Jens Spahn warnt vor neuer Spaltung der Gesellschaft

Die Flüchtlingskrise 2015 hat die deutsche Gesellschaft polarisiert. Nun sind die Folgen der Corona-Krise das beherrschende Thema des Landes - und erneut spitzt sich die Debatte massiv zu.

Augsburg (dpa) - Gesundheitsminister Jens Spahn hat davor gewarnt, dass die Corona-Krise zu einer ähnlichen Polarisierung wie die Debatte über die Flüchtlingspolitik führen könnte: «Wir haben ein Wir-Gefühl erlebt. Jetzt müssen wir aufpassen».

Dass Debatten über Gesundheit oder Freiheitsrechte stattfänden, finde er richtig und wichtig, sagte der CDU-Politiker der «Augsburger Allgemeinen». Aber: «Wir alle haben die Verantwortung, dass es nicht wieder so polarisierend wird wie teilweise in der Diskussion über die Migration. Wir müssen sehr aufpassen, dass uns das nicht wieder passiert.»

Spahn bekräftigte, Debatten seien lebensnotwendig für eine Demokratie. «Den Demonstranten sollte aber klar sein, mit wem sie demonstrieren. Man muss nach links und rechts schauen, wer da so dabei ist.» In den vergangenen Wochen hatten wiederholt Tausende in Deutschland gegen die ihrer Meinung nach zu starke Einschränkung der Freiheitsrechte im Kampf gegen das Coronavirus demonstriert. Darunter waren auch zahlreiche Extremisten von links und rechts sowie Impfgegner und Anhänger von Verschwörungstheorien.

Aus Sicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach hat sich die Debatte in den vergangenen beiden Wochen stark zugespitzt. «Das hat damit zu tun, dass sich nun radikale Bewegungen gebildet haben, die zum einen die Maßnahmen kritisieren, was legitim ist, aber sich zum anderen teilweise radikalisieren und mit Verschwörungstheorien sowie Hassparolen arbeiten», sagte Lauterbach dem Nachrichtenportal watson. Eine dritte Gruppe nutze die Situation aus, um im Netz Stimmung gegen die Köpfe der Corona-Bekämpfung zu machen.

Lauterbach hatte am Mittwoch öffentlich gemacht, dass er anonyme Morddrohungen erhalten hat, die sich auch gegen seine Familie richten. Zudem zeigte er auf Twitter das Foto eines Päckchens, das ein Fläschchen enthält, dessen Inhalt laut Aufschrift Corona-positiv sein soll. Dazu ein Zettel mit der Nachricht: «Trink das - dann wirst du immun.» Der Berliner Virologe Christian Drosten teilte den Beitrag und schrieb dazu: «Dasselbe Paket habe ich heute auch bekommen.»

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    3
    Lesemuffel
    28.05.2020

    Nun, die 78 Tage Verspätung, die bis zur Reaktion genutzt worden sind, waren doch für bundesdeutsche Verhältnisse logisch. Man nutzte zunächst mal die Ereignisse in Wuhan für die hierzulande übliche Antichinadiffamierung. Das würde zum Bumerang, den wir Bürger zu bezahlen haben. Danke an die Schlafmützen in Berlin Habe heute bei Kaufland für knapp 8 Euro 10 Mund/Nasenmasken erstanden. "Made in China"!

  • 6
    3
    klapa
    28.05.2020

    Früheres Handeln des Herrn Spahn hätte die heutigen Coronazahlen in Bezug auf Deutschland möglicherweise auf Taiwan-Niveau geschrumpft.

    Zu Erinnerung, nach Focus, seit der ersten Warnung der WHO Ende Dezember 2019 vergingen 78 Tage, bis die Bundesregierung aktiv wurde.

  • 9
    6
    Lesemuffel
    28.05.2020

    Also mit Corona hat die Spaltung nichts zu tun. Vielleicht zupft er und seine KollegInnen und ihnen wohlgesonnen Medien Mal selbstkritisch an die eigene Nase , hinterfragen mal ihre Politik?

  • 14
    7
    mops0106
    28.05.2020

    "Jens Spahn warnt vor neuer Spaltung der Gesellschaft"

    Wie so neuer Spaltung? Was durch ist kann nicht weiter gespalten werden. Und da sich an der Migrationspolitik in den letzten Jahren nichts geändert hat, wird das so bleiben. Das ist politisch auch gewollt meiner Meinung nach.

  • 5
    7
    Echo1
    28.05.2020

    Die Flaschen mit Immunwasser sollten die
    beiden nicht als Angriff sehen. Das war spaßig gemeint. Hier wird die Verbissenheit, fast Verbohrtheit, die Kritikempfindlichkeit als Karikatur gezeigt.
    Drohung und Gewalt geht nicht.
    Schuld, dass die beiden im Visier der Massnahmegegner stehen, liegt aber an der ständigen Präsenz von Lauterbach und
    Drosten.