Individuell statt in großen Feldern

Die Corona-Krise hat Folgen, auch für die Mountainbiker. Deshalb haben sich die Veranstalter des Seiffener Marathons einen neuen Modus einfallen lassen.

Seiffen.

Einen kleinen positiven Aspekt hatte der jüngste Dauerregen. "Dadurch tat es nicht ganz so weh", sagt Norman Schreiter, der mit seinen Mitstreitern vergangenes Wochenende die Rennen der 5. Miriquidi Bike Challenge (MBC) ausrichten wollte. Doch rund um Gelobtland, wo die Veranstalter bis zu 700 Teilnehmer erwartet hätten, blieben Trails und Waldwege leer. "Es war eine schwierige Entscheidung, aber schweren Herzens haben wir die fünfte Auflage dann doch auf den 5./6. Juni 2021 verlegt", erklärt Schreiter, dessen Team sich zumindest etwas trösten kann. Nicht nur wegen des Wetters, das sich wahrscheinlich negativ auf die Resonanz ausgewirkt hätte, sondern auch wegen des Organisationsaufwands. "Viele eingeholte Genehmigungen können wir gleich fürs nächste Jahr nutzen", so der MBC-Initiator.

Statt mit der Zukunft beschäftigen sich die Veranstalter des Erzgebirgs-Bike-Marathons (EBM) mit der Gegenwart. Denn sie wollen den Gelände-Experten unter den Radsportlern trotz aller Corona-Beschränkungen auch dieses Jahr das Erlebnis bieten, über die Strecke rund um Seiffen zu jagen. Anders als bei der Miriquidi Bike Challenge, deren Route zum Teil Sondergenehmigungen erfordert, ist die EBM-Runde ganzjährig befahrbar. "Sie ist auch auf Online-Plattformen zu finden", so Cheforganisator Albrecht Dietze, der den touristischen Aspekt nun mit dem sportlichen kombiniert. Denn ab dem 1. Juli haben Interessenten drei Monate lang die Möglichkeit, den ältesten Mountainbike-Marathon Deutschlands individuell zu absolvieren: "Im Hotel im Ortszentrum gibt es das Starterpaket. Dann kann jeder loslegen." Indem jeder seine Zeit stoppt und diese dann via Internet dem Veranstalter zukommen lässt, bleibt laut Dietze eine Art Wettkampfcharakter erhalten. "Jeder sollte dazu auch ein Beweisfoto von der Uhr oder vom Radcomputer hochladen, um am Ende seine Urkunde zu erhalten", sagt der Seiffener, der fest an den Sportsgeist der Teilnehmer glaubt.

Obwohl die Idee aus der Not heraus geboren wurde, hält Dietze den Modus für zukunftsfähig, denn er bringt auch Vorteile mit sich. So können Sportler auf diese Weise mehrere Distanzen und den EBM sogar komplett in Bronze (32 km), Silber (64 km) sowie Gold (96 km) absolvieren. "Jeder kann auch mehrfach fahren, um seine Zeit zu verbessern", ergänzt Dietze, der zudem auf die Nachwuchs-Wettbewerbe sowie die Touren im Rahmenprogramm verweist. Auch diese sollen bis zum 30. September möglichst viele Teilnehmer anlocken. Womöglich sogar Sportler, die bei der sonstigen Austragungsform Anfang August nicht an den Start gegangen wären. "Es gibt ja auch Mountainbiker, die nicht vom Rennfieber gepackt sind, sich aber trotzdem belasten und messen wollen. Jetzt haben sie ohne ein 1000-köpfiges Starterfeld die Möglichkeit dazu, sich auszuprobieren und zu sehen, was ihre Zeit wert ist", so Albrecht Dietze. Auch deshalb werde die Zeitnahme individuell gehandhabt. "Man muss nirgends registriert und auch nicht besonders technikaffin sein", betont der Organisator, der sich innerhalb der drei Monate kleine Veranstaltungen am Lagerfeuer als Rahmenprogramm vorstellen kann.

Die übliche große Party am ersten August-Wochenende inklusive aller Rennen wird es wohl erst 2021 wieder geben, wobei die individuellen Starts selbst dann noch Teil des Programms sein könnten. "Beides ist parallel vorstellbar", so Dietze.

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