"Ich will nicht feiern, ich will springen"

Senioren-Leichtathlet Lutz Herrmann von der SG Vorwärts Frankenberg wird diesen Freitag 60 Jahre alt. Am Samstag greift er wieder zum Stab.

Frankenberg.

Wenn Lutz Herrmann sich so alt wäre, wie er sich fühlt, dann wäre er einmal 100 und einmal 30."So fühle ich mich zumindest. An anderen Tagen denke ich, dass ich mit den 30-Jährigen noch mithalten kann", sagt er mit einem Schmunzeln. Diesen Freitag wird der Senioren-Leichtathlet der SG Vorwärts Frankenberg 60 Jahre.

Passend dazu lädt er am Samstag zum seinem ersten Freiluft-Wettkampf in diesem Jahr ein: Beim 27. Sachsenpokal der SG Vorwärts kämpfen die Stabhochspringer um große Höhen. "Und die Fünf-Meter-Marke könnte dabei durchaus angegriffen werden", sagt Herrmann, der an der Oberschule in Hainichen Sport unterrichtet. "Es haben sich einige Sportfreunde aus dem tschechischen Opava angekündigt, die Kandidaten dafür haben." Zudem reisen Sportfreunde aus Mitteldeutschland, Bayern und Brandenburg an. "Wir sind dann zusammen ungefähr 25 Starter." Eine Hoffnung hat er allerdings: "Dass es nicht zu sehr regnet, das wäre dann beim Stabhochsprung zu gefährlich." Zuschauer sind auch in Frankenberg nicht zugelassen. "Die Stadt hat unser Hygienekonzept abgesegnet, aber eben leider ohne Publikum." Und danach gibt es nur etwas Kaffee und Kuchen unter den Sportlern, aber keine große Fete. "Ich will nicht feiern, ich will springen", sagt der Vorwärts-Senior forsch.

Als Zehnjähriger griff Lutz Herrmann erstmals zum Stab, damals noch bei der BSG Fortschritt Glauchau. "Dort war mein Vater Trainer, da bin ich mit der Leichtathletik groß geworden", erinnert er sich. "Wir haben alle Disziplinen gemacht. Im Winter die Hallenwettkämpfe, im Sommer Zehnkämpfe." 1980 ging es für ihnnach Leipzig an die Sportschule.1985 verschlug es Lutz Herrmann dann nach Frankenberg. "Schuld daran war die Armee. Ich war dann Sportoffizier bei den NVA", sagt er. Seine Frau Petra, die aus Treuen stammt, lernte er bei einem Trainerlehrgang kennen. Irgendwann standen dann die Kinder Bianka und Matti mit auf der damaligen Aschenbahn. "Und da haben wir schnell gemerkt, dass die beiden Spaß an der Leichtathletik haben und auch gar nicht so schlecht sind", sagt Lutz Herrmann. Bei Kindersportfesten, wie etwa in Ehrenfriedersdorf und Niesky, sammelten die beiden Schützlinge erste Erfahrungen. "Matti hat seine Zehnkampf-Premiere mit 9 Jahren bestritten, ich erst mit 11", sagt der Vater schmunzelnd.

Er schätzt, dass die Familienmitglieder inzwischen mehr als2000 Medaillen erkämpft haben. "Davon bestimmt über 1000 bei Landesmeisterschaften", schätzt Lutz Herrmann. Sein größter Erfolg war die Silbermedaille im Stabhochsprung bei der Senioren-Weltmeisterschaft in Australien 2001, dazu kamen viele EM-Silberplaketten. Den größten Erfolg der Frankenberger errang sein Sohn Matti 2003, als der bei der Deutschen Meisterschaft der Elite Bronze gewann. Inzwischen hat der 37-Jährige seinem Papa einige Rekorde abgenommen. "Natürlich bin ich ihm nicht böse", sagt der Vater, dessen Rekorde bei 4,25 Meter im Stabhochsprung und im Zehnkampf bei 6523 Punkten liegen. Generell waren ihm und der Familie die Medaillen nie wichtig. "Sondern eher, dass wir ein von uns gestecktes Leistungsziel erreicht haben."

Einen Zehnkampf will Lutz Herrmann noch bestreiten. "Solange die Knochen mitmachen, habe ich das vor." Speziell darauf hin trainieren wird er aber nicht. "Das wäre zu aufwendig." Zunächst freut er sich auf den Sachsenpokal am Wochenende. "Wir haben in diesem Jahr nicht nur mit der Senioren-DM in Zittau, sondern auch mit der WM in Kanada geliebäugelt. Leider sind beide Veranstaltungen schon abgesagt."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.