Acht mal vier

Der Chemnitzer Jazzgitarrist Torsten Turinsky legt ein Studioalbum mit Beatles-Covers vor. Ausdruck eines Hobbys, von dem er auch beruflich profitiert.

Chemnitz.

Man erkennt das Stück nach den ersten paar Takten: "Michelle" von den Beatles, ein Ohrschmeichler mit besonderer harmonischer Würze, vom sechsten Studioalbum "Rubber Soul", 1965. Ein Arrangement für Sologitarre in diesem Fall, und doch klingt es anders als etwa bei Göran Söllscher, einem der bekannteren klassischen Gitarristen, die ebenfalls die Beatles gecovert hatten. Die Bässe in diesem exakten, zügig schreitenden Rhythmus klingen tiefer, sind stärker markiert - sind das Gitarre und Bass?

Gewissermaßen ja und doch wieder nicht: Dem Chemnitzer Jazzgitarristen Torsten Turinsky, der dieses Stück mit 14 weiteren Instrumental-Covers der Beatles jetzt für sein eigenes Label, "Tury", hat auf CD und erstmals auf Vinyl pressen lassen, waren sechs Saiten zu wenig. Der Jazzgitarrist Charlie Hunter, ein Vorbild des Musikers, wies ihm den Weg: Turinsky ließ sich nach dem Vorbild des Kollegen bei einem hessischen Gitarrenbauer ein achtsaitiges Instrument bauen, das neben drei greifbaren Basssaiten auf E-A-D, eine Oktave tiefer als bei der klassischen Gitarre, fünf reguläre Saiten auf A-D-g-h-e aufweist.

"Fab Four on Eight Strings" heißt das Ergebnis. "Es war das, was ich brauchte, um mich musikalisch so auszudrücken, wie ich es mir vorstelle", erklärt Turinsky. Mit seinen CD-Publikationen seit 1999, vorwiegend mit Eigenkompositionen in wechselnder Besetzung, strebt er nicht primär nach Ruhm, sondern will seine Begeisterung für handgemachte Musik mit andern teilen. Der Chemnitzer vom selben Jahrgang wie das Lied "Michelle" kann da auch frei aufspielen, weil er die Musik praktisch als Hobby auf professionellem Niveau betreibt. Und auch die berufliche Bahn hat sie ihm gewiesen: Rund 25 Jahre war der Chemnitzer, der Jazzgitarre am Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau studiert hat, als freier Handelsvertreter für diverse Studiotechnikfirmen mit Schwerpunkt Mikrofone tätig. Dabei hatte er den Kollegen stets voraus, mit Kunden als Mann der Praxis reden zu können. Seit 2017 arbeitet er als einziger Musiker im Vertriebsaußendienst der renommierten Mikrofonschmiede Microtec im thüringischen Gefell, dem historischen Ableger der Berliner Branchen-Ikone Neumann.

Dass Turinsky als Hobbymusiker firmiert, bedeutet indes nicht, dass er im eigenen Saft schmort. So gelang es ihm, für sein Cover von "Yesterday" den New Yorker Fingerstyle- Gitarristen Adam Rafferty als Duopartner in sein Chemnitzer Studio zu holen. "Wir haben noch gemeinsam mehrere Stücke von mir aufgenommen. Die sind aber für ein anderes Album, für das ich noch eine thematische Klammer suche", sagt er.

Die Musik war ihm nicht in die Wiege gelegt. Mit elf Jahren, sechs Jahre nach Trennung der Beatles, entdeckte er die Musik der Pilzköpfe für sich, wollte ihre Musik nachspielen. Nach einem missglückten Gitarren-Eigenbau schenkte ihm seine Mutter zum 13. Geburtstag die erste Klampfe. Zehn Jahren Selbststudium folgte - ohne jeden Musikschulbesuch - das Studium in Zwickau, ermöglicht durch den 2005 verstorbenen Manfred Kebsch, der Turinskys Talent erkannte und förderte. "Dafür", sagt der 53-Jährige, "bin ich bis heute dankbar." www.tury.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...