AC/DC in Leipzig: Partymeute hängt schnell bei Rumpelstilz-Axl am Haken

45.000 feierten am Mittwochabend in der Leipziger Red-Bull-Arena die Rock-Giganten AC/DC. Dabei ist deren aktuelle Rock-or-Bust-Tour eigentlich eine Mogelpackung.

Leipzig.

Ist das jetzt noch AC/DC oder kann das weg? Rund 8000 Fans der australischen Hardrocker haben diese Frage nach dem Ausstieg von Sänger Brian Johnson eindeutig beantwortet und ihre Karte für das Konzert am Mittwochabend im Leipziger Stadion zurückgegeben. Axl Rose (54), die Skandalnudel von Guns N'Roses, gemeinsam auf der Bühne mit der monsterbusigen Aufblas-Rosie und Gitarren-Derwisch Angus Young (61) - das wollten sie sich nicht antun.

Vorstellbar, dass der eine oder andere seinen Entschluss bereut. Möglicherweise hat er ein historisches Konzert verpasst, eines der vielleicht letzten der Rock-Legende in Deutschland überhaupt. Am 15.Juni treten AC/DC bei einem Zusatzkonzert in Düsseldorf das letzte Mal während ihrer Rock-or-Bust-Tour in Europa auf, die im September in den USA zu Ende geht. Ob und wie es danach mit AC/DC weitergeht, lässt Angus Young offen.

Dass Malcom Young (63) vor zwei Jahren wegen seiner Demenzerkrankung die Gitarre aus der Hand legen musste, dass Drummer Phil Rudd (62) wegen dauerhaften Ärgers mit der Justiz aus der Band flog, war zu verkraften. Stevie Young (59) und Chris Slade (69) sind solider Ersatz. Es sind Angus Young und Sänger Brian Johnson (68), die seit 1980 das Gesicht von AC/DC prägten. Groß deshalb der Schock, als Johnson wegen drohender Gehörlosigkeit während der aktuellen Tour aussteigen musste, noch größer die Überraschung, als Angus Young den exzentrischen Axl Rose als Ersatz für den Rest der Tour ankündigte.

Kann der Mann mit einer Stimme zwischen Kettensäge und Schmirgelscheibe AC/DC? 97 Prozent der Leipziger Partymeute vom Mittwoch würde sagen: Er kann! Es dauert ein paar Takte, bis der ungewohnte Zusammenklang den Weg übers Ohr in den Bauch und von dort in Arme und Beine gefunden hat. Bei dem einen oder anderen Titel - "Dirty Deeds Done Dirt Cheep" zum Beispiel - klappert und quietscht es merklich. Aber spätestens mit seiner Fassung von "High Voltage" hat Rose die tobende Masse am Haken. Dass das so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass die Band ihre Titelliste auf den neuen Sänger einstellt. Axl Rose' Stimme ist deutlich höher als die von Brian Johnson, damit aber näher an der von Johnsons Vorgänger Bon Scott, der Anfang 1980 eine nächtliche Sauftour nicht überlebte. Ganze 13 der 23 Titel der Leipziger Show stammten aus den Bon-Scott-Jahren, weitere sechs vom 1980 erschienenen "Back in Black"-Album.

Der Name der Tour verkommt damit natürlich zur Mogelpackung. Vom aktuellen Album "Rock or Bust" erklangen ganze zwei Songs. Doch wen schert's? Die Fans bekamen, was sie wollten. Feuerwerk und Kanonendonner, Konfettiregen und Höllen-Glocke, einen immer noch bemerkenswert fitten Angus Young und dessen unvermeidliches Endlos-Solo bei "Let There Be Rock". Statt Brian Johnsons Schiebermütze taucht jetzt eben immer wieder Axl Rose' schon aus Guns N'Roses-Zeiten bekanntes Kopftuch auf den riesigen Videoleinwänden auf.

Ein zweites Andenken an Guns N'Roses prägt den Abend: Rose hatte sich Anfang April beim ersten Konzert nach 23 Jahren Pause für die Kultband das linke Bein gebrochen. Es folgten einige Auftritte im Sitzen, in Leipzig rumpelstilzt die füllig gewordene Rock-Sirene mit Manschette am Fuß ungelenk über die Bühne. Eitel wie eh und je, zieht er sich während der Show mindestens genauso oft um wie Madonna bei ihren Konzerten. Rose ist aber auch demütig genug, Angus Young nicht die Show zu stehlen und immer mal wieder anklingen zu lassen, welch Ehre es ihm ist, überhaupt neben ihm stehen zu dürfen. Geht's nach Rose, daran besteht kein Zweifel, rollt der Rock'n'Roll-Train noch lange weiter.

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