Kommunen wollen mit ins Bergwiesen-Projekt

Am Mittwoch steht im Kreistag des Erzgebirgskreises eine weitreichende Entscheidung an - zum Naturschutzgroßprojekt. Und dazu gibt es neue Entwicklungen.

Sehmatal.

Es war und ist immer noch eines der umstrittensten Vorhaben: das geplante Naturschutzgroßprojekt "Bergwiesen im Erzgebirgskreis". Vor allem Landwirte der Region sehen ihre Existenz gefährdet, aber auch Kommunen fürchten Einschränkungen durch Naturschutzauflagen. Schließlich gab es im Technischen Ausschuss des Kreistages ein mehrheitliches Votum für das Fördergebiet "Bergwiesen und Moore des Kammbereiches von Satzung bis Rübenau". Doch damit war die Diskussion noch nicht überall beendet. So liegt dem Kreistag des Erzgebirgskreises vor seiner Sitzung am morgigen Mittwoch ein Antrag der Freien Wähler vor. In dem unterstützen sie die Gemeinden Sehmatal und Crottendorf, die Bestandteil des Naturschutzgroßprojektes werden wollen. Ihr Gebiet war bei der Entscheidung im Ausschuss nicht favorisiert worden, weil dort unter anderem in Oberwiesenthal und Elterlein keine Akzeptanz zu erkennen war. Die Freien Wähler sehen aber in dem Projekt "eine große Chance für die Aufwertung und Entwicklung" der Natur- und Kulturlandschaft Erzgebirge.

Unterstützung erhalten sie von den Kreisräten von Bündnis 90/Die Grünen. "Wir können das Anliegen nur unterstützen und hoffen, dass die betreffenden Areale im Gemeindegebiet in den für das Gesamtprojekt zu erstellenden Pflege- und Entwicklungsplan aufgenommen werden. Damit geht es nicht nur um die Schaffung und den Erhalt unserer Kulturlandschaft, sondern es eröffnen sich bei Umsetzung des Förderprogramms auch tatsächliche Chancen, ein Stück verlorene Artenvielfalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen", begründet Fraktionsvorsitzende Ulrike Kahl. Auch Volkmar Zschocke, naturschutzpolitischer Sprecher der bündnisgrünen Landtagsfraktion, sieht in dem Projekt großes Potenzial weit über den Naturschutzgedanken hinaus - nicht nur für den naturnahen Tourismus in der Region. Er sagt: "Es kann auch in der Zusammenarbeit mit den Flächennutzern - wie den Landwirten - langfristig tragfähige wirtschaftliche Perspektiven bieten".

Dass der "projektbezogene Planungsraum" für ein solches Vorhaben durchaus auch aus mehreren Fördergebieten bestehen kann, darauf weist das sächsische Umweltministerium hin. Erfahrungen aus den bisherigen Naturschutzgroßprojekten zeigten sogar, dass noch in der Umsetzungsphase Erweiterungen möglich sind. "Es können auch noch im Rahmen der Gebietsbereisung mit dem Bundesamt für Naturschutz aktuelle Entwicklungen, Überlegungen und Interessenslagen einzelner Kommunen, Eigentümer oder Bewirtschafter diskutiert und in das Projekt mit aufgenommen werden", erläutert Ministeriumssprecher Robert Schimke. Das Bundesamt entscheidet abschließend über Projekt und Förderung. Zunächst aber fällt am Mittwoch im Kreistag die Entscheidung, ob es seitens des Erzgebirgskreises überhaupt zu einer entsprechenden Antragstellung kommt.

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