Alte Meister in neuem Glanz: SKD weltweite Kooperation

Mehr Licht, mehr Kunst, mehr Sinnlichkeit: Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden gehört zu den bedeutendsten Bildermuseen der Welt. Fortan kann sie ihre Werke noch eindrucksvoller präsentieren.

Dresden (dpa/sn) - Dresden ist um eine Kunstattraktion reicher. Nach siebenjähriger Renovierung des Semperbaus am Zwinger will die Gemäldegalerie Alte Meister mit einem neuen Konzept Glanzlichter setzen. Am Mittwoch stellten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) die neue Ausstellung erstmals vor, am Freitag soll sie offiziell eröffnet werden. SKD-Chefin Marion Ackermann sprach von einer der beliebtesten Sammlungen der Welt. Es gebe kaum welche, wo so viele Einzelwerke oder Werkgruppen sich so im kollektiven Gedächtnis verankert hätten. Der historisch gewachsene Bestand unterscheide Dresden von anderen Bildersammlungen der Welt. Die neue Exposition umfasst 700 Gemälde und 420 Skulpturen.

Tatsächlich ist der Reichtum der Gemäldegalerie der exzessiven Sammelleidenschaft von Sachsen-Herrscher August dem Starken (1670-1733) und seines Sohnes Friedrich August II. (1696-1763) zu verdanken. Sie hatten Europa bereist und überall Kunstagenten postiert, die gezielt Ankäufe machten, berichtete Ackermann. Die Sammlungstätigkeit sei erst mit dem Siebenjährigen Krieg abgebrochen. Bis dahin gelangten allerdings Meisterwerke in die Dresdner Galerie, dessen Aushängeschild die «Sixtinische Madonna» von Raffael ist. Aber auch Giorgiones «Schlummernde Venus», der «Ganymed» von Rembrandt, die Veduten Bellottos, Tizians «Zinsgroschen» oder das «Schokoladenmädchen» von Jean-Étienne Liotard werden nun als Schlüsselwerke eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Die Sanierung der Sempergalerie erfolgte während des laufenden Museumsbetriebes. Allerdings war in den vergangenen Jahren nur etwa die Hälfte des Bestandes zu sehen. Die SKD nutzten die Zeit auch, um 45 Gemälde grundlegend zu restaurieren und an gut 160 Bildern kleinere Arbeiten vorzunehmen. Auch mehr als 300 Bilderrahmen wurden restauriert. Die Räume sind nun nach Themen unterteilt. Die Raffael- Madonna wird von anderen Altarbildern flankiert. Einzelne Säle widmen sich beispielsweise der venezianischen Malerei oder holländischen Stillleben. Ackermann erinnerte am Mittwoch auch an jene 410 Gemälde, die 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer verschollen sind - etwa 12 Prozent des Gesamtbestandes.

Anders als früher können Gäste nun auch die Skulpturensammlung der SKD im Semperbau bestaunen. Die Fülle an Exponaten ermöglicht eine Gegenüberstellung von Malerei und Skulpturen. Sie soll zeigen, wie Maler auf Bildhauer reagierten und umgekehrt. Sachsen investierte knapp 50 Millionen Euro in die Sanierung, zudem kam privates Geld für das ausgeklügelte Beleuchtungskonzept. Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) sprach von einem klaren Bekenntnis für das Kulturland Sachsen. Ackermann zufolge ist die Gemäldegalerie nun mit exzellenter Klima- und Brandschutztechnik ausgestattet und so für die Zukunft gerüstet. Auch das Sicherheitskonzept sei noch einmal angepasst worden. Im November 2019 gab es in den SKD einen spektakulären Einbruch in die Schatzkammer «Grünes Gewölbe».

Galerie-Direktor Stephan Koja und Ackermann kündigten am Mittwoch weitere internationale Projekte an. So wird unter anderem die Ausstellung «Raffael - Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Nachwirkung» (ab 3. April in Dresden) im September in Columbus (US-Bundesstaat Ohio) zu sehen sein. In Moskau soll es im Herbst in der Tretjakow-Galerie eine Ausstellung mit Dresdner Exponaten zur Romantik geben. 2022 ist eine große Schau rund um das Gemälde «Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster» von Vermeer in Japan geplant. Auch die gemeinsamen Restaurierungsprojekte mit dem Getty Institute in Los Angeles gehen weiter.


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