenträgern in engem Austausch und sei zuversichtlich eine Lösung zu finden, erklärte das Wirtschaftsministerium auf Nachfrage. Man habe das Bildungsticket für dieses Jahr noch nicht abgeschrieben. Die aktuelle Situation aufgrund der Coronapandemie habe aber sowohl auf Landes- als auch auf kommunaler Ebene finanzielle Auswirkungen, die bewältigt werden müssten. "Es wird anstrengend", hieß es im Ministerium.

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