Kreisarchiv: Großer Schatz wächst weiter

Immer wieder erhalten die drei Standorte im Kreis historische Unterlagen, zum Beispiel von Heimatforschern. Das Archiv wird aber auch rege genutzt.

Wechselburg.

Auf dem Tisch liegen ein Album mit alten Fotos zur Schule in Milkau, drei farbige Zeichnungen mit Entwürfen für die Gestaltung der Klassenräume und noch weit mehr. Zeitzeugnisse, die die Geschichte der Bildungsstätte dokumentieren. Bis vor kurzem hat Berit Wittke vom Milkauer Heimatverein und dem dort angesiedelten Geschichtstreff die Unterlagen verwahrt. Denn Wittke und weitere Engagierte haben zur Geschichte der Schule, die 2019 ihr 60-jähriges Bestehen feierte, recherchiert.

Nun hat die Milkauerin die Unterlagen ans Kreisarchiv in Wechselburg übergeben. "Im Heimatverein haben wir nicht die Bedingungen, um das zu lagern", sagt sie. Anders ist es im Archiv, wo Sigrid Schulz die Dokumente sichtet und den Bestand zur Schule ergänzt. Schulz ist zuständig für den Wechselburger Standort und war bis vor Kurzem langjährige Leiterin des Kreisarchivs, das außerdem Standorte in Freiberg und Mittweida hat.

Ihren Worten nach kommt es immer wieder vor, dass der Bestand des Archives Zuwachs aus privater Hand erfährt. "Oft wird bei Haushaltsauflösungen etwas gefunden, wie etwa Aufzeichnungen eines Familienmitglieds, das Gemeindeschreiber war", berichtet sie. Übergeben wurden auch schon einmal ein Poesiealbum von 1894 einer Schülerin aus Rochlitz, nennt Schulz ein weiteres Beispiel. "Das Archiv sortiert aus, was einen bleibenden Wert für die Nachwelt hat", sagt Schulz.

Das Kreisarchiv Mittelsachsen archiviert Unterlagen der Kreisverwaltung und ihrer Vorgängerinstitutionen, ebenso archivwürdige Unterlagen aus Städten und Gemeinden, die kein Archiv unterhalten, sowie aus Schulen, Betrieben und Einrichtungen. Hier finden sich Protokollbücher, Chroniken, Broschüren - etwa zur 60-jährigen Geschichte der Milkauer Schule -, Arbeiten von Studenten und Schülern, zum Beispiel zur Wiederbelebung der Bahnstrecke Rochlitz-Narsdorf, aber auch Gemeindeblätter. Aufbewahrt sind auch alte Zeitungen, darunter das Peniger Wochenblatt ab 1807 und die Rochlitzer Zeitung ab 1819. Auf Mikrofilm sind sie gesichert. Was ist der größte Schatz im Archiv? Schulz lächelt: "Das Archivgut in seiner Gänze. Es ist einmalig und unwiederbringlich". Raritäten gibt es dennoch, etwa Unterlagen zu Rechtsangelegenheiten aus dem 15. Jahrhundert oder ein Gästebuch, begonnen 1860 zur Eröffnung des Aussichtsturms auf dem Rochlitzer Berg.

Das Kreisarchiv verwahrt die Bestände nach geografischer Zuständigkeit. Seit 1986 gibt es den Wechselburger Standort, im vorherigen, 1886 erbauten Schulgebäude an der Waldstraße. Zuvor befand sich dieses Archiv auf Schloss Rochlitz. Gesammelt wird Archivgut aus der Region Geringswalde, Rochlitz, Lunzenau, Penig und Burgstädt. Zum Bestand gehören 4000 laufende Meter.

Der Freiberger Standort archiviert Dokumente aus dem Raum Freiberg, Brand-Erbisdorf, Flöha. 8500 Meter sind es dort. Bewahrenswertes aus den Altkreisen Döbeln und Hainichen findet sich seit 2016 in Mittweida, auf 6500 Regalmetern.

"Das Kreisarchiv wird gut genutzt, 2019 gab es 1800 Anfragen", sagt Schulz. Heimatforscher, Ortschronisten, Geschichtsinteressierte, Schüler, Studenten, Vereine nähmen den Service wahr. So erfolgten etwa Recherchen zur Geschichte der Rochlitzer Feuerwehr. Einem Schützenverein sei es sogar gelungen, anhand einer historischen farbigen Zeichnung die Vereinsfahne nachzufertigen. Beliebt sei auch die Familienforschung. "Wir hatten auch schon Nutzer aus dem Ausland." Nicht immer ist die Nutzung gebührenfrei, etwa bei privaten Anliegen.

Auf der Internetseite des Landkreises gibt es eine Übersicht über die Bestände. So kann man sich informieren, wo etwas zum jeweiligen Anliegen lagern könnte. Die Archivare helfen bei der Suche. Vor Ort kann man, sofern keine Schutzfrist dagegen spricht, die Dokumente einsehen, sich Notizen machen und zum Teil eine Kopie erstellen lassen.

"Das Archiv ist das Gedächtnis der Region", so Schulz. In den Magazinen herrschen besondere Bedingungen. Das Gros lagert bei 18 Grad Celsius und einer Luftfeuchte von 50 Prozent in abgedunkelten Räumen in Archivkartons in Regalen.

Ein Thema der nächsten Jahre ist die Digitalisierung. Seit 2019 werden Bestände über eine Archivsoftware erschlossen, für die Recherche und die Sicherung des Archivguts.

Service: Das Kreisarchiv in Wechselburg hat dienstags von 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Telefon: 037384 240, E-Mail: sigrid.schulz@landkreis-mittelsachsen.de.

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