Keine gute Aussicht für die Esda

Für Lichtensteins Wahrzeichen wird es wohl keine Rettung geben. Hoffnung aber besteht für ein anderes Industriedenkmal.

Lichtenstein.

Erhaben thront sie über Lichtensteins Dächern. Es ist ein Bild, das die Stadt seit über 100 Jahren prägt. So drückt es Sebastian Dämmler aus. Der Hobbyhistoriker ist Koordinator bei "Industriekultur Ost", einem Verein, der sich für den Erhalt industriegeschichtlicher Gebäude einsetzt. "Bei einem Abriss würde der Stadt auch ein Stück Identität verloren gehen", sagt er.

Die Rede ist von der ehemaligen Produktionsstätte des Strumpfkombinates Esda Thalheim. Wer sich dem Fabrikgebäude von der Weststraße aus nähert, erkennt schnell, welche Spuren Zeit und Verfall hier hinterlassen haben. Die Fenster sind zerstört, die Türen verbarrikadiert, das Mauerwerk wirkt brüchig. Kaum vorstellbar, dass in dieser gespenstisch anmutenden Ruine einst Frauen Unterhosen, Sportrikotagen und Sportstrümpfe an kraftbetriebenen Kottonmaschinen produzierten. Könnte man heute noch sanieren, was von Lichtensteins einstiger Vorzeigefabrik übrig geblieben ist? Je näher man dem Gebäude kommt, desto abenteuerlicher wirkt der Gedanke.

Dass hier nun bald eine Pflegeeinrichtung entstehen könnte, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Der mögliche neue Grundstücksbesitzer hat vor, das historische Gebäude abreißen zu lassen. "Eine Sanierung oder Instandsetzung ist einfach nicht mehr wirtschaftlich", sagt Bruno Otto Müller. Geschäftsführer der REM Objekt X aus dem hessischen Hünstetten. Der Gesellschaft gehört auch die an das Esda-Gelände grenzende Gewerbefläche samt Rewe und neuem Fachmarkt, der im Juli eröffnen wird.

Die Verkaufsverhandlungen mit dem jetzigen Eigentümer Ohlinger habe Bruno Otto Müller abgeschlossen. Endgültig werde die Übernahme der Immobilie jedoch nur unter zwei Bedingungen. Erstens: Es findet sich ein Betreiber für die geplante Pflegeeinrichtung. Zweitens: Das denkmalgeschützte Esda-Gebäude darf wirklich abgerissen werden.

Bislang hat es weder von der Denkmalpflege des Landratsamtes, noch vom Industrieverein Ost Einspruch gegeben. Auch Patrick Bochmann vom Geschichtsverein Lichtenstein sagt: "Das Gebäude ist zu sehr heruntergekommen." Hätte man die 1888 von Gustav Adolf Bahner errichtete Fabrik retten wollen, hätte man früher damit anfangen sollen. Seit die Treuhand den Betrieb 1992 an die Firma Ohlinger verkaufte, schritt der Verfall voran.

Für ein anderes Industriedenkmal möchte Bochmann aber kämpfen. Im Esda-Gebäude befinden sich zwei Dampfmaschinen Baujahr 1903 und 1911 nebst Schaltanlage. Die standen bereits zu DDR-Zeiten unter Denkmalschutz. "Es handelt sich um das wichtigste Industriedenkmal Lichtensteins", sagt Bochmann. Investor Bruno Otto Müller: "Die Dampfmaschine muss erhalten werden, die stellen wir kostenfrei zur Verfügung." Für Bochmann und andere Geschichtsliebhaber bleibt die Frage: Wohin mit den Maschinen? Auch dabei bietet der Investor aus Hessen Hilfe an. Gleichzeitig sagt er zu, dass die Villa neben dem Fabrikgebäude stehen bleiben wird.

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