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Band Stjarna aus Aue: Von der Schönheit eines verpassten Lebens

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Die einstigen Musiker von The Gallery veröffentlichen ein seltsam hilfloses Album aus großartig traurigen Traumsplittern.

"The Gallery Of Broken Dreams".

 Zufall oder Absicht? "The Gallery Of Broken Dreams", der Titel des ersten und wohl einzigen Albums der Auer Band Stjarna, klingt wie ein Ruf der Resignation inmitten ungläubiger Selbstvergewisserung. Einerseits. Andererseits ist schwingt da aber auch der Trotz, das im Künstlerleben eben nur fast Erreichte doch noch ausstellen zu wollen - allein der tiefen Schönheit seiner verpassten Möglichkeit wegen, die einfach nicht verblassen will. Was für eine Platte: Man muss ihre Geschichte kennen, um wirklich in sie eintauchen zu können!

Stjarna besteht aus Musikern der einst viel versprechenden Erzgebirgs-Band The Gallery, die einst mit den Alben "Dreamscapes" (1997) und "Fateful Passion" (1998) an
den Grundfesten des modernen Prog- wie auch Gothic-Metals mitschraubte. Beide Platten, erschienen beim Lacrimosa-Label "Hall Of Sermon" und ließen auf eine steile Karriere hoffen: The Gallery war bei der ersten Deutschland-Tour der damals kommenden Superstars HIM als Vorband dabei.

Doch dann zerbrach die Gruppe an inneren Unstimmigkeiten - die Mitglieder kehrten mit den Trümmern ihrer Möglichkeiten ins "normale" Leben zurück. Fanden andere Berufe, gründeten Familien.
Stjarna (schwedisch für "Stern") will aus diesem vergangenen Funkeln nochmals Flammen schlagen. Das muss per se schiefgehen - einfach, weil die Band gar nicht mehr glaubhaft sagen kann, was sie vor fast 20 Jahren hätte sagen müssen. Weil es einfach keine Dringlichkeit mehr hat.

Von daher stellt "The Gallery Of Broken Dreams" vor allem die immensen Möglichkeiten eines seltenen Talents aus - was deutlich mehr ist, als die allermeisten hiesigen Bands je haben werden. Allen voran lebt noch einmal der traumhafte Duett-Gesang der Geschwister Antje und Gunnar Mothes auf - der war damals einmalig und ist auch heute noch geeignet, einem direkt kalte Freudenschauer ins Gemüt zu jagen.

Instrumental sind alle Beteiligten zudem Sonderklasse; der softe, leicht alternative Prog-Poprock ist ein Ohrenschmaus auf allen Ebenen der elf Tracks. Ein wenig erinnert die Platte mit ihrer dunkelgoldenen Grundierung an das schlicht formidable Album "Dead Air For Radios" der Band Chroma Key des früheren Dream-Theater-Keyboarders Kevin Moore - nur ist das eben auch schon von 1998.

Man hört Stjarnas sorgsam in zahllosen Proberaum-Sessions nach Feierabend gefeilten Stücken leider zu sehr an, dass sie sich vor allem zeigen wollen. Dass sie nicht aus diesem Leben kommen, sondern aus einem anderem. Einem, das hätte sein sollen. Die facettenreich in einem Anderswo schillernden Songs klingen wie traumhafte Pläne aus einer Schublade, die beim Wegschließen brillant waren, heute aber zu nichts mehr passen.

Weiß man das, kann einen "The Gallery Of Broken Dreams" mit eben dieser Brillanz extrem tief berühren. Allerdings eben auch sehr traurig machen - weil man mithört, dass es für Stjarna längst zu spät ist.

 

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