Kleine Galerie mit großer Ausstrahlung

Auf dem Hof bei Frauenstein bietet das Ehepaar Gille seit 25 Jahren Künstlern ein besonderes Podium. Es ist deutschlandweit bekannt.

Frauenstein.

Wie lassen sich Malerei, Grafik, Plastik, Skulptur und weitere künstlerische Genres am eindrucksvollsten im ländlichen Raum präsentieren? Das Zusammenspiel von Kunst und besonderem Umfeld lässt sich bei Susanne und Carsten Gille im Frauensteiner Hofefeld finden. Seit 25 Jahren öffnen sie ihren privaten Hof mit Scheune und großem Garten für Besucher zur alljährlichen Sommergalerie.

Besucher erleben in den Ausstellungen inmitten von Ruhe und ausgewogener Landschaft eine Symbiose aus Kunst in liebevoll gestalteten Räumlichkeiten und einem ebensolchen Gartenreich. Die Galerie ist aus dem kulturellen und touristischen Leben Frauensteins wie aus der Kunstszene der Region nicht mehr wegzudenken.

Auf die Idee, eine solche sommerliche Schau mit Werken professioneller Künstler aus ganz Deutschland und darüber hinaus aufzubauen, kam das Ehepaar Gille eher durch Zufall. Bei einem Bildhauerehepaar im Mecklenburgischen entdeckten der freischaffende Maler und Grafiker sowie die ausgebildete Lehrerin für Germanistik und Kunsterziehung Anfang der 1990er-Jahre ein solches Konzept. So etwas konnten sie sich für ihren idyllisch gelegenen, ehemaligen Bauernhof gut vorstellen. Und sie gingen daran, ihre eigenen Räume herzurichten, zu Beginn den früheren Heuboden der Scheune, wo erste Arbeiten zu sehen waren. Carsten Gille konnte dabei seine Erfahrungen nutzen. Denn im Frauensteiner Schloss hatte er schon zu DDR-Zeiten Ausstellungen verschiedener Künstler im Museumsvorraum gestaltet.

Im Hofefeld organisierten Gilles nun bis 2010 jeden Sommer drei Monate thematische Galerien für Bildende und Angewandte Kunst. Teilweise waren Arbeiten von mehr als 30 Kunstschaffenden zu sehen. "Wir haben sie angesprochen und gewinnen können, aber auch die Künstler haben uns weitere Kollegen empfohlen", sagt Carsten Gille. Der Kreis wurde immer größer, ebenso der Aufwand zur Organisation der Ausstellungen. Die Bildhauer Robert Metzges und Hans Scheib, Maler und Grafiker wie Britta Kaiser, Hans-Jürgen Reichelt, Wolfgang Kühne, Gotscha Chkhaidze und viele mehr gehören all die Jahre zum Galerie-Kreis. Bis heute zeigten 164 Künstler ihre Arbeiten. Regelmäßigen Besuchern sind die Schauen "Italienische Reise", "Das Meer" oder "Im Garten" als Gesamtkunstwerke im Gedächtnis. Bereichert wurden die Sommergalerien übers Jahr durch kleinere Ausstellungen, die besonders Susanne Gille zu ihrer Leidenschaft machte. Im ehemaligen Stall zogen Kunsthandwerk, kleine Kunst in Metall, Keramik, Filz und ähnliches, umrahmt von Texten und Musik, an. "Aber alles hat seine Zeit", sagt sie.

So wandten sie und ihr Mann sich ab 2011 einem kleineren Format der Kunstschau zu, luden von nun an weniger ausstellende Sommergäste ein. "Unser Ziel ist, wenige künstlerische Handschriften intensiver zu zeigen", erklärt Carsten Gille. Und auch er ist seitdem stets mit Malereien und Grafiken vertreten. Einen Namen hat die Sommergalerie inzwischen deutschlandweit, die Besucher kommen auch von weither. "Man muss Zeit mitbringen und sich einlassen können", sagt Susanne Gille. Es sind die Erlebnisse mit Kunst, auch manch Provozierendes darunter, die sich in den Ausstellungen im Hofefeld neu erfahren lassen.

Unterstützung erhält der Enthusiasmus nicht nur durch die Stadt Frauenstein. Auch der Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen steht an der Seite der Beiden. "Das Ehepaar Gille bereichert die Kulturlandschaft in Mittelsachsen im besonderen Maße, denn zum herausragenden persönlichen Engagement kommen Bescheidenheit und kreativer Geist", bringt es Manja Dahms, Leiterin des Kultursekretariats, auf den Punkt. Mit wenigen Mitteln wird sehr viel für das Genre Bildende Kunst bewirkt, das unterstützt der Kulturraum finanziell. Zudem bringt Carsten Gille seine künstlerische Kompetenz als Sachverständiger in der Facharbeitsgruppe Bildende und Angewandte Kunst des Kulturraumes mit ein, sagt Manja Dahms.

Ihrem Anspruch bleiben Susanne und Carsten Gille, beide haben inzwischen die 60 erreicht, mit jeder Ausstellung treu: "Wir wollen die Kunst in diese Gegend bringen und die Region bereichern."

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