Auf ins Museum!

Am Sonntag wird in ganz Deutschland der Internationale Museumstag begangen. Unter den Bedingungen der Coronakrise wird dieser Tag - auch in den vielen Museen, die tatsächlich schon wieder Publikum empfangen - anders ablaufen als in den vergangenen Jahren. Aber vielleicht nicht unbedingt schlechter.

Die Vorstellung, an diesem dritten Maiwochenende wieder ein öffentliches Museum besuchen zu können, sie mag noch bis vor wenigen Tagen - vor einigen Wochen sowieso - für viele Menschen abenteuerlich und abwegig gewesen sein. So wie vor einem Jahr (oder noch vor drei Monaten) die Vorstellung, es aus den heute sattsam bekannten Gründen eine Zeit lang nicht zu dürfen.

Den Internationalen Museumstag am Sonntag, den auch die "Freie Presse" zum Anlass nimmt, ihren Info-Service für Kulturinteressierte langsam wieder hochzufahren, begehen allein in Sachsen rund 125 Museen mit bereits auf Dauer geöffneten Türen - unter den im öffentlichen Leben zurzeit allgemeingültigen Hygiene- und Abstandsregeln. Was ergeben sich daraus sowie aus der Auszeit, die hinter den Kunst- und Alltagsgeschichtstempeln und ihren fast zwei Monate lang ausgesperrten Besuchern liegt, für Vorzeichen? Eigentlich nicht die Schlechtesten. "Was fehlt, merkt man erst, wenn man es nicht mehr hat." Dieser Spruch wirkt ein wenig wie eine abgedroschene Kalenderweisheit. Und doch ist etwas Wahres dran. Das dürfte so ziemlich jeder in den vergangenen Wochen gemerkt haben. Denn fast niemandem war es vergönnt, weiterhin allen seinen lieben Gewohnheiten nachzugehen. Das ist selbst jetzt noch nicht möglich. Gut, die Gastronomie steht mit gebremstem Schaum und viel Desinfektionsmittel in den Startlöchern. Viele andere öffentliche Einrichtungen, die dem Menschen dabei helfen, vom oder im Alltag Abstand zu gewinnen, ebenfalls. Aber analoge Kultur findet erst mal nicht in Theater oder Konzertsaal, sondern zunächst nur in Museen statt.

Und die erhalten damit jetzt einen Bonus. Denn, Hand aufs Herz, wie oft ist es zu normalen Zeiten so: Ein Medienbericht oder ein Plakat weckt das Interesse an einer just eröffneten Ausstellung. Man nimmt sich vor: "Da gehe ich hin!", heftet vielleicht sogar als Gedächtnisstütze einen Zeitungsartikel oder einen Flyer an die heimische Pinnwand. Aber dann kommt dies dazwischen, dann kommt jenes dazwischen. Ein Konzert, eine Sportveranstaltung, ein Treffen mit Freunden, ein Wochenendtrip, der Urlaub, den man auch nicht zu Hause verbringt - und schließlich sind die Wochenenden, an denen man die Ausstellung hätte besuchen können - wer geht in der eigenen Region schon werktags ins Museum? - verstrichen, die Ausstellung ist wieder abgebaut. Aber immerhin, man hätte gewollt!

Das gilt dieser Tage nicht: Die Museen haben, im Einzelfall nur mit bestimmten Abteilungen, zumindest an einigen Tagen der Woche geöffnet, und anderweitige Ablenkungsmöglichkeiten sind rarer gesät als zu normalen Zeiten. Ob nun zum Museumstag oder in den Wochen danach, die Devise lautet: Jetzt aber. Es ist Zeit für erste Gehversuche jenseits der absolut notwendigen Verrichtungen außer Haus im Karree von Satt, Sauber, Gesund und Beschäftigt. Es ist Zeit, sich etwa im Angesicht der Zeugnisse von Kunst, Technik oder Wissenschaft wieder bewusst zu machen, was den Menschen zum Menschen macht.

Zumal viele Museen den vor Corona Säumigen eine Extrachance geben. So verlängert etwa das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz seine international viel gepriesene, in Thematik und Aufbereitung beispiellose Ausstellung "Leben am Toten Meer" bis Mitte Juni. Die Kunstsammlungen Chemnitz, die als erstes der Chemnitzer städtischen Museen zum Museumstag bereits wieder geöffnet sind, haben praktisch allen ihren Sonderausstellungen in Absprache mit den jeweiligen Leihgebern eine mehrwöchige Nachspielzeit verordnet. Darunter die Clara-Mosch-Ausstellung (jetzt bis 21. Juni) und die Ausstellung "Paris 1930. Fotografie der Avantgarde" (5. Juli). "Industrie in Bildern", die aktuelle Sonderschau in den Kunstsammlungen Zwickau - Max-Pechstein-Museum, die, noch im Schatten der aufziehenden Pandemie eröffnet, hernach bis zum Lockdown nur noch neun Tage zu sehen war, verlängert ihre Dauer bis Ende Juli.

Doch abgesehen davon, dass der Museumstag dieses Jahr in eine Zeit fällt, in der das Entdecken der Vielfalt der Museumslandschaft wieder etwas Besonderes ist, hat der Deutsche Museumsbund, der die Aktionen hierzulande koordiniert, den Tag in das Zeichen des kontaktlosen digitalen Entdeckens gestellt und alle Angebote im Internet zusammengefasst. So bieten denn zahlreiche Museen aus diesem Anlass Sonderaktionen und Präsentationen auf ihren Internetseiten an - unabhängig davon, ob sie auch bereits physisch begehbar sind oder noch nicht.

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