Aus der Mottenkiste

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David Hagenbäumer über die Idee eines sozialen Pflichtdienstes

Es gibt Debatten, die sind so fruchtlos, dass eigentlich ein einfaches Nein genügen würde. So zum Beispiel die Idee eines "sozialen Pflichtdienstes" für junge Menschen. In diesem Fall kommt der Vorschlag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, was bedeutet, dass selbst ein so geistloser Gedanke bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet wird. Natürlich hat es die Idee irgendwelcher Pflichtzeiten für junge Menschen in dieser oder jener Form schon mal gegeben. Aber Murks aus der Mottenkiste ist halt zehnmal interessanter, als sich den Problemen dieser Gesellschaft konstruktiv anzunähern. Nachfolgend zwei Gründe, warum besagter Pflichtdienst Quatsch ist:

Grund Nummer eins liegt auf der Hand: Menschen jenseits der 45 Jahre diskutieren öffentlich darüber, was man denn mit Menschen unter 25 Jahren anfangen könnte? Die haben schließlich nichts zu tun, als dem gesellschaftlichen Leistungsdruck standzuhalten und interessiert dabei zuzusehen, wie die Politik, die über sie diskutiert, zeitgleich Mammutaufgaben wie die Klimakrise und den demografischen Wandel vertrödeln. Hinzu kommt, dass die Debatte zwischen Personen läuft, die es sich locker leisten können, die Oma in der Seniorenresidenz "Abendsonne" zu parken - wo Pflichtdienstleistende dann nur darauf warten werden, ihr das Essen reichen zu dürfen.

Grund Nummer zwei ist die sinnbefreite Argumentation für dieses Konstrukt: Junge Menschen sollen ihren eigenen Horizont erweitern, okay. Aber wie sollen durch ein paar Tausend Pflichtdienstleistende Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden? Geht man davon aus, dass wir aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre ungefähr wissen, wer oder was die demokratischen Eckpfeiler unseres Landes infrage stellt oder gar angreift, dürfte man kaum auf die Idee kommen, dass junge Menschen die Lösung dafür sein könnten. Zumal sich viele von ihnen über Jahre lautstark rechtem und rassistischem Gedankengut entgegengestellt haben. Das Bild des "alten weißen Mannes" mag abgegriffen sein, hat in diesem Kontext aber einen wahren Kern. Für die ist der Pflichtdienst-Zug aber schon abgefahren.

Und mit dieser Einsicht kommen wir zum Anfang zurück: Ein einfaches Nein genügt.

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