Bangen um die Frankfurter Buchmesse

Was wird aus der Frankfurter Buchmesse? Noch im Mai soll die Entscheidung fallen. Die Veranstalter stehen von allen Seiten unter Druck.

Frankfurt/Main (dpa) - Dichtes Gedränge in den Messehallen, Menschentrauben bei Lesungen, ausgebuchte Hotels und Gäste aus aller Welt: Solche Szenen wird es in diesem Herbst nicht geben.

Falls die Frankfurter Buchmesse überhaupt stattfindet, wird sie anders sein. Aber wie? Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat angekündigt, «Ende Mai» über die mögliche Ausgestaltung der Messe zu entscheiden.

«Im Moment kämpfen wir aktiv um die Frankfurter Buchmesse», sagt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Wir werden alles tun, damit diese bedeutende Messe stattfinden kann.» Die Meinung bei den Verlagen scheint gespalten: Die einen hoffen, dass die Messe wenigstens in abgespeckter Form stattfindet. Die anderen glauben, wenn internationale Aussteller nicht anreisen können und wenig Publikum kommen darf, macht die Messe keinen Sinn.

Mehr als 300 000 Besucher waren in den Vorjahren nach Frankfurt geströmt, fast 7500 Aussteller aus über 100 Ländern angereist, die Liste der Veranstaltungen war so dick wie ein Buch. Das weltgrößte Event für Bücher sollte in diesem Jahr am Abend des 13. Oktober eröffnet werden und bis 18. Oktober dauern.

Kurz vor der Entscheidung will sich bei der Buchmesse oder dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels niemand mehr öffentlich aus dem Fenster lehnen. «Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Organisation der Frankfurter Buchmesse 2020 mit einem hohen Maß an Unwägbarkeiten verbunden», heißt es in einem dürren Statement. Die die Veranstalter gehen davon aus, dass auf jeden Fall auch im Oktober «noch eine ganze Reihe an Einschränkungen für Veranstaltungen bestehen werden».

Möglicherweise findet die Messe teilweise in den Hallen und teilweise im Internet statt. Denkbar wäre eine «Virtualisierung» zum Beispiel beim Rechtehandel oder bei gesellschaftspolitischen Diskussionen. Als die Leipziger Buchmesse im März kurz vor der Eröffnung abgesagt wurde, konnte man das schon mal üben. Es gab Aktionen im Internet und Einladungen im kleineren Kreis, der Preis der Leipziger Buchmesse wurde im Radio vergeben. Besser als nichts, bilanzierten die Verleger nach der «virtuellen Buchmesse», aber doch kein richtiger Ersatz für persönliche Begegnungen.

Schwierig ist die Situation auch für den Ehrengast Kanada. «Während der Buchmesse in Frankfurt, aber auch bereits im ganzen Jahr zuvor organisiert Kanada ein umfangreiches Kulturprogramm in ganz Deutschland», hatten die Organisatoren im Januar beim Kick-Off in Berlin angekündigt. Unter dem Motto «Singular Plurality» wollte das Land vor allem die Mehrsprachigkeit seiner Literatur herausstellen. Auch die Idee, die eingeladenen Gastländer jeweils um ein Jahr nach hinten zu verschieben, wird diskutiert.

«Wir werden natürlich mit Anrufen und E-Mails überhäuft», sagte Börsenvereins-Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs der «Frankfurter Rundschau». Es gebe «einen wahnsinnigen Durst nach der Buchmesse. Viele Marktteilnehmer wollen sie.» Klar sei schon jetzt: «Die übliche drangvolle Enge in den Messehallen wird es nicht geben.»

Oberbürgermeister Feldmann schlägt vor, mit zusätzlicher Fläche mehr Abstand zu ermöglichen. In der Vergangenheit seien nicht alle Hallen benutzt worden, «wir haben jetzt die Möglichkeit, Quadratmeter dazuzunehmen.» Diese Flächen würden der Buchmesse auch nicht zusätzlich in Rechnung gestellt. «Damit nehmen wir der Buchmesse ein Stück des Risikos ab.»

Für die Stadt ist die Buchmesse ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sagt Frankfurts Tourismuschef Thomas Feda: Nicht nur im Hinblick auf den Umsatz, den die Besucher und Aussteller für den Standort generieren, sondern sie ist auch eine Prestigeveranstaltung für die «Kultur- und Literaturstadt Frankfurt». Laut Branchenblatt «aghz» lag 2019 der durchschnittliche Zimmerpreis zu Messebeginn bei 221 Euro, die Auslastung bei 80 Prozent. Davon wird man 2020 nur träumen können.

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