Als der Kommissar die Pfeife anzündete

Der vergessene erste Maigret-Krimi ist wieder aufgetaucht

Brüssel/Paris.

75 Maigret-Thriller liegen bisher auf Deutsch vor. Jetzt gesellt sich als kleine Sensation ein weiterer hinzu, der zudem die Urvariante der Maigret-Storys verkörpert: Es handelt sich um den ersten Roman, in dem der eigenwillige Kommissar als Hauptfigur agierte. Der Text erschien ab März 1930 in mehreren Fortsetzungen in der Zeitung L'Oeuvre. Georges Simenons Hausverlag Fayard hatte den Druck abgelehnt, weil Krimis damals nicht zu dessen Verlagsprogramm gehörten. Das Buch weist sämtliche Merkmale der späteren Bestseller auf: Man begegnet Maigret in seinem Büro am Pariser Quai des Orfèvres, der zu einer ebenso legendären Adresse wurde wie das Haus von Sherlock Holmes in der Londoner Baker Street. Auch vertraute Personen tauchen bereits auf, etwa Inspektor Torrence oder Richter Comeliau. Vor allem raucht der Polizist hier schon seine berühmte Pfeife, die indes während einer dramatischen Szene des Geschehens zu Bruch geht.

Das Opus beginnt damit, dass Maigret in einer unwirtlichen Novembernacht beim leidigen Berichtschreiben plötzlich im Dienstzimmer Besuch erhält: Eine junge Dame nimmt vor seinem Schreibtisch Platz und behauptet, eine Mörderin zu sein. Doch ehe er das Geständnis protokollieren kann, klingelt im Nachbarraum das Telefon. Als der Kommissar zurückkehrt, hat sich die vermeintliche Verbrecherin in Luft aufgelöst. Er begegnet ihr am Folgetag unerwartet wieder, und zwar in einem Wohngebäude in Montreuil, wohin ihn ein Ruf von Amts wegen ereilt. Ab diesem Moment überschlagen sich die Ereignisse - und der Leser wird hineingesogen in eine packende Geschichte mit psychologischem Pep, die absolut typisch ist für Simenons bekannten Nervenkitzel-Stil.

Das Buch

Georges Simenon: "Maigret im Haus der Unruhe", Kampa, 224 Seiten, 16,90 Euro

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