Kosten für Netzanschluss umstritten

Während der Wasserversorger ZWA ab Juli einen Teil Altgeringswaldes an die zentrale Versorgung anschließen will, fühlen sich die Dittmannsdorfer brüskiert.

Dittmannsdorf.

Wasser aus der öffentlichen Trinkwasserleitung wünschen sich auch Einwohner des Geringswalder Ortsteils Dittmannsdorf. Denn Druckverhältnisse und Qualität aus einer Quelle bei Arras lassen mehr und mehr zu wünschen übrig. Der sogenannten Wassergenossenschaft - ein Zusammenschluss von 64 Abnehmern - ist klar, dass etwas passieren muss.

Erst recht, nachdem die Grundstückseigentümer unlängst Post vom Kommunalem Wasserverband ZWA aus Hainichen erhielten. Darin wurden sowohl der geplante Termin des Baubeginns für ein neues Leitungsnetz als auch der etwaige finanzielle Aufwand für die Grundstückseigentümer angegeben.

Die Mitteilung sorgte für Aufregung. "Das ganze Dorf stand Kopf", beschrieb Margitta Thiele von der Wassergenossenschaft die Lage im April. "Aufgelistet waren unter anderem Kosten von rund 5000 Euro pro Grundstück. Allein das Verlegen der Hauptleitung soll jeden Abnehmer 2500 Euro kosten." Es sei ja nicht so, dass man nicht bezahlen wolle. "Aber wir haben auch Alte und Alleinstehende im Dorf. Die mussten bereits vor Jahren für eine vollbiologische Kleinkläranlage tief in die Tasche greifen. Da ist eine Grenze erreicht."

Was die Wassergenossenschaft Dittmannsdorf, wie fünf Vertreter in einer Zusammenkunft sagten, empört, ist der Fakt, sich vom ZWA überfahren zu fühlen. So habe es bereits 2014 ein Treffen mit Vertretern des Verbandes gegeben. "Damals hieß es, dass uns keine Kosten entstünden, der Verband unser Netz übernehmen und dafür 80.000 Euro zahlen wolle", erklärte einer der Dittmannsdorfer. Danach habe man vom ZWA nichts mehr gehört. Stattdessen sei den Grundstückseigentümern ohne Vorwarnung das jüngste Schreiben ins Haus geflattert. "So, wie es bis jetzt gelaufen ist, geht es nicht", bemerkt Margitta Thiele. "Wir fordern ein Treffen aller Eigentümer, bei dem der Wasserverband auf unsere Fragen eingeht." Das Gros der Dittmannsdorfer habe Widerspruch gegen das Vorhaben erhoben, etliche Eigentümer seien ihres Wissens noch gar nicht informiert.

Außerdem wolle man mit der Geringswalder Stadtverwaltung ins Gespräch kommen, dass wenigstens die Kosten für die Hauptleitung durch die Kommune übernommen würden. Die Wassergemeinschaft spielt damit auf den Zettlitzer Ortsteil Rüx an. Für den hatte der Gemeinderat im Sommer 2018 den Weg für 17.000 Euro freigemacht, die die Eigentümer entlasten sollen, die sich an das öffentliche Trinkwassernetz anschließen lassen.

Die Kommune begrüße das Vorhaben des Wasserverbandes, den Ortsteil mit qualitativ hochwertigem Wasser zu versorgen, sagte Bürgermeister von Geringswalde, Thomas Arnold (parteilos). Gleichwohl sieht er keine Möglichkeit, für Kosten wie etwa die der Hauptleitung aufzukommen. "Wir verfügen leider nicht über die finanziellen Ressourcen." Indes dürfe man eines nicht vergessen: "In den zurückliegenden 30 Jahren fielen für die Dittmannsdorfer nur die Kosten für Pumpen und notwendige Reparaturen an. Eine Rücklage, wie sie jeder Hauseigentümer für Neuerungen zurücklegt, ist offenbar nicht gebildet worden." Der Wasserzweckverband hatte auf einen schnellen Baubeginn gehofft, denn fördermitteltechnisch sei das Projekt Flemminger Straße in Altgeringswalde an das Dittmannsdorfer Vorhaben geknüpft. Der Anschluss von sechs Grundstücken in Altgeringswalde ist für Anfang Juli geplant. Danach sollte Dittmannsdorf folgen.

Zwar speist der Verband bereits in Hochbehälter im Dorf ein. Zuletzt 2019, wie Ulrich Pötzsch als technischer Geschäftsleiter beim ZWA mitteilte. Und ihm sei bekannt, was 2014 besprochen worden war. "Wir hatten ins Auge gefasst, das bestehende Netz in Dittmannsdorf abzukaufen und sukzessive zu erneuern." Inzwischen hätten sich aber die Prämissen der Fördermittelgeber geändert. "Wir bekommen Projekte nur gefördert, wenn wir das Netz neu errichten. Bauen wir auf Vorhandenes auf, gehen wir leer aus." Und das, was der Verband als Anlagevermögen übernommen hätte, wie marode Stahlleitungen oder eine veraltete Druckerhöhungsanlage, sei Schrott. "Und wir brauchen künftig weder das Quellgebiet noch die vorhandenen Hochbehälter."

Eine Veranstaltung mit den Dittmannsdorfer Einwohnern lehnt Pötzsch der Pandemie wegen ab. Stattdessen favorisiert der Verband Treffen kleinerer Gruppen unter freiem Himmel.

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