Hainichens Problemfälle: Drogen und Körperverletzungen

Die Kriminalitätsstatistik der Polizei weist für 2019 mehr Straftaten als im Vorjahr auf. Es konnten aber auch mehr Delikte aufgeklärt werden. Der Bahnhof ist nun als gefährlicher Ort eingestuft.

Hainichen.

Insgesamt 405 Straftaten und damit 55 mehr als 2018 hat die Polizei für das Jahr 2019 in Hainichen erfasst. Dies erklärte Ulrich Scherzer, Leiter des Polizeireviers Mittweida, zur Sitzung des Stadtrats am Mittwoch. "Im Vergleich zu Mittweida steht Hainichen aber nicht schlecht da", so Scherzer. Positiv bewertet er die Aufklärungsquote, die auf 66,7 Prozent gestiegen ist.

Als Ursache für den Anstieg der aufgeklärten Fälle um fast 16 Prozent nannte er die verstärkte Präsenz der Polizei. "Wenn mehr kontrolliert wird, werden auch mehr Delikte erfasst", erklärte der Revierleiter. Als Schwerpunkt der Kontrollen und damit auch der Straftaten hätten sich der Bahnhof und dessen Umfeld gezeigt. "Wir haben diesen Bereich als gefährlichen Ort deklariert", erklärte Scherzer. "Damit können wir dort auch verdachtsunabhängig kontrollieren. Wir stellten fest, dass auch die Bundespolizei dort tätig ist." Bahnhof und Umfeld fallen laut Statistik vor allem bei der Rauschgiftkriminalität auf. Die Zahl der Fälle stieg von 19 im Jahr 2018 auf nunmehr 42. Das bedeutete zwar weniger als einen Fall pro Woche, sorgte bei Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) aber auch für Beunruhigung.

Auf Nachfrage von Max Kermes (Freie Wähler) erläuterte Scherzer zudem, um welche Drogen es vorrangig geht: Cannabis-Produkte und Amphetamine, womit vor allem Crystal gemeint sei. Taten in Zusammenhang mit Cannabis würden überwiegen. Der Großteil der Delikte seien allgemeine Verstöße wie zum Beispiel bei Verkehrskontrollen.

Unerlaubter Handel und Schmuggel kam insgesamt sechs Mal zur Anzeige, im Jahr davor waren es drei Fälle. Ermittelt wurden insgesamt 39 Tatverdächtige, darunter ein Kind, zehn Jugendliche und acht Heranwachsende. Was die Stadt tun könne, wollte SPD-Stadtrat Kay Dramert wissen. CDU-Fraktionschef Joachim Fänder regte an, das flexible Jugendmanagement des Kreisjugendrings am Bahnhof in Anspruch zu nehmen. Greysinger versprach, auch die Sozialarbeiter vom Jugendtreff Wiesenstraße auf den Brennpunkt anzusetzen.

Einen weiteren starken Anstieg der Fälle sah der Bürgermeister bei den Brandstiftungen, die von einem Fall im Jahr 2018 auf 13 im Vorjahr anwuchsen. Scherzer musste keine Brände von Wohnhäusern benennen, dafür eine Vielzahl von anderen Brandstiftungen oder Versuchen. Dabei ging es um Schuppen, Wiesen, Felder und eine Ruine. Aber auch das Zündeln an der ehemaligen Mittelschule in der Friedrich-Gottlob-Keller-Siedlung und ein ausgebranntes Auto gehören dazu.

In die gleiche Gruppe der Straftaten zählt die Sachbeschädigung, wobei die Zahl der Fälle um zehn auf 45 zurückgegangen ist. "Wir bringen aber auch als Stadt jeden uns bekannten Fall konsequent zur Anzeige", sagte Greysinger und benannte dabei Zerstörungen an der Blumenuhr ebenso wie die kaum noch zu zählenden Graffiti an der sogenannten elektrischen Kirche am Parkeingang.

Den Anstieg der Körperverletzungen von 27 auf 49 begründete Scherzer mit "der einen oder anderen Feierlichkeit". Der Großteil habe sich nachts ereignet. Der Wohnblock Ottendorfer Hang 5, in dem Asylsuchende wohnen, sei dabei elf Mal als Tatort vertreten gewesen.

Auf alle Straftaten gesehen, seien insgesamt 46 nichtdeutsche Tatverdächtige ermittelt worden, deren Anteil ging prozentual gegenüber dem Vorjahr zurück. Besonders in Erscheinung traten Verdächtige aus Georgien (6 Fälle) sowie Rumänien und Ungarn (jeweils 4).

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