Holperpiste wird richtige Straße

In gutem Zustand war die Gabelsbergerstraße in Reichenbach eigentlich nie. Starker Regen gab ihr 2018 den Rest. Für die Reparatur galt: "Wenn schon, dann richtig."

Reichenbach.

Wahrscheinlich ging damals alles einfach zu schnell. Als im Jahr 1905 die 470 Meter lange Gabelsbergerstraße zwischen Liebaustraße und Vater-Jahn-Straße angelegt wurde, hatten die Arbeiter sie nur geschottert und teilweise Fußsteige angelegt. Die rasche Bebauung des "Vogels" war der rasch wachsenden Bevölkerungszahl Reichenbachs durch die Industrialisierung geschuldet. Waren es 1880 erst 17.000 Einwohner, stieg deren Zahl auf fast 25.000 im Jahre 1900. Die Flurbezeichnung "Am Vogel" geht auf die erstmals 1638 erwähnte Bezeichnung zurück. Das Gebiet war als Vogelfangplatz bekannt. Seit dem 17. Jahrhundert gab es solche Vogelfangplätze, wo mittels Leimruten Jagd auf essbare Singvögel gemacht wurde. So wurden zum Beispiel Stare mit Regenwürmern und Tauben mit einer Salzlecke angelockt. Im unterhalb der Eisenbahnstrecke neu entstandenen Wohngebiet erhielt die Anliegerstraße auf Vorschlag des örtlichen Stenographenvereins den Namen des Stenographie-Erfinders Franz Xaver Gabelsberger anlässlich seines 50. Todestages im Jahr 1899.

Auch in den kommenden Jahren blieb die Straße unbefestigt. Dies rächte sich im Mai 2018. Starker Regen beschädigte die Strecke damals so stark, dass sie kaum mehr befahren werden konnte. Doch die heftigen Niederschläge hatten auch ihr Gutes. Der Freistaat legte zur Beseitigung der sachsenweit erheblichen Straßenschäden durch den Starkregen ein Förderprogramm mit 90 Prozent Zuschuss auf. Dies nutzte die Stadt Reichenbach. Nach dem Motto "Wenn wir die Straße eh reparieren müssen, dann gleich richtig" - wird aus der Schotterpiste doch noch eine Straße mit allem Drum und Dran.

Im Juli 2019 vergab der Stadtrat die Arbeiten an die Firma Hoch- und Tiefbau Reichenbach zu einem vorläufigen Gesamtpreis von rund 859.000 Euro. Darin enthalten sind auch ein Mischwasserkanal, eine neue Trinkwasserleitung, sowie neue Gas- und Elektro-Leitungen. Auch Gehsteig und Straßenlaternen werden neu gemacht. Im August 2019 begannen die Tiefbauarbeiten. Abgeschlossen werden soll das gesamte Straßenbauprojekt mit der Asphaltierung Ende Juli. Dann haben die Anwohner doch noch bekommen, was ihre Vorfahren nicht erhielten: eine richtige Straße. (mit nie)

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