Kontroverse Debatte über Zukunft des Schienentrabis

Die Stadt Lunzenau will den Abschnitt der Muldentalbahn auf ihrem Gebiet nicht kaufen. Bürgermeister Ronny Hofmann fürchtet ein finanzielles Fass ohne Boden. Doch es regt sich Widerstand.

Lunzenau.

Im Lunzenauer Stadtrat hat sich eine lebhafte Debatte über die Zukunft der Muldentalbahn entzündet. Thomas Krauß vom Verein Sächsischer Eisenbahnfreunde hatte zuvor in der Bürgerfragestunde auf das drohende Aus des Schienentrabis hingewiesen. Denn die Muldentalbahntrasse Invest GmbH & Co KG mit Sitz in Berlin, die die Trasse jüngst gekauft hatte, kündigte die Nutzungsvereinbarung mit dem Verein zum Herbst diesen Jahres. Ohne diesen Vertrag, so Krauß weiter, "sind Schienentrabifahrten ab 2021 nicht mehr möglich". Der Eisenbahnfreund fragte deshalb, ob denn die Stadt nicht doch das Vorkaufsrecht ziehen könnte.

Dazu ist es aber offenbar zu spät. Der Lunzenauer Bürgermeister Ronny Hofmann verwies auf abgelaufene Fristen und führte zudem rechtliche Bedenken ins Feld. "Wir haben auch schon so zu tun, unsere Pflichtaufgaben zu erfüllen", ergänzte der CDU-Politiker. "Die Steilhänge, die Tunnel und die großen Brücken - mit den Folgekosten wären wir überfordert."

Vizebürgermeisterin Katja Schättin (Freie Wählergemeinschaft Lunzenau, FWL) konterte: "Für mich ist das Thema nicht beendet." Den Schienentrabi bezeichnete sie als Chance für den Tourismus und die ländliche Region. Ein Aus sei "sehr, sehr schade". Weitere Wortbeiträge folgten. Letztlich beantragte FWL-Fraktionschef Jens Mohr - und zwar erfolgreich - sich umfassender in der nächstmöglichen Sitzung mit der Thematik zu befassen. "Egal, zu welchem Ergebnis wir am Ende der Diskussion kommen", so Mohr. In wenigen Wochen soll deshalb nicht nur der Streckenabschnitt auf Lunzenauer Flur in Augenschein genommen werden. Auch eine erneute Debatte im Stadtrat steht an.

Eisenbahnfreund Krauß brachte zum Schluss eine weitere Variante ins Spiel. "Vielleicht kann Lunzenau ja den Abschnitt von der Gesellschaft kaufen." In Rochlitz und Seelitz hatten sich die Räte dafür ausgesprochen, das Vorkaufsrecht zu ziehen. Beide Kommunen wollen sich somit fast fünf Kilometer der 40 Kilometer langen Strecke von Rochlitz nach Glauchau sichern. Laut Krauß gibt es zudem Ideen für Abschnitte auf Wechselburger und Peniger Gebiet. Hier will neben den Sächsischen Eisenbahnfreunden ein weiterer Verein in die Bresche springen.

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