Kampf ums Klima ist Kampf um Köpfe

Wenn Klimaforscher in den vergangenen Jahren Prognosen über die Folgen der Erderwärmung vorlegten, dann waren die Szenarien für viele Menschen noch weit weg. Was kümmert uns, was in 100 oder 200 Jahren ist! Mit dem aktuellen Bericht des IPCC könnte sich das ändern. Die Zukunft ist bedrohlich nahe gerückt, die Distanz auf ein Menschenleben geschrumpft. Die Nachricht lautet: Machen wir mit den Emissionen weiter wie bisher, dann steht uns bis zum Ende des Jahrhunderts ein Anstieg des Meeresspiegels von etwa einem Meter bevor.

Fast die Hälfte der Fläche der Niederlande ist dann von Überflutung bedroht. Ganz zu schweigen von Dritte-Welt-Ländern wie Bangladesch, die keine Mittel haben, ihre Küsten zu schützen. Riesige Landstriche werden unbewohnbar. Und etliche Südsee-Archipele wird es schlicht nicht mehr geben.

Die jüngsten Erkenntnisse des Weltklimarates besagen: Wenn die Menschheit nicht entschieden handelt, wird die Erde schon in 80 Jahren eine sehr viel andere sein als heute. Mit Wetterextremen bisher unbekannten Ausmaßes und womöglich Millionen Klima-Flüchtlingen. Das ist kein Alarmismus, sondern wissenschaftlicher Konsens. Aber die Frage, ob dieser wissenschaftliche Konsens auch in einen gesellschaftlichen Konsens münden wird, ist noch immer offen.

Einerseits erleben wir gerade ein enorm gewachsenes Bewusstsein für das Problem der Erderwärmung. "Fridays for Future" ist zu einer weltweiten Massenbewegung angewachsen, der 20. September 2019 wurde rund um den Globus zu einem Tag des Aufbruchs. Der Handlungsdruck auf die Politik hat sich enorm verstärkt und beginnt sich in Regierungshandeln niederzuschlagen. Diese Entwicklung kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Deutschland noch immer große Teile der Bevölkerung die Dringlichkeit des Handelns nicht zur Kenntnis nehmen oder sie bewusst in Abrede stellen.

Klima-Hysterie - hinter diesem Kampfbegriff versammeln sich politische Kräfte, allen voran die AfD, die den Bürgern einreden wollen, man müsse hier gar nichts tun. Indem sie den vom Menschen gemachten Klimawandel leugnen, haben sie es im politischen Diskurs sogar besonders bequem: Sie müssen keine Lösungen liefern für das vielleicht drängendste Problem der Menschheit. Mit Falschaussagen und Demagogie stehlen sie sich aus der Verantwortung. Wer sich für weniger Treibhausgase engagiert, wird diffamiert, die 16-jährige Schülerin Greta Thunberg gar zur Hassfigur erklärt. Es zeigt sich: Die Gesellschaft ist in dieser Frage so tief gespalten wie sonst nur beim Thema Migration. Trotz der klaren wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Der Kampf ums Klima ist vor allem auch ein Kampf um die Köpfe. Der Weltklimarat liefert hier wichtige Argumente, gewonnen ist dieser Kampf aber noch lange nicht. So lange es nicht gelingt, die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung zu überzeugen, wird die nötige ökologische Wende nicht gelingen.

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